Monday, June 20, 2011

The Blogosphere as a Nervous System

Gerald Traufetter hat auf spiegel-online in einem feinen Artikel die jüngste IPCC Affäre für das deutsche Publikum aufgearbeitet: Blogger werfen Weltklimarat Interessenkonflikt vor. Die skeptische Blogosphäre, allen voran ihr Held Steve McIntyre, hat den Autoren eines IPCC Berichts als Greenpeace Campaigner "enttarnt". Es ist ein schöner Schachzug von Gerald Traufetter, dass er "Blogger" in die Überschrift setzt. Hat nicht Jerry Ravetz zuletzt auf dem Workshop in Hamburg wieder betont, dass die Blogosphäre eine immer wichtigere Funktion in der Produktion und Kontrolle von Klimawissen spielen wird? Ohne Zweifel haben wir hier ein Beispiel dafür, welche Rolle Blogs bereits heute spielen. Früher oder später werden wir unser Bild von der Wissenschaft gründlich revidieren müssen. Was bedeutet es für unser Wissenschaftsverständnis, wenn ein pensionierter Ingenieur einen Greenpeace Campaigner als Autor des IPCC "enttarnt", der den "state of art" der Klimawissenschaft definiert?
Hier ein paar links zu den Blogs, aus denen Gerald Traufetter u.a. seinen Artikel gebaut hat.

Was ist passiert? Der ruhelose Steve McIntyre ist bei seiner Lektüre eines IPCC Sonderberichts zur Lage der erneuerbaren Energien über eine Aussage gestolpert, die ihn fürbaß erstaunte:
"Close to 80 percent of the world‘s energy supply could be met by renewables by mid-century if backed by the right enabling public policies a new report shows."
Wie sich herausstellte, führt die Spur nach Deutschland, zu Otmar Edenhofer, der für das Kapitel verantwortlich ist, und zum Entsetzen (oder klammheimlichen Freude?) der skeptischen Blogosphäre zu dem Hamburger Greenpeace Campaigner  Sven Teske als  Autor. "Greenpeace karaoke", ruft Steve aus, und kann es nicht fassen, dass ein Greenpeacler IPCC Autor wird! Auch Mark Lynas, eher der Alarmistenseite zuzurechnen, fällt vom Glauben, als er Steve's blog liest:
"Well, if the ‘deniers’ are the only ones standing up for the integrity of the scientific process, and the independence of the IPCC, then I too am a ‘denier’."
Damit schafft er es zur "quote of the week" auf whatsupwiththat, der "a blunder of staggering proportions" beim IPCC konstatiert.  Steckt da nicht ideological Green moneylaundering in großem Stil dahinter? Er zitiert aus einem gleichnamigen Beitrag von Ben Pile von Climate Resistance, der auf Bishop Hill veröffentlicht wurde. So etwas nennt man aktive Vernetzung! Verschiedene Blogs vereinen sich plötzlich zu einem weitumspannenden, dichten Netz, das überall andockt (an-linkt) und so zu einer mächtigen Stimme wird, die nicht überhört werden kann.
Judith Curry kommentiert gewohnt nachdenklich und skeptisch-intellektuell auf ihrem blog und spinnt weiter an ihrem Lieblingsthema "uncertainty monster", von denen es mindestens zwei gibt, nämlich sie und Steve McIntyre. Hier der erste von mehreren Kommentaren von Judith zum Greenpeace Skandal, den sie in ihr täglich weitergesponnenes Spinnennetz elegant einwebt. (Woran spinnt Judtih Curry eigentlich? Erst neulich hat sie z.B. einen Text von Michel Foucault zur Diskussion gestellt.)

Und so könnte man endlos weiter durch die Blog-Wildnis streifen. Was sagen die Blogs von der "anderen" Seite eigentlich dazu? Die Blogosphäre ist ein nervöses System, das ruhelos die Klima-Umwelt auf Unsicherheiten, Inkonsistenzen, Absprachen etc abklopft. Die Printmedien, selbst online inzwischen, übernehmen im besten Fall die Aufgabe, das vielschichtige Geplapper der Blogs synthetisch zusammen zu fügen - wie hier Gerald Traufetter. Der dadurch wiederum eine frühere Meldung aus seiner eigenen Zeitung zum selben Thema um einige wichtige Nuancen erweitert: In einer spiegel-online Meldung vom 9. Mai wird noch von der Vorstellung der IPCC Studie in Abu Dhabi durch Otmar Edenhofer ganz bedenkenlos, ja begeistert berichtet:
 Bereits im Jahr 2050 könnten 77 Prozent aller Energie weltweit aus regenerativen Quellen stammen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Weltklimarates. Schon heute sind demnach erneuerbare Energien wettbewerbsfähig - doch die Politik müsste sie stärker fördern.
Auch ist es hier für spiegel-online noch kein Thema, dass Sven Teske von Greenpeace ganz selbstverständlich hier die Wissenschaft repräsentiert:
"Der Report zeigt, dass es wissenschaftlich keine Probleme gibt, die Welt mit alternativen Energien zu versorgen", sagte Mitautor Sven Teske von Greenpeace International.
Erst durch die Blogosphäre schaut spiegel-online noch einmal hin.

Der eigentliche Fall verschwindet fast hinter dieser enormen Transformation der Wissensproduktion und Kontrolle, die sich via Blogosphäre hier vor unseren Augen vollzieht. Das Klima teilt sich uns nicht mehr nur auf traditionellen Wegen der herkömmlichen Wissenschaft mit. Man weiß nicht, wovon man mehr fasziniert sein soll: von der "Enttarnungsgeschiche", von der Blogosphäre, oder von der Unsicherheit, von der die wissenschaftliche Autorität wie von einem Virus befallen wird.

Und, ach ja, warum darf eigentlich ein Greenpeacler nicht als IPCC Autor tätig werden?

43 comments:

Anonymous said...

"Und, ach ja, warum darf eigentlich ein Greenpeacler nicht als IPCC Autor tätig werden?"

Diese Geschichte ist doch der triftigste Grund dafür. Man möchte doch auch nicht, dass Camel Filter den Internationalen Wissenschaftsrat der Lungenkrebsstudien anführen.

Greenpeace ist schon lange nicht mehr glaubwürdig. Die Klimawissenschaft auch bald nicht mehr.

Yeph

Quentin Quencher said...

Ob da nun Greenpeace eine Studie zu dem Bericht beisteuert oder PIK, da drehe ich die Hand nicht rum, beide werden zunehmend als nicht glaubwürdig betrachtet. Aber das große Problem ist ja wohl die Pressemitteilung. Wie schreibt der Spiegel:

Und der Durchschnitt aller 164 Szenarien, auch das wird deutlich, liegt in der Hälfte des Jahrhunderts bei rund 27 Prozent erneuerbarer Energien. [...] Umso überraschender ist die IPCC-Pressemitteilung. Sie ist so formuliert, dass deutlich das Augenmerk auf jene fast 80 Prozent erneuerbare Energien gelegt wird, wie in der Greenpeace-Studie steht.

Die Pressemitteilung wird von allen großen Printmedien verbreitet, keiner scheint sich da die Mühe gemacht zu haben, genauer hinzuschauen: Wer denn da nun genau mitgearbeitet hat, und ob die Zusammenfassung dem entspricht, was im Volltext steht. Als erstes gehören mal diejenigen entlassen, die für die Pressemitteilung zuständig sind, letztlich haben die nichts anderes getan, als die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen.

Anonymous said...

Mao sagte mal:
"Wenn man einem Idioten mit dem Finger den Mond zeigt, dann schaut der Idiot auf den Finger"

Reiner Grundmann said...

Mir ist icht ganz klar, worueber die Aufregung besteht (ich habe mich allerdings nicht bemueht, durch die Spinnennetze der vergangenen Tage hindurchzuarbeiten): soweit ich weiss, werden IPCC Autoren nicht aufgrund ihrer wissenschaftlichen Exzellenz ernannt. Jeder kann IPCC Autor werden, sofern er von seiner Regierung als Kandidat aufgestellt wird und vom IPCC bestaetigt wird.
Insofern bleibt als Argument eigentlich nur, dass es kontrapordktiv ist und der Glaubwuerdigkeit wenig nuetzt, wenn ausgerechnet ein Greenpeace Mann mit der Federfuehrung solcher Berichte betraut wird. Das ist politisch gesehen naiv.

Werner Krauss said...

Andrew Revkin hat auf seinem dot.earth blog eine schöne Zusammenfassung des Vorfalls sowie Kommentare von IPCC Verantwortlichen, Herrn Edenhofer und hier von
Sven Teske, Senior Energy Expert at Greenpeace International said:

“Each country was invited to propose authors for the Special Report on Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation (SRREN). Germany suggested eight people – of the seven chosen, I was, as far as I am aware, the only engineer working with an environmental NGO”.

“The IPCC SRREN report went through four review rounds, with review rounds of six to eight weeks. With more than 120 contributors, each tasked with dealing with lists of comments, the idea of Greenpeace being able to ‘dictate’ a conclusion is clearly absurd”.

“With Exxon, Chevron and the French nuclear operator EDF also contributing to the IPCC, trying to suggest that this expert UN body is a wing of Greenpeace is preposterous. In fact, Greenpeace has criticised the IPCC for being too conservative over the years. On this occasion our advice was given weight, but that’s hardly surprising given that it was developed with the German Aerospace Centre while the London’s Imperial College, and companies like Oxford Economics and McKinsey have also outlined the vast potential of renewable energy.”

Das alles und noch viel mehr hier:

http://dotearth.blogs.nytimes.com/2011/06/15/a-deeper-look-at-an-energy-analysis-raises-big-questions/#more-34289

ghost said...

Blogs, hm, wie überprüft man eigentlich die Qualität von Blogs? Vor kurzem war ja der Fall eines Blogs einer syrischen lesbischen Frau, die eigentlich ein bärtiger Mann aus den USA war. huh?

Welche Kriterien werden genutzt? Inhaltsqualität? Bilder? Moderation? Usw,? Masse der Leser?

Anonymous said...

Diese Pressemitteilung zeigt gleich mehrere Probleme auf:

1) Lobbyisten haben einfach im IPCC nichts verloren. Ob die nun aus der Ölbranche oder von politischen Umweltverbänden stammen, spielt da keine Rolle, die Experten sollten so unabhängig wie möglich sein. Ansonsten leidet einfach die Glaubwürdigkeit.

2) Es muss dringend für den Report eine Regelung für Interessenskonflikte eingeführt werden. Pauchari arbeitet ja schon ernsthaft dran, diese Regelung so zu gestalten, dass sie erst im übernächsten Report in den 2020ern gilt.

3) Die Pressemitteilung hätte gar nicht erst als Vorveröffentlichung erfolgen sollen. Damit wurde bewusst Anderen die Möglichkeit genommen, die Pressemitteilung inhaltlich zu überprüfen.

4) Die einseitige Darstellung der Ergebnisse, die von mehreren anderen als Teske getragen wurde, zeigt einmal mehr auf, die WG 3 arbeitet mehr an ihrem politischen Interesse als an an ihren vorgegeben Aufgaben.

5) Der in der Pressemitteilung behauptete Nachweis, weltweit 80% erneuerbare Energien wären bis 2050 möglich, ist inhaltlich auch reiner Quatsch. Schaut man sich die Bedingungen des Szenarios an, die für die knapp 80% gegeben sein müssten, sieht man wie weltfremd diese Annahmen sind. Wenn andere Forscher hier auf Werte um die 30% kommen, ist das also kein Wunder. Es ist eigentlich eine Frechheit, der Weltbevölkerung so etwas als erstrebenswertes Ziel zu verkaufen.

Werner Krauss said...

And here is Joe Romm' comment on his blog "Climate progress":
"IPCC Criticized for Making an Accurate Statement: Renewables Could Meet Over 75% of Global Energy Needs in 2050"

His detailed response to the accusations of Lynas and Steve McIntyre read here:

http://thinkprogress.org/romm/2011/06/16/246665/ipcc-renewables-2/

Greenpeace or not as IPCC authors? 75% until 2050 - fake or study? The question is broadening.
The armies are in position. We wait for the next move. (Or else go back to work).

Anonymous said...

@Werner Krauss

Was Andrew Rewkin da schreibt ergibt hinten und vorne keinen Sinn denn

Spiegel.online schreibt:

"Doch in Wahrheit gibt diese "fast 80 Prozent" nur eine von über 160 Studien wieder, die vom IPCC untersucht wurden. ... der erfährt den Auftraggeber der besagten Studie: die Umweltschutzorganisation Greenpeace und den European Renewable Energy Council, eine Lobbygruppe für erneuerbare Energien. Bedeutender noch: einer der Leitautoren des betreffenden Kapitels 10 ist Sven Teske, Greenpeace-Experte in Fragen erneuerbarer Energien."

Es kann doch nicht so schwer sein einen solchen Fehler zuzugeben. Mann, es ist wie mit den Gletschern, entschuldigen und Schwamm drüber.

Es ist übrigens nicht besonders fair das IPCC jetzt als politisch darzustellen. Von Alarmisten bekam man jahrelang zu hören: "Willst du etwa sagen, dass tausende Wissenschaftler lügen, du Verschwörungstheoretiker-troll-trottel usw...".

Und schwuppdiwupp: "Was hast du anderes erwartet von einer politischen Institution du Troll-trottel usw..." ;-)

Yeph

ghost said...

"Greenpeace-Experte in Fragen erneuerbarer Energien"

Naja, dann ist der gute Sven Teske ein okayer Mensch für diese Aufgabe gewesen. Fakt ist doch, dass der Herr Teske seit 1994 auf diesem Gebiet arbeitet, macht ihn zum Experten. Auch nett ist seine Aussage: Die Wirklichkeit hat alle meine Prognosen für erneuerbare Energien weit übertroffen“ (http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=4998) (ausser Offshore-Windkraft, die aber nun los geht)

Na dann :).

Auch interessant ist die Meinung von Greenpeace Energy zu Biogas und Co.: sie mögen es nicht, da es einersetz in Konkurrenz zu Nahrungsmittel steht und andererseits auch die Erzeugung der Biomasse oft doch aus Umweltschutzgründen nicht vorteilhaft ist. Das finde ich sehr vernüftig.

@yeph
legen sie doch mal ihre Maßstäbe auch an sogenannte "Skeptiker" an. Was bleibt denn da noch übrig? Warum tun sie das nicht? das wäre doch mal interessant.

@Zusammenfassungen
vielleicht sollte man Zusammenfassungen aus solchen Berichten streichen. Das schlägt viele Fliegen mit einer Klappe:

1. man muss den gesamten Bericht lesen, was oft interessant ist. So wird in den IPCC-Berichten sovieles berichtet. Toll.
2. möglicher zustätzlicher Bias wird verringert...
3. "Skeptiker" können nicht mehr mitreden, weil die nie mehr lesen. Bspw. wurde der Himalaya-Fehler nicht von "Skeptikern" gefunden. Warum eigentlich nicht?

wflamme said...
This comment has been removed by a blog administrator.
Georg said...

@ghost
"Vor kurzem war ja der Fall eines Blogs einer syrischen lesbischen Frau, die eigentlich ein bärtiger Mann aus den USA war. "

Ja sicher.


@Werner,alle

Weiss einer wer die Exxon, Chevron Leute sind? Und wo die mitgearbeitet haben?

ghost said...

@wflamme

hm, die Aussage widerspricht sich nicht... Kernkraft, Kohle, Gas/Öl wird alles gefördert, und sind doch konkurrenzfähig. Der gesamte Energiesektor ist doch hochpolitisch.

Erneuerbare Energien haben durchaus das Zeugs ein großen Teil unseres Stroms sicher zu liefern. Ich denke, sie werden eher sich durchsetzen als Kernfusion ;)

Aber ich halte die Idee von Nordhaus und Co für ziemlich cool, die Reiner hier mal vorstellte. Kurzform: der Staat zahlt für die grundlegende Erforschung von effizienten, sauberen Technologien und der Markt selbst bringt diese zur Reife und die effizientesten setzen sich durch. Zumindestens habe ich es so verstanden. EEG ist vielleicht wirklich festgefahren, allerdings auch sehr erfolgreich.

ghost said...

@Georg
"
@ghost
"Vor kurzem war ja der Fall eines Blogs einer syrischen lesbischen Frau, die eigentlich ein bärtiger Mann aus den USA war. "

Ja sicher."

Japp, ja sicher: http://en.wikipedia.org/wiki/Amina_Abdallah_Arraf_al_Omari

wflamme said...

@ghost

"hm, die Aussage widerspricht sich nicht."

Das habe ich auch gar nicht behauptet, sondern daß da der gesunde Menschenverstand allmählich auf der Strecke bleibt.

Weil es - so wie es da steht - keine einzige Art der Energieproduktion gäbe, die nicht ebenfalls wettbewerbsfähig wäre und lediglich stärkerer Förderung bedürfte.

Und zweitens -um noch auf Ihr Argument einzugehen- macht es ja wohl wenig Sinn sich mit einem Wettbewerbsresultat zu brüsten und diesen Stolz damit zu begründen, daß gar kein Wettbewerb ausgerichtet wurde.

Anonymous said...

@ werner krauß

Ja, die Blogs verändern die Kommunikation, es stellt sich nur die Frage, ob die Qualität dadurch steigt.

Da ruft McIntyre schnell den großen "Skandal" aus, natürlich ohne zu prüfen, wo der Skandal überhaupt liegt und zu einem Zeitpunkt, als der Bericht noch nicht veröffentlicht war, sondern nur die reißerische Pressemitteilung.

Was ist der Skandal?

Ist es wissenschaftlich widerlegt, dass 80% erreichbar sind?
Ist jemand, der für Greenpeace arbeitet, automatisch gänzlich ungeeignet für mögliche andere Arbeiten?
Und warum finde ich den Namen Teske nicht in der Liste der Autoren des Berichts (s. IPCC-Homepage)
Und warum erwähnen, dass die Studie nicht von Teske/Greenpeace stammt, sondern zu großen Teilen vom DLR, einer staatlichen Forschungsanstalt erstellt wurde?

Ja, die skeptische Blogosphere verändert alles, sie prüft nichts, sie setzt aber sehr schnell üble Gerüchte in Umlauf.


PS1:
In der von Merkel eingesetzten Ethikkommission zur Kernenergie waren auch Vertreter der Energiewirtschaft!!! Ja, die habe ich jetzt aber enttarnt, bin ich jetzt auch ein "Held der Blogosphere"?

PS2:
McIntyre arbeitete früher für die Bergbauindustrie, richtig? Letztes Jahr trat er auf der vom Heartland-Institut (muss ich dazu mehr sagen?) finanzierten Klimaskeptikerkonferenz als Redner auf zusammen mit einigen, die reichlich Gelder von der US-Energiewirtschaft bekommen.

Wo war da sein Aufschrei? Muss ich McIntyre nach den gleichen Maßstäben beurteilen, die er an andere anlegt?

Andreas

Werner Krauss said...

@Andreas
Am Ende des Spiegel Artikels findet sich der etwas verquaste Satz aus einer IPCC Entschließung:

""Das Individuum und der IPCC sollten nicht in eine Situation geraten, in der eine normal denkende Person die Arbeit des IPCC wegen der Existenz eines Interessenkonfliktes in Frage stellen könnte."

Eine Reaktion auf die Gletscheraffäre, an der ja auch der WWF beteiligt war. Nur in diesem Kontext macht Steve McIntyres Kritik Sinn - er kratzt sich nicht ganz zu Unrecht am Kopf, wenn der IPCC dennoch mit einem Greenpeace Aktivisten auf einer Pressekonferenz auftritt.

Dagegen spricht nichts, da stimme ich Ihnen völlig zu. Außer die Vorgeschichte.

Andreas, Sie bezweifeln auch, ob die blogs zur Qualität der Diskussion beitragen. Weiter oben fragte schon ghost, wie man eigentlich die Qualität der blogs überprüfen könne. Eine schöne Frage, denn es ist das Wesen der blogs, dass sie sich einer Überprüfung durch den Staat oder eine Institution entziehen. Blogs sind "frei" von diesen Zwängen.

Ihren Einfluss kann man eher an solchen Dingen erkennen wie dem spiegel-online Artikel von Gerald Traufetter - er informiert sich auch in der Blogosphäre, nicht nur auf der offiziellen IPCC Pressekonferenz (wie seine Kollegen in einem früheren Beitrag). Oder wenn der Ökonomie Nobelpreisträger Paul Krugmann in der New York Times sich zum Klima äußert, dann besteht meist ein direkter link zu Joe Romm's blog, wo er seine Informationen her hat. Kein Journalist wird an Andrew Revkin's dot.earth blog oder anderen wichtigen Adressen im Netz vorbeikommen etc.

Außerdem äußern Sie Ihre Kritik, Andreas, auf einem blog, also öffentlich. Sie diskutieren mit, über den IPCC, das Klima, Greenpeace und wie wir damit umgehen. Mit Publikum. Erfreulich - und ganz, ganz anders wie noch vor kurzer Zeit, als die Wissenschaftler noch in weißen Kitteln unwidersprochen die Wahrheit verkündeten (oder so ähnlich).

ghost said...

so, ich würde gern nochmal wiederholen... wie erkennt man die Qualität eines Blogs? Gerald Traufetter hat auch Blogs als Quelle genommen, wie hat der deren Qualität bestimmt? Was bedeutet: Blogger kritisieren IPCC? Blogger kritisieren vieles, aber stimmt das auch immer? Ist die Aufregung immer gerechtfertigt?

Nehmen wir Beispiele hier: Reiner Grundmann übernahm hier einige Male Behauptungen aus zweifelhaften Blogs, wie "Ground Zero in Darwin", ohne diese zu kontrollieren. Der Darwin-Beitrag sollte beweisen, dass HadCRUt falsch oder gar Betrug ist. Nun, es war ein totaler Rohrkrepierer, die Behauptung falsch und Herr Grundmann stand dann ehrlich gesagt wie ein Trottel dar.

Oder Watts Up und Heartland Institut deformierten den Begriff Post-Normal Science bis in die totale Unkenntlichkeit, obwohl Herr Ravetz da Gastbeiträge schrieb und obwohl Prof von Storch oder Werner sich echt um eine Diskussion bemühten. Wie kann man Watts Up als vertrauenswürdigen Blog sehen?

Blogger haben schon soviel behauptet. Ich würde gern mal wissen, wie ihr die Qualität bestimmt?

Bspw, mein Lieblings-Blog, neben der Zwiebel natürlich ;), ist Denial Depot: http://denialdepot.blogspot.com/

Just kiddin', ich mag hauptsächlich die technischen Blogs, wie Taminos Open Mind, Real Climate oder Georgs Atomblog ;) (was macht die Eiswette?) usw.

Ein weiteres Problem von Blogs ist, viele sind so vergesslich. Watts bspw. bringt so 2 3 Dutzend Posts pro Woche. Da kann man jeden Scheiß schreiben, nach ein paar Wochen erinnert sich man nur noch daran, dass Jim Hansen ein Betrüger ist (oft gebracht vom fette Wetteransager und seiner Fans). Dass die Argumente für diese Behauptung völlig hirnrissig und fehlerhaft waren, ist dann völlig egal.

sil_beck said...

In Sachen Umsetzung der IPCC „conflict of interest“ policies kommen unterschiedliche nationale Stile ins Spiel.
Wir „Germanen“ setzen weniger auf wissenschaftliche „Reinheit“, sondern auf die institutionelle Repräsentativität und Balance, d.h., dass möglichst alle "wichtigen" gesellschaftlichen Gruppen in die Beratung einbezogen werden. Merkel’s Ethikkommission wäre ein Beispiel oder auch die Enquete-Kommissionen des Bundestages. Deutsche Kommissionen gelten dann als legitim, wenn der „Mikrokosmos der Gesellschaft“ am Tisch sitzt. Folglich werden auch für den IPCC Experten von Greenpeace und Bayer (und Münchner Rück) nominiert …
Diese deutsche Praxis mag aus der Perspektive anderer Länder “biased” und suspekt erscheinen, die stärker auf die strikte Trennung von Wissenschaft und Politik setzen.
Die Rekrutierung von IPCC-Autoren und die nationale Umsetzung der IPCC “conflict of interest” policy ist im Moment noch vollkommen offen, d.h., es gibt keine verbindlichen Regelungen …. da politisch kaum vereinbar.
Das Problem wird sich - meine Vermutung - beim SREX noch verschärft stellen, wenn Experten/ Expertisen aus den Reihen der Rückversicherer kommen ...

Georg said...

Ich finde auch, der Greenpeace Man hat da nichts zu suchen. Umso erstaunlicher, dass man nichtmals weiss wer der Exxon und Chevron ?ann war und sich auch nicht dafuer interessiert.

Sein Argument, er vertrete 3 Millionen Mitglieder, ist auch etwas gaga. Da koennen wir auch den Löw hinschicken. Der vertritt noch viel mehr.

Anonymous said...

@Alle

A propos Greenpeace und WWF:

http://programm.ard.de/Programm/Jetzt-im-TV/der-pakt-mit-dem-panda-/eid_281066509354516?start_time=22&datum=22.06.2011&list=themenschwerpunkt&start=22

"Die Dokumentation will die Geheimnisse des WWF ergründen. Sie wird zur einer Reise ins Herz des grünen Empire und sie erschüttert den Glauben an den Panda.
...
Eine ständige Gratwanderung zwischen Engagement und Käuflichkeit. Ein ganzes Jahr arbeitete der Dokumentarfilmer Wilfried Huismann an einem Film, der das grüne Bild des WWF entzaubern wird. Hinter der Öko-Fassade entdeckte der Autor während seiner Dreharbeiten weltweit Geschichten voller Sprengkraft."

@ghost

Wenn ich zu 80% überzeugt wäre dass der Klimawandel menschgemacht und katastrophal wäre, dann wäre ich immer noch zu 20% skeptisch.

Anonymous said...

Der ADAC ist der Mitglieder stärkste Interessensverband in Deutschland.

Anonymous said...

@ werner krauss

Zur Qualität von Blogs:
Meiner Ansicht nach bewirken Blogs, dass die Stimme der Leute, vom Stammtischpolitiker bis zum Experten, öffentlich zugänglich werden. Der Chor wird sehr vielstimmig, es sind viele Misstöne darunter, und weit und breit kein Dirigent, der die falschen Töne aussortiert.

Für den medienkompetenten Nutzer fraglos eine Bereicherung, für viele aber leider Anlass zu babylonischem Sprachgewirr und Verwirrung.


Zum angeblichen "Interessenkonflikt":

Greepeace versteht sich als Umweltschutzorganisation. Die Umwelt zu schützen steht im Konflikt zur Arbeit des IPCC?

Und jetzt noch einen mehr:
Wenn die Bundesregierung über Energiekonzepte sich beraten lässt, würde ich mir sogar wünschen, wenn Windkrafterzeuger, Netzwerkbetreiber und Vertreter von RWE und EON an einem Tisch sitzen, deren Fachwissen kann nur nutzen. Man kann natürlich auch alle wegen Interessenskonflikte ausschließen, klar.

Sie bezeichnen Teske als "Aktivist". Heißt das, ich muss mir Teske in Aktion gegen japanische Walfischer vorstellen oder bei der Besetzung eines Kohlekraftwerks? Gibt es keine Fachleute, die möglicherweise als Experten am Schreibtisch arbeiten?

PS:
Und hat einer den Namen Teske als aufgeführter IPCC-Autor (schrieb McIntyre nicht sogar Leitautor?) gefunden?

Mein Fazit ist, dass McIntyres Kritik oberflächlich und nicht konstruktiv ist, da die inhaltliche Dimension fehlt. Es scheint ihm mehr darum zu gehen, die Glaubwürdigkeit des IPCC zu untergraben, indem man eine Geschichte zu einem "Skandal" aufbläst. Das hat er geschafft, herzlichen Glückwunsch, Steve!

Und die Überprüfung, wie es nun tatsächlich mit der Qualität des IPCC-Berichts aussieht, überlässt er wohlwollend den Experten.

Andreas

Anonymous said...

@Andreas

Sie sind meist ein freundlicher Mitdiskutant und das weiss ich sehr zu schätzen.

Was sie schreiben zu den medienkompetenten Nutzern ist aber m.E. wieder einmal dieses typische herlassende Gehabe derjenigen die alles genau zu 100% wissen.

Wieso sollte eine Studie die komplett das eine Ende des Spektrums abdeckt als einzige in die Öffentlichkeit dringen? Und gerade diese Studie stammt von Greenpeace und der "Berater" von Greenpeace, einer ehemals wunderbaren Organisation, die allmählich ins Esoterische abdriftet, ist der Leadautor dieses Teils des Berichts.

Wären WWF und Greenpeace noch irgendwie glaubwürdig, aber das haben beide Organisationen ja mittlerweile komplett verspielt, wäre das Ganze absolut kein Problem.

Wenn aber schon Klimatologen selbst, wie z.B. Rahmstorf, Latif und Hoffmann regelmässig die banalsten unwichtigsten und kleinsten Tatsachen leugnen, was sie lieber Andreas jetzt auch krampfhaft versuchen, dann haben diese Leute fÜr mich absolut jegliche Glaubwürdigkeit verspielt.

Daran sind keine bösen Skeptiker oder andere böse Mächte schuld. Ich finde dieses ewige Leugnen einfach nur ärgerlich.

"Die Klimatologie" benimmt sich immer mehr wie die katholische Kirche. ;-)

Yeph

Quentin Quencher said...

Wenn einem die Nachricht nicht passt, dann wird auf den Überbringer der Nachricht eingeschlagen. Ganz früher wurden schon mal diejenigen Boten hingerichtet, die böse Nachrichten überbrachten.

Die Tatsache, dass vom IPCC mal wieder eine Zusammenfassung veröffentlicht wurde, die nicht dem entspricht, was im Volltext steht, nährt den Verdacht, das hier die Öffentlichkeit systematisch getäuscht wird. Die Printmedien haben diese Meldung ungeprüft übernommen, und wenn es die Blogger nicht gäbe, die eine solche Sauerei aufdecken, dann hätte die Mehrzahl der Menschen geglaubt, was ihnen da vorgesetzt wurde.

Deshalb noch einmal die Frage: Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, dass derart falsche Pressemitteilungen vom IPCC herausgegeben werden?

sil_beck said...

zu Andreas/ anonymus:

Ich habe keine Probleme damit, dass Beiräte und Kommissionen die gesamte Bannbreite von Experten und Expertise (auch von Verbänden …) einbeziehen. Das ist in vielen Kommissionen die gängige Praxis. Diese Breite wird notwendig und sinnvoll, um das notwendige, „politisch relevante“ Wissen (auch über Kontexte) zu erhalten als auch die Akzeptanz und Implementierung von politischen Entscheidungen zu erleichtern.
Allerdings verhalten sich IPCC-Vertreter wie Pachauri m.E. schizophren, sie geben offen politische Stellungsnahmen unter dem Deckmäntelchen der „reinen“ und „puren“ Wissenschaftlichkeit aus und treten damit als „heimliche Advokaten“ (Pielke) in Erscheinung.
Wenn ein hochrangiger IPCC-Vertreter auf einem wissenschaftlichen Kongress einen Werbefilm für seine Firma in Indien zeigt, tut er der Wissenschaft damit keinen Gefallen.

IPCC stößt in immer Bereiche (Abschätzung von Kosten und politischen Optionen ….) vor, in welchen kaum peer-reviewte Literatur vorliegt, und die traditionellen Verfahren der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle (akademischer Peer-review) nicht mehr greifen. Dem Problem der Qualitätskontrolle für politisch relevantes Wissen müsste man sich offensiver stellen.
Gerade in den politisch relevanten Bereichen (siehe Geo-engineering http://foodfreedom.wordpress.com/2011/06/15/open-letter-to-ipcc-on-geoengineering) /sollte nicht hinter verschlossenen Türen beraten oder einfach ein paar Kumpels zugelassen werden. Es besteht Bedarf an klar definierten „Spielregeln“, wer wann wie teilnimmt, wer die Einhaltung der Spielregeln „kontrolliert“ und sanktioniert und wie diese nach außen zugänglich und transparent sind. Dies wird in demokratischen Systemen gerade dann notwendig, wenn die zu beratende Materie Politik und Öffentlichkeit betrifft und Experten soz. „delegierte“ Macht ausüben.

Werner Krauss said...

Roger Pielke jr. hat aus seinem Badeurlaub einen post von 2004 (!) noch einmal als Kommentar zur laufenden IPCC auf seinen blog gestellt. Der Kommentar endet folgendermaßen:

"It is time for the IPCC to bring policy back in, both because we need new and innovative options on climate, but also because the IPCC has great potential to serve as an honest broker. But until it does, its leadership would be well served to avoid either the perception or the reality of endorsing particular political perspectives."

Das heißt, solange eine strikte Trennung aufrechterhalten wird - hier spricht nur die Wissenschaft! - wirkt ein Auftritt von Greenpeace im Namen des IPCC widersprüchlich; er erscheint dann tatsächlich eben, wie Silke sagt, wie ein "heimlicher Advokat".

Das Problem sind nicht Greenpeace oder der WWF; das problem ist das unklare Verfahren und der Rückzug auf die reine Wissenschaft als ultima ratio. Das einzige Resultat von dieser haltung ist die politische Instrumentalisierung der Wissenschaft.

Anonymous said...

@ sil_beck

Vollste Zustimmung zu allem, insbesondere was die "Graubereiche" angeht.
Ich gestehe, dass ich zwar vom Bericht der WG1 des AR4 sehr angetan war (wissenschaftliche Basis), den der WG3 aber nicht einmal angerührt habe.

Kann ein Bericht zum Arbeitsauftrag für WG3 alleine nach streng wissenschaftlichen Kriterien erstellt werden? Mit Klimawissenschaft hat das jedenfalls nichts mehr zu tun, da sind andere Disziplinen wie z.B. Ökonomen stärker gefordert. Sind gewisse Graubereiche und graue Literatur nicht zwangsläufig?
Mal schauen, wie Prof. von Storch diese Aufgabe lösen wird, ich verspreche, in den AR5-WG3 schaue ich hinein.

MfG, Andreas

Anonymous said...

@ yeph

Danke für die netten einleitenden Worte, aber ich muss jetzt stellenweise etwas unnett werden ;-)

"Wieso sollte eine Studie die komplett das eine Ende des Spektrums abdeckt als einzige in die Öffentlichkeit dringen?"
Ich nehme an, Sie meinen die Studie von Teske und nicht den IPCC-Bericht, richtig?
Was jetzt genau an die Öffentlichkeit dringt, liegt in der Verantwortung der Medien und der Blogosphere. Letztere scheint da wieder einmal wenig geleistet zu haben, aber hören wir doch einmal Herrn Traufetter im SPIEGEL:
"Doch in Wahrheit gibt diese "fast 80 Prozent" nur eine von über 160 Studien wieder, die vom IPCC untersucht wurden. Doch dazu muss man die ganze IPCC-Presseaussendung schon bis zum Ende lesen."
Dass Journalisten den eigentlichen Bericht gar nicht mehr lesen, na gut, daran habe ich mich fast schon gewöhnt. Aber man wird ja wohl erwarten düfen, dass wenigstens die Presseerklärung bis zum Ende gelesen wird, oder?


"Und gerade diese Studie stammt von Greenpeace und der "Berater" von Greenpeace, einer ehemals wunderbaren Organisation, die allmählich ins Esoterische abdriftet, ist der Leadautor dieses Teils des Berichts.
Scheint es nur mir aufzufallen und nur mich zu interessieren? Teske ist weder als Leitautor noch als Autor dieser Studie im Bericht gelistet! (s. IPCC Homepage.

Ich finde den Namen Teske im Literaturverzeichnis an zwei Stellen: Einmal unter Teske et al. 2010, einer Studie nicht von Greenpeace, sondern von Greenpeace in Auftrag gegeben und im Wesentlichen vom DLR erstellt. Und einmal als Koautor hier: http://www.greenpeace.org/raw/content/international/press/reports/concentrating-solar-power-2009.pdf
Hier an dieser Stelle kann ich die Kritik nachvollziehen, habe aber noch nicht schauen können, wie diese Quelle in den Bericht einfließt.

Im 1500 Seiten umfassenden Bericht taucht der Name Teske sehr selten auf, diese Suchfunktionen sind schon tolle Werkzeuge. Ein Beispiel auf S.610:
"The IPCC Fourth Assessment Report (AR4) estimated a potential contribution of geothermal to
world electricity supply by 2030 of 633 TWh/yr (2.28 EJ/yr), equivalent to about 2% of the total
(Sims et al., 2007). Other forecasts for the same year range from 173 TWh/yr (0.62 EJ/yr) (IEA,
2009) to 1,275 TWh/yr (4.59 EJ/yr) (Teske et al., 2010)."

Ist das jetzt richtig oder falsch?? Was ist der Skandal?


PS:
Sie sehen, ich bin ein sehr skeptischer Mensch und schaue erst einmal selbst nach, bevor ich etwas glaube. Im Fall von McIntyre hat sich das jedenfalls als sehr nützlich erwiesen, ich kann es nur weiterempfehlen /sarc off

Entschuldigung, aber manchmal bin ich eben auch unnett, bitte nicht nachtragen.

Andreas

Anonymous said...

@ werner krauss

"Das heißt, solange eine strikte Trennung aufrechterhalten wird - hier spricht nur die Wissenschaft! - wirkt ein Auftritt von Greenpeace im Namen des IPCC widersprüchlich; er erscheint dann tatsächlich eben, wie Silke sagt, wie ein "heimlicher Advokat"."

Wie beurteilen Sie ihre Aussage im Lichte meiner Ausführungen im Kommentar zuvor? Bleiben Sie bei ihren Aussagen?

PS:
Ich finde, diese Trennung gibt es in den IPCC-Berichten 1 bis 4.
WG1 beleuchtet die wissenschaftlichen Aspekte, WG3 die Thematik "adaption and mitigation". Ihre Aussage im Artikel oben, dass dieser "Skandal" die Klimaforschung erschüttere, ist demnach meines Erachtens unglücklich formuliert.

Andreas

Werner Krauss said...

Andreas,
das ist wirklich kompliziert. Teske taucht als contributing author im zur Debatte stehenden Bericht auf:
http://srren.ipcc-wg3.de/report/report/report/report
IN CHAPTER 10 "MITIGATION Potential and Costs" ist er als Leadauthor aufgeführt:
"Lead Authors:
Akintayo Adedoyin (Botswana), Makoto Akai (Japan), Thomas Bruckner (Germany), Leon Clarke (USA), Volker Krey (Austria/Germany), Ilkka Savolainen (Finland), Sven Teske (Germany), Diana Ürge‐Vorsatz
(Hungary), Raymond Wright (Jamaica)"

Steve McIntyre hat da schon recht, soweit ich sehe, ebenso wie Lynas - was den Sachverhalt betrifft. Die Schlüsse, die sie daraus ziehen, das ist was anderes.

Lynas schreibt, dass Teskes Szenario in diesem Kapitel 10.3.1 als eines der 4 "illustrative scenarios" herausgehoben wird. Und für Lynas ist das ein Konflikt, dass ein Lead author sein eigens Szenario begutachtet. etc etc - mehr hier:

http://www.marklynas.org/2011/06/new-ipcc-error-renewables-report-conclusion-was-dictated-by-greenpeace/

Ob das alles ein Skandal ist, der die Klimawissenschaft erschüttert? Vielleicht nicht. Aber es geht auch nicht spurlos vorüber.

Anonymous said...

@ werner krauss

Mist, Sie waren zu schnell.
Habe Teske gerade auch als Leitautor des Kap. 10 auf S.1156 gefunden. Am Anfang des Berichts standen nicht alle Autoren,
ich bitte um Entschuldigung, McIntyre hat da korrekt berichtet.

Ich gehe gerade alle Stellen durch, in denen der Name Teske im Bericht auftaucht (70 Treffer auf 1500 Seiten). Ein wenig zeitaufwändig, aber es lohnt sich.
Die ersten 9 Kapitel habe ich abgehakt. Mein Eindruck ist, dass die Berichterstattung fair ist.
Es werden in der Regel immere mehrere verfügbare Studien genannt und verglichen, das wurde ja zuletzt immer wieder gefordert. An manchen Stellen werden Ansätze von Teske et al. 2010 durchaus kritisch hinterfragt, an weiteren Stellen wird darauf verwiesen, dass weitere Studien notwendig sind, wiederum an anderer Stelle heißt es, dass es an Studien mangelt.

Spannend wird jetzt Kap.10 sein, wo Teske selbst als Autor beteiligt ist. Werde mir auf jeden Fall 10.3.1 etwas genauer anschauen.

Anonymous said...

Hm, bin jetzt mit Kapitel 10 durch und gestehe, meine Meinung in einigen Punkten revidiert zu haben.

Das Problem ist nicht, dass ein Szenario nach Teske et al. 2010 mit aufgenommen wurde. Dieses Szenario repräsentiert von allen den ambitioniertesten Ansatz und das Ziel sollte wohl sein, möglichst vielfältige Szenarien zu untersuchen.

Aber ich schließe mich der Kritik von McIntyre und Lynas ausdrücklich an, dass es eine peinliche Panne ist, Teske ins Team der Leitautoren für den IPCC-Bericht, insbesondere Kap.10, aufzunehmen.

Ich habe keinen Hinweis darauf, dass er schlechte Arbeit gemacht hat, darum geht es auch nicht, ich halte auch Kap.10 für gelungen. Das Problem ist das entstehende Glaubwürdigkeitsproblem, das sich spielend leicht hätte vermeiden lassen.

Für interessierte Kreise eine Beschreibung des Szenarios von Teske et al, das die Funktion eines Extremszenarios beschreibt (extrem im Sinne von ausgesprochen ehrgeizig und optimistisch):

ER-2010: The ER-2010 scenario (Teske et al., 2010) is based on the socioeconomic assumptions of
the IEA-WEO2009-Baseline scenario, but assumes an increase in fossil fuel costs and a price for
carbon from 2010 onwards. The scenario has a key constraint that limits worldwide CO2 emissions
to a level of 3.7 Gt CO2 per year by 2050. To achieve this, the scenario is characterized by
significant efforts to fully exploit the large potential for energy efficiency, using currently available
best practice technology, and to foster the use of RE. In all sectors, the latest market development
projections and the resulting cost reductions for the RE industry have been taken into account, and a
stable development of the RE sector is pursued. To accelerate the market penetration of RE, various
additional measures have been assumed, such as a speedier introduction of electric vehicles
combined with the implementation of effective communications systems and technologies, smart
meters and faster expansion of super grids to allow a higher share of variable RE power generation
(PV and wind) to be employed. The methodological background of the scenario is the simulation
model PlaNet of the energy and environmental planning package MESAP (see Krewitt et al. (2009),
which was created for long-term strategic planning on a national, regional or local level. The model
is characterized by a very detailed technology breakdown for each sector. Following the simulation
approach, activities and drivers of demand (e.g., mobility demand), as well as relevant market
shares of technologies, amongst other factors, are specified exogenously by the user. (Scenario
‘Advanced Energy [R]evolution 2010’ from Teske et al. (2010).)


Dass dieses Szenario die höchsten Anteile an Erneuerbaren Energien aufweist, ist nach Voraussetzungen logisch.

Dass dieses Szenario die größte Aufmerksamkeit in der Pressemitteilung erhalten hat, ist nicht logisch und geht aus dem Bericht auch nicht hervor. Quentin Quencher hatte auf diesen Punkt weit oben schon aufmerksam gemacht.

Fazit:
Der Bericht ist interessant, schade nur, dass die Inhalte von den Diskussionen um Personen völlig in den Hintergrund geraten.

Das IPCC hat's verbockt, McIntyre kratzt genüsslich an der Glaubwürdigkeit des IPCC, wer an Inhalten interessiert ist, kann hier von beiden Parteien nicht begeistert sein.

Für Schlagzeilen wie bei EIKE
("Weltklimarat" IPCC lässt sich vom Medienkonzern Greenpeace als Sprechpuppe missbrauchen! Energiebericht von Greenpeace verfasst! fehlt mir allerdings jedes Verständnis, die Kritik von McIntyre und Lynas kann ich dagegen nachvollziehen.

Andreas

PS: Ich hoffe, ich habe euch im thread nicht allzu sehr genervt, aber ich möchte den Dingen eben immer erst auf den Grund gehen, gebranntes Kind. Für mich ist die Sache jetzt geklärt.

Anonymous said...

@Andres

Soweit ich es verstehe war es vor allem der Vorbericht, der die aktuelle "wissenschaftliche Lage" darstellen soll, der das Ganze wieder einmal sehr verzerrt dargestellt hat.

In der Presse wird dann ein einziges Szenario als die Quintessenz dargestellt und dieses Szenario stammt von Greenpeace.

Das ist genauso peinlich wie beim "Glaciergate" imho.

Es ist aber wirklich nicht so, dass ich das als Skandal ansehe. So etwas passiert halt. Traurig ist für mich wieder die Reaktion vieler Klimawissenschaftler.

Jeder Laie der sich ein wenig hinein liest und der kein fanatischer Klimaanhänger ist, verliert doch jegliches Vertrauen in solche Leute.

Fern von Wissenschaft und Blogs und vor allem bei gebildeten Zeitgenossen höre ich immer dasselbe. Die Leute sind sehr skeptisch.

Die Blogdiskussionen an denen in Europa sehr viele Aktivisten teilnehmen verzerren m.E. das wahre Bild.

Denn auch viele die Überzeugt sind, dass der Mensch wohl seinen Anteil an der Erwärmung mitträgt, zweifeln daran dass das katastrophale Auswirkungen haben muss.

Und m.E. sind es gerade die gebildeteren unter ihnen, die an dem Credo dass Wetterkatastrophen statistisch signifikant zugenommen hätten am meisten zweifeln.

Genauso gut könnte man doch annehmen, dass Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche signifikant angestiegen sind und man würde dafür genauso viele Gläubige finden.

Ich weiss nicht ob man als Klimatologe stolz sein sollte, dass man die für sich gewinnen konnte die denken dass mehr Berichterstattung auch mehr Katastrophen bedeutet.

Wüssten die meisten Europäer, dass das Abschmelzen der Alpengletscher nicht aussergewöhnlich ist für das Holozän und dass die MWP vielleicht genauso warm war wie heute, dann würde der Alarmismus m.E. einen signifikanten Anteil seiner Schäfchen verlieren.

Werner Krauss said...

@Andreas #32

Vielen Dank, Andreas, dass Sie sich diese Mühe gemacht haben. Ich denke, damit sind wir tatsächlich auf dem Stand der Diskussion - und zwar nicht auf einfache (Vor)urteile und Meinungen reduziert, sondern in ihrer ganzen Komplexität. Von dieser Plattform hat man für einen Moment einen guten Überblick in alle Richtungen.
(Und damit haben wir ganz nebenbei ghost's wichtige Frage #17 beantwortet, was denn einen guten blog ausmacht: eben dies!)

Günter Heß said...

Bin ein bisschen spät,
aber man konnte eigentlich bei ClimateAudit von Anfang an lesen worum es geht, nämlich dass das IPCC seine politischen Botschaften hinter der Wissenschaft versteckt.
Das IPCC missbraucht mei
nes Erachtens die Wissenschaftler. Selbstverständlich hat ein Wissenschaftler, der bei Greenpeace arbeitet, eine starke Meinung die in diese Richtung geht, aber das heißt ja nicht, dass er nicht unabhängig methodisch arbeitet. Deshalb halte ich es nicht für einen Skandal, dass ein Greenpeace-Angestellter Leitauthor ist.
Der Skandal ist die unreflektierte einseitige Presseerklärung des IPCC.
Meines Erachtens sollte sich das IPCC auf die Zusammenstellung der wissenschaftlichen Daten beschränken und die politische Interprtation sollte den einzelnen Ländern überlassen bleiben. Schließlich ist das IPCC nicht demokratisch legitimiert. Mein Vertrauen hat das IPCC längst verloren.
Grüße
Günter Heß

Werner Krauss said...

@ Günther Heß
Schon wahr, nur ist das Problem, dass die reine Reduktion auf wissenschaftliche Daten immer wieder genau das Problem hervorruft, das man durch die Trennung eigentlich abschaffen wollte. Von daher schlägt ja zum Beispiel Pielke jr. vor, die Politik offensiv mit hereinzunehmen, anstatt sie immer raushalten zu wollen. Dann könnte das IPCC viel konkreter Politikberatung machen. Anstatt sich auf reine Wissenschaft berufen und dann unglückliche Pressekonferenzen machen.

Außerdem überlege ich mir, was es mit dem Vertrauen auf sich hat, dass man gibt oder entzieht. Spielt das eine große Rolle? Keine andere Institution dürfte es schaffen, einen solchen Überblick auf die Beine zu stellen. Selbst die Ablehnung bezieht sich noch darauf. Das Klima trägt irgendwie ein Emblem mit IPCC auf seinem T-shirt (komisches bild, sorry).
Wie wohl das globale Klima ohne IPCC aussähe? Ist das vorstellbar? Hätten wir dann ein ganz anderes Bild davon und würden ganz andere Dinge diskutieren? Nur mal so gefragt...

Günter Heß said...

@Werner Krauss
Sehe ich nicht so schwarz. Eine Max Planck Gesellschaft schafft es ja auch sich aus der Politik rauszuhalten und die Wissenschaft zu vermitteln. Ist dann so denke ich auch eine Sache der Führung und deren Selbstverständnis, wenn man so eine Institution wie das IPCC haben will.. Der Fisch stinkt vermutlich vom Kopf im Falle des IPCC, merkt man auch an den Antworten.
Mehr als Vertrauen entziehen können wir in einer Demokratie mit imperativen Mandat ja nie. Vertrauen entziehen ist deshalb wichtig für die Demokratie. Ich würde es begrüßen, wenn Pachauri gehen würde, da er auch kein Interesse zeigt COI Regeln wirklich einzuführen.

Deshalb bin ich auch ein Gegner von solchen Institutionen und Gremeien, wenn ich die nicht abwählen kann. Da bildet sich immer Filz und Eigeninteresse aus machterhaltsgründen. Warum nicht einen IPCC Chef für eine AR-Periode haben, wie es auch bei Konferenzen üblich ist.

Mit freundlichen Grüßen
Günter Heß

Anonymous said...

Hallo Günter,

ja, leider etwas spät, aber für einige weise Worte zum Abschluss gerade noch rechtzeitig.

Ich habe auch keine Probleme damit, dass ein paar Leute am Bericht mitgearbeitet haben, die Verbindungen zur Ölindustrie besitzen.

Im Grunde ist alles eine Frage des Vertrauens. Ich vertraue darauf, dass diese Leute und Teske berufen worden sind, weil sie etwas wertvolles beitragen können und Experten in ihrem Gebiet sind.

Es ist schade, aber das IPCC sollte wissen, dass Expertise alleine nicht ausreicht, um Vertrauen zu erwerben. Man hätte wissen müssen, dass Reizwörter wie "Greenpeace" in manchen Kreisen Vertrauen kosten.

Es ist die alte Erkenntnis:
Die Ernennungsverfahren zur Gewinnung der Autoren für IPCC-Berichte müssen transparenter werden. Und dass Dinge, die normalerweise als "suboptimal" gelten, im Zusammenhang mit dem IPCC zu Skandalen werden, ist spätestens seit Himalayagate sattsam bekannt.

Und Presseerklärungen sind auch eine leidvolle Geschichte: Hast du vor einiger Zeit die Meldung gehört, Teilchenphysiker am Tevatron hätten eine neue bisher unbekannte Wechselwirkung entdeckt?
Reißerische Schlagzeilen, um mediale Aufmerksamkeit zu erheischen...

Und noch eine letzte Anmerkung:
Die Arbeit der WG3 ist schon von den Inhalten her immer auch politisch. Das IPCC wurde von der Politik gegründet und Politikberatung gehört zum Arbeitsauftrag dazu. Ich glaube, die Politik möchte mehr als reine Darstellung der Wissenschaft.


@ Werner Krauss

Ja, abzüglich seiner Polemik lag McIntyre richtig, da habe ich dazugelernt. McIntyre ist durch sein Misstrauen dem IPCC gegenüber voreingenommen, ich bin's auch, was McIntyre betrifft.

Bei ihrem Artikel war ich zunächst auch misstrauisch, es lag an Kleinigkeiten, z.B. dass Sie Teske als "Greenpeace Aktivist" und nicht neutral als "Energieexperte von Greenpeace" bezeichnet haben.
Auf McIntyres Artikel stieß ich bei WUWT und habe das Lesen beim Wort "Greenpeace-Karaoke" in der Überschrift sofort eingestellt.

Alte Erkenntnis der Klimazwiebelleser: Verbale Abrüstung ist Voraussetzung von gegenseitigem Verständnis ;-)

Hat Spaß gemacht, auch wenn ich anfangs in Teilen ziemlich danebenlag.

Andreas

Günter Heß said...

Hallo Andreas,
ich bin jetzt kein IPCC-Experte, aber wenn das IPCC eine politische Organisation ist, dann muss das auch klar benannt sein. In unseren Medien wird es anders behandelt, nämlich unter dem Mantel Wissenschaftsrat.
Was mir vor Allem sauer aufstößt ist dieser vermeintliche Konsensus der uns durch solche Institutionen wie das IPCC aufgedrückt wird.
Für mich besteht eine lebendige Demokratie aus pluralistischen Meinungen und Wortmeldungen, die ich für meine Meinungsbildung nutzen kann. Präparlamentarischer Konsensus mit anschließender Verschwesterung und Verbrüderung im Parlament hat für mich Volkskammercharakter und das lehne ich ab.
Wenn dann zu allem Überfluß noch aus dem IPCC-Konsensus Kategorien, wie „Denier“ für Mitmenschen und Staatsbürger von Al Gore und Konsorten abgeleitet werden, dann sage ich solche Typen haben totalitäre Einstellungen und auch das lehne ich ab.
Solange die Meinung des IPCC also als eine Meinung unter vielen Anderen gesehen wird, habe ich kein Problem mit der Organisation. Wird das IPCC aber als Organisation gesehen, die einen Konsens herbeiführt der dann zur Staatsräson wird, bin ich ein entschiedener Gegner. Das gleiche gilt für WBGU und ähnlichen Lobbygruppen.
Grüße
Günter

Anonymous said...

Günter,

vielleicht habe ich mich unglücklich ausgedrückt, bin ja auch kein Experte. Alles was ich sagen wollte ist, dass das IPCC als Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft konzipiert ist, also weder ganz rein zur einen, noch zur anderen Gruppe gehören kann.

Damit will ich nicht sagen, dass die Berichte politisch gefärbt sind. Den Bericht der WG1 des AR4 kenne ich recht gut, ich halte ihn für exzellent, die anderen beiden habe ich nicht gelsesen. Meine Frage war weiter oben ja schon, ob ein Bericht der WG3 überhaupt nach puristischen wissenschaftlichen Prinzipien erstellt werden kann, die Frage nach Adaption und Mitigation ist keine naturwissenschaftliche Fragestellung mehr.

Vielleicht hilft ein Vergleich mit dem Ethikrat zum Kernkraftausstieg:
Jedes Mitglied kann noch so sehr auf die Reinheit der wissenschaftlichen Lehre bedacht sein, es ist aber jedem klar, dass jeder Satz, jedes Wort enorme politische Wirkung entfalten kann. Damit wird die Arbeit in gewisser Weise politisch bzw. politisiert, ob man will oder nicht.

Gute Nacht, Andreas

Günter Heß said...

Hallo Andreas,
für mich ist entscheidend, dass sich alle diese Räte und Gremien in unsere Demokratie einordnen.
Das heißt sie sind nur gleichberechtigter Bestandteil der pluralistischen Meinungen innerhalb unserer Gesellschaft und können/dürfen zur politischen Willensbildung beitragen. Sie dürfen meines Erachtens aber keine bindende Richtlinienkompetenz entwickeln, die obliegt dem Bundestag, dem Verfassungsgericht und der Regierung stellvertretend für die Bevölkerung.
Alles andere ändert das Grundverständnis unserer Demokratie. Der Ethikrat oder der WBGU zum Beispiel haben keine demokratische Legitimation. In den Medien wird aber manchmal so getan, als wären sie sowas wie eine höhere Instanz. Die gibt es aber nach unserem Demokratieverständnis nicht und darf es auch nicht geben. Deshalb lehne ich solche "selbsternannten moralischen Instanzen" ab, denn es widersprecht meinem demokratischen Grundverständnis.
Wenn es also klar ist, dass diese Gremien nur eine politische Meinung wie jeder andere auch äußern, mit wissenschaftlichen Argumenten unterlegt, aber keine wissenschaftliche Expertise abliefern im Sinne einer unabhängigen Wissenschaft, dann ist für mich die Welt in Ordnung. Das gilt für WBGU, IPCC, Ethikräte und sonstige runde Tische.
Mich stört die Mischform. Es wird in dem Konglomerat aus IPCC-Berichten eine politische Meinung geäußert und so getan als ob es eine unabhängige wissenschaftliche Expertise wäre. Was es ja nachweislich nicht ist.
Selbstverständlich kann man aber dieses Konglomerat als wissenschaftliche Quelle an Zitaten nutzen, die einen guten Überblick verschafft.
So meine Antwort. Nein, der IPCC-Bericht darf nicht als unabhängige wissenschaftliche Quelle angesehen werden und kann das auch nicht. Insofern stimmen wir da überein.
Deshalb immer Skeptiker bleiben.
Grüße
Günter

dog beds said...

wieder betont, dass die Blogosphäre eine immer wichtigere Funktion in der Produktion und Kontrolle von Klimawissen spielen wird? Ohne Zweifel haben wir hier ein Beispiel dafür, welche Rolle Blogs bereits heute spielen.