Wednesday, October 24, 2012

Nachfrage aus der Öffentlichkeit

Hier noch ein Nachfrage an mich:

...ich habe ein Problem, dass direkt mit Ihrem Namen verbunden ist.
    Ich bin Lehrer ... . Jedes Jahr werden hier von sieben Kursen der Oberstufe Kursfahrten, oder besser: Kursflüge unternommen. Nun gibt es eine Initiative einiger Lehrer, entweder auf Flüge ganz zu verzichten oder - falls das nicht durchzusetzen ist - wenigstens einen CO2-Ausgleich an Atmosfair zu zahlen, die ja nicht einfach Bäume pflanzen, sondern sie fördern ja Technologien, die CO2 einsparen sollen. Das Ablasshandel-Argument ist uns wohl bekannt, aber wenn sich ein Verzicht auf Flüge schon nicht durchsetzen lässt, dann wenigstens Ausgleich.


    So war unsere Position. Bis - und nun kommt Ihr Name ins Spiel - eine unserer Naturwissenschaftlerinnen sagte, die ganze CO2-Debatte sei fachlich falsch, CO2 sei gar nicht so schädlich und es gäbe wohl auch keine durch den Treibhauseffekt hervorgerufene Klimaveränderung. Deshalb sei diese ganze Debatte mehr oder weniger überflüssig, weil unwissenschaftlich. Sämtliche Forschung, die etwas anderes behauptet, täte dies nur, weil sie Gelder dafür bekommt. Sie wurden als der entscheidende Vertreter zur Untermauerung dieser These der Kollegin genannt.

    Nachdem ich nun einige Artikel von Ihnen gelesen habe, komme ich eigentlich zu einer anderen Einschätzung ihrer Position. Und nur dachte ich, dass - bevor wir uns hier über die Interpretation Ihrer Artikel streiten - es doch am besten wäre, wenn Sie sich dazu kurz äußern würden, falls Ihr Zeitbudget das zulässt.


  
Meine Antwort darauf

    "das stelle ich gerne klar - und bitte um Ihr Einverständnis, dass ich Ihre Anfrage samt meiner Antwort nach entsprechender Anonymisierung auf unserem weblog klimazwiebel.blogspot.de veröffentlichen darf, da sich andere dafür interessieren könnten und es konstruktive und kritische Lesermeinungen geben könnte.

    a) Nach dem derzeitigen Stand des Wissens, der unter Klimawissenschaftlern sehr weitgehend einhellig ist (wir habe dazu Umfragen gemacht), ist die Erwärmung  der letzten Jahrzehnte deutlich und jenseits der Schwankungen, die allein aufgrund natürlicher Vorgänge zu erwarten ist (Detection); wir können diese Erwärmung ohne die Annahme eines deutlichen Anteils des menschgemachten Treibhauseffekts nicht erklären (Attribution).  Oder einfacher: Ja, menschgemachter Klimawandel findet statt, Mechanismus ist im Wesentlichen CO2 und andere Treibhausgase. - Dies ist ein vielfach durchgeprüftes naturwissenschaftliche Ergebnis, wobei aber - wie bei allen naturwissenschaftlichen Resultaten -  irgendwann eine Revision nicht ausgeschlossen werden kann, obwohl das derzeit sehr unwahrscheinlich erscheint.

    Alternative Erklärungen, Sonne etc., sollten auch weiterhin untersucht werden, liefern aber derzeit nur partielle Erklärungen und sind sind längst nicht so hart geprüft worden wie die Treibhausgaserklärung.

    b) Damit ist die Frage der "Schädlichkeit" nicht beantwortet, geschweige denn die nach einer "vernünftigen" Politik, da beides "Schaden" und "Vernunft" eine Frage der gesellschaftlichen Position/Werte ist. Allerdings stellt jede Veränderung, also auch jene die vom Klima ausgehen, Herausforderungen an die Gesellschaft, weil eingeübte Praktiken (ach was den Umgang mit Risiken angeht) und Umweltbedingungen sich anders darstellen, ggfs massiv. Die meisten Menschen würden wohl sagen, dass Änderungen wo möglich zu vermeiden sind, aber auch dies ist eine Werte-Entscheidung, keine Frage der Naturwissenschaft.

    c) Ob Zahlungen als CO2 Ausgleich sinnvoll sind, ist für mich eine persönliche Entscheidung. Ich würde aber empfehlen, sich mit der Frage der Effizienz dieser Maßnahme auseinander zu setzen (Um wieviel würde der Klimawandel verlangsamt, wenn der Flugverkehr gestoppt würde?) Ich persönlich denke, dass diese Praxis (CO2 Ausgleich) gut gemeint ist aber eine Verharmlosung darstellt, da sie von der eigentlichen Herausforderung - nämlich den Anstieg der weltweiten Emissionen deutlich zu verlangsamen bzw. zum Stoppen zu bringen - ablenkt, also in der Praxis kontraproduktiv ist ("Ich habe meine  Teil beigetragen.")



   
worauf ich diese Rückmeldung bekam:

vielen Dank für die ausführliche Klarstellung. Das hilft in unserer Diskussion weiter, vor allem auch, da tatsächlich gerade um die richtige Interpretation zweier Artikel von Ihnen auf Spektrum.de geht.
http://www.spektrum.de/alias/angemerkt/in-der-glaubwuerdigkeitsfalle/1128896
http://www.spektrum.de/alias/klimaforschung/dramatisierte-darstellung/1015637

Erstaunlich, wie unterschiedlich man solche Texte verstehen kann. Ich habe mein Verständnis Ihrer Position gegenüber den Kollegen so wiedergegeben: "Prof. Dr von Storch kritisiert die Panikmache und Manipulation von Veröffentlichungen seitens der Wissenschaft vor allem deshalb, weil erstens unwissenschaftlich ist und sie zweitens - wenn sie als unwissenschaftlich öffentlich entlarvt wird - dazu führt, dass der "Normalbürger" der Wissenschaft nicht mehr glaubt, wenn sie tatsächlich notwendige Bemühungen zur Reduktion der Treibhausgas-Produktion dringend anmahnt und auf die möglichen Folgen anthropogener Eingriffe in das Klima hinweist."
Wenn es nicht zuviel Ihrer Zeit in Anspruch nimmt, könnten Sie kurz noch mitteilen, ob diese Zusammenfassung einigermaßen Ihre Zustimmung hätte.

Bei der Frage nach dem CO2-Ausgleich verstehe ich Ihre Position sehr gut. Die Gefahr ist groß, dass solche Kompensationen zur Verharmlosung der Problematik führen. Ich glaube, dass wir als Pädagogen - wenn wir es schon nicht ganz einstellen können, zu fliegen - immer ganz deutlich machen müssen, dass diese CO2-Kompensation nur der zweitbeste Weg ist, der aber schon deutlich schlechter ist als der beste: der Verzicht. Aber wir werden auch Ihren Hinweis aufnehmen, und versuchen uns möglichst fundiert zu informieren, wie schädlich der Flugverkehr wirklich ist. Da gibt es ja auch unterschiedlichste Aussagen zu.
Nochmals vielen Dank für Ihre prompte, ausführliche und Informative Antwort und - Anonymisierung vorausgesetzt - Sie dürfen das gerne in Ihren Block übernehmen."

Ja, dieser Zusammenfassung stimme ich zu.


  
  

23 comments:

Werner Krauss said...

Jährliche KursFLÜGE in der Oberstufe: Das gibts in echt? Und warum? Was ist denn das für eine Schule?

Und dann kommt auch noch der Klimaforscher und sagt, dass eine CO2 Abgabe für Atmosfair kontraproduktiv ist, weil dadurch das eigentliche Problem verharmlost wird und die Schülerinnen dann denken, sie hätten schon genug gegen den Klimawandel getan.

Also Kursflüge in der Oberstufe besser ohne CO2 Abgabe, dem weltweiten Kampf gegen den Klimawandel zuliebe?

Hilfe. Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr. Hans, wenn Du mir das nochmal im Einzelnen erklären könntest?

Hans von Storch said...

Werner,
darf ich mich mit dreiAnmerkungen begnügen?

a) Symbolische Akte sind weitgehend wirkungslos in der Sache; können ggfs wirkliche Aktion mobilisieren. wo siehst Du die Möglichkeit, dass derartige Akte in diesem Falle wirkliche, d.h. effektive Maßnahmen initiieren?

b) Der Hinweis auf die Kontraproduktivität hat keinen Bezug zu meiner Kompetenz als Klimaforscher. Oder ist da mal wieder versteckt die oft als selbstverständlich formulierte Annahme, ein Klimaforscher müsse auch ein bisschen Aktivist sein?

c) In der Sache selbst: Die Frage ob Kursflüge oder nicht, hat mit der Problematik erhöhter CO2 Konzentrationen und dem damit bewirktem Klimawandel nichts zu tun. Es hat vielleicht viel mit einer scheiternden Klimapolitik zu tun.

Werner Krauss said...

Danke, Hans,

hier drei kurze Antworten:

a) Genau, alle Politik ist Symbolpolitik. Der Eisbär wurde zum Symbol für die Klimaerwärmung, Fukushima wurde zum Symbol für die Energiewende. Denkbare symbolische Aktionen gibt es viele, im Alltag bis hin zur gezielten politischen Kampagne, da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Oft sind es einzelne symbolische Aktionen, die das Ganze in Bewegung bringen. Wenn eine Eliteschule (um solche eine handelt es sich hier wohl?) so eine symbolische Aktion macht, kann das seine Kreise ziehen, schließlich handelt es sich um Menschen, die später einmal Meinungsführerinnen sein werden. Sicher ist nur: ohne symbolische Aktion: keine politische Bewegung.

b) Du selbst schreibst hier als Aktivist und Pädagoge:

"Ich persönlich denke, dass diese Praxis (CO2 Ausgleich) gut gemeint ist aber eine Verharmlosung darstellt, da sie von der eigentlichen Herausforderung - nämlich den Anstieg der weltweiten Emissionen deutlich zu verlangsamen bzw. zum Stoppen zu bringen - ablenkt, also in der Praxis kontraproduktiv ist ("Ich habe meine Teil beigetragen.")

Pädagogik und Volkserziehung pur. Dagegen habe ich gar nichts, nur dass diese Logik pädagogisch absolut keinen Sinn macht und gegen den gesunden Menschenverstand verstößt, meiner Meinung nach. Wenn ich an Ärzte ohne Grenzen spende, dann laufe ich Gefahr, das Problem der globalen medizinischen Unterversorgung zu verharmlosen? Hans, das macht doch keinen Sinn!

c) verstehe ich nicht ganz. Aber im Sinne eines Verständnisses von Politik als Symbolpolitik machen symbolische Aktionen durchaus Sinn, auch wenn die eingesparten Emissionen selbst nicht messbar sind - sie sind aber u.U. politisch "messbar" und damit indirekt vielleicht auch eines Tages Emissionsmindernd. Wer weiß das schon, es ist besser als tatenlos herumzusitzen und darauf zu vertrauen, dass "die da oben" oder "der Markt" oder "die Wissenschaft" schon für uns regeln werden. Wenn schon Pädagogik, dann doch lieber so, oder?

Anonymous said...

Sehr geehrter Herr Krauss,
als Auslöser dieser Debatte muss ich kurz darüber aufklären, dass es sich nicht um eine Elite-Schule handelt, sondern um eine ganz normale Schule im ländlichen Bereich, mit der an vielen Gymnasien mittlerweile gängigen Praxis der KursFLÜGE. Diese weite Verbreitung dieser Praxis ist auch Teil des Problems, da ein Argument für die Flüge das Erhalten der Attraktivität der eigenen Oberstufe in Konkurrenz zu anderen Gymnasien ist, die sich um dieselben Schüler bewerben. Hier wäre eine politische Lösung wünschenswert, dass per Erlass solche Flugreisen ausgeschlossen würden. Dies würde die Schulen entlasten, da es angesichts des Konstrukts der selbstverantwortlichen Schulen kaum mehr möglich ist, sich dem Eltern- und Schülerwillen durch deren Mitbestimmungsrechte im Schulvorstand zu entziehen, und der fällt leider meiner Erfahrung nach oft ziemlich eindeutig FÜR Flugreisen aus.
Ich halte die Betonung der symbolischen Bedeutung auch einer CO2-Abgabe (wenn schon geflogen werden soll) für durchaus sehr sinnvoll, gerade in der Pädagogik, die ja immer nur symbolisch bzw. exemplarisch für die Handlungsoptionen der "wirklichen" Welt entscheiden kann.

Hans von Storch said...

Ok, darf ich dann um ein Szenario bitten, welche Kräfte die Atmosfair-artige Aktion in Bewegung setzen wird, so dass relevante Mengen and CO2 nicht emittiert (oder gebunden) werden? Dabei beachten, wie viel CO2 im b reich des Flugverkehrs oder im Bereich Deutschlands bewegt wird.

Vielleicht wäre es auch gut, mal zu hören, für wie viel Tonnen CO2 nun ein Ausgleich gezahlt wurde, und wie viel sonst stattfindende Emissionen aufgrund dieser Zahlungen als Ausgleich vermieden wurden?

Es geht darum, dass die CO2 Emissionen WIRKLICH ein Problem sind, und gutgemeinte symbolische Aktionen vorspiegeln, man könne dem Problem durch guten Willen begegnen.

Anonymous said...

Lieber Pädagoge,

meine Meinung ist, dass man vielleicht weniger den wissenschaftlichen Aspekt beleuchten sollte (danke an Prof. von Storch für seine Ausführungen dazu), sondern den schulrechtlichen.

Sie sind als Veranstalter verpflichtet, die Fahrt möglichst kostengünstig zu gestalten. Bei einer Verpflichtung der Teilnehmer der Fahrt auf eine Abgabe an atmosfair begibt man sich rechtlich wohl schon auf gaaanz dünnes Eis. Falls alle Teilnehmer ihr freiwilliges Einverständnis abgeben, dann ist alles rechtlich ok, es bleibt aber ein fader pädagogischer Beigeschmack.

Falls Ihren Kollegen das Klimaproblem tatsächlich am Herzen liegen sollte, wäre es dann nicht logischer, Ziele anzubieten, die auch mit Bus oder Bahn erreichbar sind? (Die Vielzahl an Flugreisen ist schon etwas ungewöhnlich an ihrer Schule)

Viele Grüße
Andreas

hvw said...

Werner,

Da gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Spenden an Ärzte ohne Grenzen und dem Kauf von "Kompensation" von atmosfair. Niemand wird bestreiten, Dass erstere tatsächlich medizinische Versorung verbessern. Dass atmosfair einen irgendwie gearteten Beitrag zur Emissionsverminderung bewirkt, ist mindestens sehr umstritten.

Als Lehrer dort würde ich die Schüler mal recherchieren lassen, was dahinter steckt, und letztendlich selbst entscheiden lassen, ob sie nicht vielleicht eine andere symbolische Aktion für besser halten (Spenden an WWF zum trop. Regenwaldschutz, an Greenpeace zur Lobbyarbeit, öffentliche Aktivitäten zur Bewusstseinsbildung, etc.). Auf keinen Fall sollte jemand zu symbolischen Handlungen gezwungen werden.

Anonymous said...

Als Inhaber eines mittelständischen Unternehmens im Umweltbereich habe auch ich an atmosfair gespendet. Alleiniger Zweck jedoch war die Möglichkeit, als "CO2 neutrales" Unternehmen werbewirksam auftreten zu können. Das war es uns Wert, auch angesichts der dortigen überhöhten Emissionspreise. Mittlerweile ist dieses ganze Rumgeeiere uns zu blöd.

Mit der Bitte um Verständnis unserer Anonymität,

ano-öko-007

hvw said...

Na es gibt doch aber eine Menge wesentlich günstigere Anbieter für CO2-Neutralität. War das keine Alternative?

Anonymous said...

@hvw
Ja, kann sein, dass es günstigere gab. Ich hatte da so eine Empfehlung von Prof. Klaus Töpfer gelesen, glaube ich mich zu erinnern. Ich weiss auch nicht, wieviel sich momentan auf diesem Ablasshandelsmarkt tut. Für uns ist es jetzt vorbei.

ano-öko-007

Werner Krauss said...

Hans #5,

interessant, ein Mathematiker belehrt einen Ethnologen über das Verhältnis von (gutgemeinten) SYMBOLEN und WIRKLICHKEIT. Und demonstriert die Überlegenheit seiner Disziplin dadurch, dass er den Ethnologen auffordert, ein kleines Emissionsszenario zu errechnen - sehr witzig.

Es handelt sich hier also offensichtlich um einen rhetorischen Trick, der nur vorgibt ein Argument zu sein. In Wirklichkeit scheint es mir darum zu gehen, die Diskussion einfach zu beenden, durch ein Machwort.

So entkommt man natürlich dem glitschigen Feld der Pädagogik. Denn Dich scheint ja nur die eine Seite, Atmosfair, zu interessieren, und nicht diejenigen, die eine symbolische Entscheidung zu fällen haben, so oder so. Aber da gibt es natürlich auch nichts zu messen oder zu quantifizieren, und Emissionen werden damit auch nicht eingespart. Hier geht es ja nur um Gesellschaft und Einübung von Politik - aber die ist ja anscheinend ausgesetzt bei der Rettung der Welt vor dem Klimaproblem durch die Klimawissenschaften.

Pädagoge said...

Vielen Dank für viele nachdenkenswerte Kommentare. Ich mache allerdings die Beobachtung, dass beim Thema CO2-Kompensation schnell etwas polemisch argumentiert wird. Der Ablass-Vergleich ist ja mittlerweile gut etabliert, hat aber noch nie wirklich gepasst, da beim Ablasshandel ja das Hauptproblem war, dass man den Menschen Geld für etwas abgekünpft hat, was man gar nicht gegen Geld anbieten konnte. Beim CO2-Ausgleich sollte es aber ja idealerweise schon so sein, dass auf einer möglichst fundierten Basis berechnet wird, wie viel Emissionen ein Flug erzeugt, und man ebenso fundiert dem auch gegenüberstellt, durch welche Maßnahmen diese Emissionen an anderer Stelle eingespart werden können. Im noch besseren Fall (und das ist meiner Kenntnis nach ja das Prinzip von Atmosfair)wird sogar in nachhaltigere Methoden einer langfristigen Emissionsreduktion investiert.
Meinen Informationen nach scheint Atmosfair in dieser Hinsicht ja auch recht gut überprüft zu werden.
Ganz abgesehen davon liegt mir und einigen anderen KollegInnen daran, dass den SchülerInnen durch diese Diskussion bewusst wird, dass man sich überhaupt über solche Fragen des Klima- und Umweltschutzes Gedanken machen sollte. Diese hier geführte Diskussion soll unserer Ansicht nach auch noch mehr in Schüler- und Elternschaft getragen werden, wobei wir dankbar für die fachwissenschaftlichen Informationen und auch andere Kenntnisse und Argumente Pro und Kontra CO2-Ausgleich sind.

eduardo said...

Ich habe das Problem nicht verstanden. Zahlen die Kursflüge keine Minaralölsteuer ?

Warum sollen die Schüler eine extra Abgabe leisten, und beispielweise die Bundesliga nicht ?

ghost said...

@Eduardo
seit wann zahlt man Steuer auf Flugbenzin? Das ist steuerfrei. Verrückt aber wahr.

Der HSV fuhr übrigens mit dem ICE nach Fürth -- zumindestens zurück, hin weiß nicht, wohl dann auch -- obwohl der Hauptsponsor eine Fluglinie ist. Auch verrückt aber auch wahr.

Ich finde, diese Ausgleichszahlungen sollten nicht zum schlechten Bewustseinsberuhrigen da sein. Zusammen mit einer Diskussion über den Klimawandel oder wo die Probleme bei CO2-Einsparungen liegen, passt es aber. Immerhin macht es auch bewusst, dass die Veränderung der Atmosphäre was kostet.

eduardo said...

@ ghost

Ich dachte, das würde nur für internationale Linienflüge gelten, weil es schwierig sei die 'Steuerquelle' zu orten. Ich kann aber völlig falsch liegen

eduardo said...

Flugbenzin und Steuer

ghost said...

ja, das ist mir bekannt, Sport- und Geschäftsflieger usw. müssen Steuern zahlen. Linien- und Charterflüge sind aber steuerfrei, egal, ob innerdeutsch oder nicht, so kenne ich das jedefalls. Und mehr steht ja auch nicht in dem Link. Fliegen die Schüler mit einem Privatjet?


eduardo said...

Wer weiss, heutzutage ist alles möglich

Ich hatte den Begriff Kursflug oder Kursfahrt als eine Schulexkursion in der Gegend verstanden. Wenn sie nach Tokyo fliegen, ..

Reiner Grundmann said...

Oliver Geden hat einen (wie immer: lesenswerten) Kommentar in der Zeit veroeffentlicht, der aehnlich wie Hans von Storch (siehe oben) symbolische Politik als Placebo kritisiert. Der Kommentar bezieht sich auf Frank Drieschners Artikel, den wir ebenfalls hier auf der Zwiebel diskutieren.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/zwei-grad-geden/seite-1

ghost said...

@Eduardo

ich weiß nicht, es war doch schon immer alles möglich, nicht nur heutzutage...

Ich hatte eher sowas wie ein Flug nach Pompeij des Lateinkurses im Sinn.

Anonymous said...

das ist doch peinlich!

realitätsfremd und illosorisch. Niemand hat was davon, wenn Leute weniger fliegen. Das Gegenteil wäre der Fall und die CO2 Emissionen mehr oder weniger fallen überhaupt nicht ins Gewicht. Das weiß hier hoffentlich jeder, leider traut sich keiner wegen "poltisch korrekt" eine klare Antwort zu geben. Es ist schlicht und einfach dumm wie die Nacht finster, wenn dem Einzelnen suggeriert wird, er könne durch sein Verhalten das Klima "schützen" und das Schlimmste ist, dass heute ein Teil der Bevölkerung denkt, CO2 wäre ein Schadstoff. So weit sind wir gekommen und ich finde es schrecklich peinlich, wenn nicht mal die "Zwiebel" es schafft, die Hoffnungslosigkeit solcher Denkweisen klar zu beantworten. Schade!

R. Mallaun

Anonymous said...

Mallaun hat vollkommen recht.

Die Schüler jedoch könnte man zu verantwortungsvollem Handeln dadurch erziehen, indem man ihnen beibringt, die Auswirkungen ihrer Verhaltensweise genauer einzuschätzen: Wattmeter, Taschenrechner, Strombilanzen mit Fehlerrechnung, CO2-Bilanzen mit Fehlerrechnung. (Letzteres fehlt bei wohl allen öffentlichtlich gemachten Ökobilanzen wie auch auf den diversen "CO2-Rechnern".)

ano-öko-007

Nils said...

Erstaunlich, wie schnell man bei diesem Thema ins Grundsätzliche kommt. Wie wäre es damit, einfach die Verhältnismäßigkeit zu wahren? Versaut ein Kursflug das Weltklima? Natürlich nicht. Rettet eine Ausgleichszahlung an Atmosfair das Weltklima? Natürlich ebenfalls nicht. Aber: Verjubelt man durch die CO2-Kompensation etwa ein Jahresgehalt, gar die Altersvorsorge? Nö. Man macht den Flug ein paar Prozentpunkte teurer und spart damit einen hoffentlich recht hohen Anteil der mit der Reise verbundenen CO2-Emissionen ein. Um mehr gehts doch nicht. Das kann man machen, muss es aber nicht.

Vorschlag zur Güte: Wie wäre es, aus dieser Diskussion ein für die Schüler interessantes Projekt zu starten, bei dem sie Kenntnisse aus Physik, Mathematik, Geographie und Politik anwenden können? Lassen Sie sie selbst recherchieren, welchen Beitrag Fliegen zum Klimawandel hat (keinen wahnsinnig großen), welchen Beitrag eine Kompensationszahlung an den Reisekosten und am familiären Einkommen hat (ebenfalls keinen wahnsinnig großen), und wie man die Emissionen am besten kompensiert (externer Dienstleister? Eigene Einsparungen??). Vor allem die letzte Entscheidung ließe sich in einem gemeinsamen Diskussions- und Abstimmungsprozess finden.

Am Ende kommt dann vielleicht ein Topf zusammen, mit dessen Hilfe Effizienzmaßnahmen am eigenen Schulgebäude finanziert werden. Oder Solaranlagen in Bangladesch. Oder man kommt zum Schluss, das sei alles Lug und Trug und lohne sich nicht. Vielleicht bilden einige besonders umweltfreundliche Schüler einen "Club", dessen Finanzkraft dann nicht ausreicht alle Emissionen zu kompensieren, der sich dadurch aber auch nicht von den eigenen Überzeugungen abhalten lässt.

Wie auch immer, man dürfte (als Schüler wie als Lehrer) dabei eine Menge lernen und kann auch noch gemeinsam eine Entscheidung treffen, mit der man dann eben leben muss. Als Politologe hieße das, die Input-Legitimität höher zu gewichten als die Output-Legitimität. Und damit wäre doch schonmal viel gewonnen.