Sunday, November 25, 2012

Anfrage im Bundestag

Mündliche Fragen des Abgeordneten Dr. Hermann E. Ott (Bündnis 90/Die Grünen) vom 25.10.2012, Arbeitsnummern 69 und 70, im Zusammenhang mit dem ACATECH "Gutachten" zur Anpassung in Deutschland - für die Fragestunde am 07.11.2012 mitsamt Antworten des Bundesregierung, siehe http://www.hermann-e-ott.de/fileadmin/content/medien/121107_Antwort_Fragen_Acatech.pdf. Demnach hält die Bundesregierung das 2 Grad Ziel weiterhin für erreichbar.

37 comments:

ghost said...

Ich verstehe immernoch nicht das Problem.

Was bedeutet denn, wenn das Ziel nicht erreichbar ist? Man sollte trotzdem Treibhausgasemissionen vermindern (wie auch immer), oder sogar dann wirklich konsequent, und vieleicht, zusätzlich, mehr Anpassungsmaßnahmen planen.

Was bedeutet denn, wenn das Ziele erreichbar ist? Dann sollte man trotzdem Treibhausgasemissionen vermindern (wie auch immer) und Anpassungsmaßnahmen planen, die hoffentlich etwas geringer sind.

Ich denke, hier will keiner Anpassung ANSTATT Verringerung der Treibhausemissionen.

Wo ist dann das Problem, ausser dass intelligente und weniger intelligente Köpfe sich die Finger darüber wundschreiben, anstatt sinnvollere Dinge zu tun?

Die Antwort der Bundesregierung ist doch okay... natürlich unkonkret, aber okay.

Hans von Storch said...

Lieber Ghost, ich habe diese Meldung nicht gesetzt, weil ich die Antwort der Bundesregierung nicht "okay" finde, sondern weil ich dachte, es könnte sich jemand dafür interessieren.
Die Frage, wie die Bundesregierung mit dem 2 Grad Ziel umgeht, wird ja u.a. von Oliver Geden diskutiert. Frage ist, ob das Festhalten an dem Ziel, sofern man es denn für unerreichbar hält, möglicherweise die Aufmerksamkeit von anderen Umgängen mit dem Klimaproblem abhält, und so kontraproduktiv sein könnte. Frage ist auch, ob das Feststellen, dass das Ziel erreichbar und damit das Problem eigentlich gelöst sei, erlaubt, das Thema effektiv von der politischen Agenda zu nehmen?

Werner Krauss said...

Hans,

anstatt solcher spekulativer Fragen könnte man doch einfach mal feststellen, dass das derzeit größte Hindernis die FDP ist. Nicht das 2 Grad Ziel legt die Regierung lahm bei ihrem Bemühen, die EU zu einer Vorreiterrolle auf dem Weltgipfel zu bewegen, sondern wieder einmal Rösler. Dazu kommt die Energielobby, die alles tut, um die Energiewende zu sabotieren bzw. deren Kosten auf die Bürger abzuwälzen. Auch das hat mit dem 2 Grad Ziel nichts zu tun. Ist es nicht vielmehr so, dass der Kampf gegen das 2 Grad Ziel genau von diesen politischen Fragen ablenkt? Genauso wie die ewige Sorge darüber, was die Leute denken? "Die Leute" haben doch im jahrzehntelangen Kampf dafür gesorgt, dass sogar inzwischen die CDU die Energiewende will. Da wäre es doch langsam mal an der Zeit, sich mal mit den wirklichen Gegnern der Energiewende zu beschäftigen.

Energiewende und Anpassungsstrategien scheitern nicht am 2 Grad Ziel, sondern an Politikern wie Rösler, selbstverliebten Managern wie Vahrenholt oder Energieunternehmen, die dreist die Energiewende dazu benützen, die Bürger zu schröpfen.

Das 2 Grad Ziel, das die Klimawissenschaft der Politik so penetrant aufgeschwätzt hat, zu modifizieren ist dagegen nun tatsächlich Angelegenheit von Politikberatern und Diplomaten.

Anonymous said...

@ ghost

Ja, abgesehen von einer gehörigen Portion Zweckoptimismus beim 2°-Ziel fand ich die Antworten auch sehr ok.

Wo ist das Problem? Ich mag Beruhigungspillen nicht. Mit dieser Haltung könnte man auch in italienischen Erdbebenkommissionen arbeiten.

Andreas

RainerS said...

@3 Lieber Herr Krauss,

könnten Sie kurz erläutern, inwieweit die FDP oder Energieunternehmen die "Energiewende" behindern?

Ein paar Bullet Points mit Fakten wären toll, zwecks einfacherer Beantwortung. Danke!

P.S.: Bin weder FDP-Mitglied noch Angestellter eines Energieunternehmens :-)

Anonymous said...

RainerS,

vielleicht hilft Ihnen dies:
http://www.fdp.de/files/408/P-St_rkung_der_erneuerbaren_Energien.pdf

(Der Titel ist euphemistisch, ich erkenne einen kräftigen Tritt auf die Bremse bei EE.)

Andreas

Werner Krauss said...

Lieber RainerS,

ein Blick in die Wochenendpresse wird Sie mit einschlägigen Argumenten bezüglich FDP / EU / Klimagipfel und der Rolle der Stromkonzerne versorgen. Oder einfach die entsprechenden Stichworte googlen - die Medien waren in letzter Zeit voll damit.

Werner Krauss said...

RainerS,

z.B. hier: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimagipfel-in-doha-was-von-der-uno-konferenz-zu-erwarten-ist-a-869192.html

Reiner Grundmann said...

Werner
du sagst,
"dass das derzeit größte Hindernis die FDP ist. Nicht das 2 Grad Ziel legt die Regierung lahm bei ihrem Bemühen, die EU zu einer Vorreiterrolle auf dem Weltgipfel zu bewegen, sondern wieder einmal Rösler."

Das klingt wie ein Politiker, nicht?

Altmeier sagt, die Trendumkehr sei in Deutschland schon erreicht. Und der von dir verlinkte Spiegel Artikel meint "Dabei hat die EU das 20 Prozent Ziel de facto schon erreicht"

Tut mir leid, der Streit um 20% oder 30% Reduktion ist Augenwischerei, symbolische Politik. Diese Zahlen lenken von wirksamen Massnahmen ebenso ab, wie die magischen Temperaturanstiege. Deutschland hat kaum Fortschritte bei der Dekarbonisierung gemacht, es steht nur auf dem Papier gut da.

Neben Deutschland will ein anderes "Vorreiterland" nicht mehr so recht: Grossbritannien hat keine Reduktionsziele für die Periode nach 2020 ausgegeben. Die Regierung sagt, fest stehe nur, dass die Energiepreise für Haushalte steigen werden. Die Ziele für die Periode bis 2030 sollen erst nacht der nächsten Wahl festgelegt werden.

RainerS said...

@6 Andreas,

die einzelnen Vorschläge sind nicht neu - und kommen vermutlichlich viel zu spät, um die Fehlentwicklungen durch EEG & Co. zu korrigieren. Da der Ausbau der "Erneuerbaren" aufgrund der hohen Renditen viel rasanter erfolgt ist als ursprünglich gedacht, wären "Jahresdeckel" schon viel früher notwendig gewesen.

Dass da selbst unter optimalen Bedingungen ein Netzausbau nicht hinterherkommt, ist nicht verwunderlich.

Und die Speicherfrage - die eigentlich zuerst hätte geklärt werden müssen - ist nach wie vor offen.

Die "Energiewende" scheitert nicht an der Pünktchen-Partei, sondern an ihrem eigenen "Erfolg".

RainerS said...

@7, 8

Lieber Herr Krauss,

wenn ich für Infos zu Energiethemen auf die Tagespresse angewiesen wäre, wäre ich vermutlich auch verwirrt. Abgesehen von Einzelfällen im SPIEGEL, der WELT oder im Wirtschaftsteil diverser Blätter dominiert in den Medien der volkspädagogische Ansatz.

Dort sind natürlich auch die EVUs verantwortlich für die Strompreissteigerungen ... dabei behauptet das noch nicht mal Greenpeace Energy, die ihre Preise auch heraufsetzen werden, und zwar explizit wg. der steigenden EEG-Umlage und Netzentgelte. Wobei die Schlingel in ihrer diesbezüglichen Presseinfo vom 15. Nov einen elastischen Umgang mit Fakten demonstrieren - angeblich seien die Ausnahmen für energieintensive Branchen Schuld an der Umlagenerhöhung. Das glauben tatsächlich viele auch noch.

Ich habe nicht vor, hier nochmals durchzuhecheln, was eigentlich Grundwissen bei der Diskussion des Für und Wider von "Erneuerbaren Energien" sein sollte.

Einige Fakten sollten aber allen bewusst sein:

1. Strom kann man nicht stapeln. Zu einem gegebenen Zeitpunkt müssen sich Nachfrage und Angebot die Waage halten. Die Leute in den Leitzentralen der Netzbetreiber haben mein aufrichtiges Mitgefühl. Bei der volatilen EE-Einspeisung muss das ein S....job sein.

2. es gibt für die EEs fixe Einspeisevergütungen und einen -vorrang. Die dadurch entstehenden Kosten kann man in erster Näherung per Dreisatz (oder mehreren Dreisätzen, da die Vergütungen - zum Glück - teilweise zurückgeführt werden) ausrechnen. Diese Kosten müssen die Stromkunden so oder so tragen. Der Börsenpreis ist an dieser Stelle irrelevant.

3. aus naheliegenden Gründen (es ist Nacht und/oder windstill) liefern bspw. Solar und Wind im Schnitt knapp 10% bzw. knapp 20% der installierten Leistung (nagelt bitte mich nicht auf den einen oder anderen Prozentpunkt fest). Für eine theoretische 100%ige Bedarfsdeckung wäre also - ohne die sowieso nicht vorhandenen Speicher - ein zusätzlicher immenser Ausbau nötig.

4. Selbst bei einem wie unter 2. skizzierten Ausbau bleibt das Problem der extrem ertragsarmen Phasen. Wenn ich mich recht entsinne, lieferte der schwächste EE-Tag 2011 nur knapp 2% der installierten Leistung.

Wer sich Zeitreihen für die Einspeisung aus verschiedenen Energieträger anschauen möchte, kann das auf dieser Seite der Netzbetreiber tun:

http://www.transparency.eex.com/de/daten_uebertragungsnetzbetreiber

Dort kann man sich auch Daten herunterladen und damit herumspielen.

Lieber Herr Grundmann, die Brits haben natürlich eine coolere Variante im Cockpit-Format:

http://www.gridwatch.templar.co.uk/

Aus der Minimaleinspeisung folgt auch direkt die Anforderung an den "Rest" des Energieerzeugungssystems: Nahezu der komplette Strombedarf muss nach wie vor aus dem vorhandenen Kraftwerkspark gedeckt werden können. D.h.

(to be continued)

RainerS said...

(continued)

Aus der Minimaleinspeisung folgt auch direkt die Anforderung an den "Rest" des Energieerzeugungssystems: Nahezu der komplette Strombedarf muss nach wie vor aus dem vorhandenen Kraftwerkspark gedeckt werden können. D.h.

5. Der vorhandene Kraftwerksbestand muss also je nach Witterung als Reserve agieren. Mal mit nahezu 100%, mal mit deutlich weniger. Die Folge ist, dass viele Kraftwerke nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und uU auch den eingesetzten Brennstoff nicht mehr optimal nutzen können. Letzeres ist evtl. richtig blöd für die CO2-Gesamtbilanz. Während wir also dringend Back-up-Kapazität brauchen, machen wir gleichzeitig den Betrieb und erst recht den Neubau von Kraftwerken unrentabel. Insbesondere schnell regelbare Gaskraftwerke wären aber extrem wichtig, insbesondere auch aufgrund des Wegfalls der KKW-Laufzeitverlängerung. Aus diesem Grund wird ja auch über einen sog. "Kapazitätmarkt" diskutiert, d.i. die Subventionierung von an sich unwirtschaftlichen konventionellen Kraftwerken als Reserve zur Abpufferung volatiler EE-Einspeisung. Auch dies wird dann der Stromkunde zu bezahlen haben - wie auch die 2,5 GW Reservekapazität, welche die Bundesnetzagentur für diesen Winter kontrahiert hat.

6. Niedrige Börsenpreise setzen die Betreiber konventioneller Kraftwerke zusätzlich unter Druck. Dabei sind durchschnittliche Börsenpreise mit Vorsicht zu genießen. In Zeiten von EE-Überangebot müssen wir den Strom verschenken oder noch Geld mitschicken. Das freut dann den Pumpspeicherbetreiber bei unseren südlichen Nachbarn, der bei Bedarf in D den Strom teuer zurückverkauft.

7. Netzausbau. Das wird noch mal richtig teuer. Schon heute machen Netzentgelte um die 20% der Stromkosten aus. Siehe bspw hier
http://www.stadtwerke-hof.de/typo3temp/pics/b4f4d8b866.jpg
Leider wird dieser teil oft unter "Erzeugung, Transport und Vertrieb" subsumiert, wie hier http://www.stadtwerke-hall.de/fileadmin/download/Privatkunden/Strom/Strompreisentwicklung.png
so dass die tatsächlichen Kosten intransparent werden. Durch den notwenigen Aufbau einer Parallel-Infrastuktur für die EEs ist auch hier mit deutlichen Kostensteigerungen zu rechnen.

Die obige Übersicht ist natürlich unvollständig. Kritik oder Infowünsche nehme ich gerne entgegen. Herr Krauss (aus aktuellem Anlass) und HvS haben meine Mailadresse :-)

Was der ganze Sermon mit dem 2-Grad-Ziel zu tun hat? Naja, wir fahren hier eine ganz tolle Energiewende, die einen Haufen Geld kostet - damit könnte man vermutlich Bangla Desh eindeichen - ohne dass es dem Klima wirklich hilft. Vielleicht hat einer der Klimazwiebel-Leser Lust, anhand eines beliebigen IPCC-Emissionsszenarios auszurechnen, welche Temperatursenkung per 2100 wir in D hypothetisch erzielen und/oder wie hoch die Vermeidungskosten für diese Symbolpolitik sind...

Werner Krauss said...

RainerS,

vielen Dank für Ihre Ausführungen. Zumindest dafür, dass sie durchaus Anlass zum Nachdenken geben.

Sie bezeichnen mich also gleich zu Anfang erst einmal als "verwirrt" und wohl auch ein bißchen dumm. Auch, weil ich zuviel auf "die Medien" höre, die einen immer nur "volkspädagogisch" belehren wollen. Doch Sie tischen dann ja "einige Fakten" auf ohne dabei "durchzuhecheln, was eigentlich Grundwissen (...) sein sollte".

Bevor Sie loslegen, bauen Sie sich also rhetorisch selbst zum Experten auf und stufen mich zum dummen Jungen herunter. Ich weiß nicht, ob Ihnen diese Masche bereits in Fleisch und Blut übergegangen ist oder ob Sie das bewusst einsetzen - aber ich kann es immer kaum glauben, wenn mir Leute so gegenübertreten. Leider ist dieses Phänomen in der Klima- und Energiedebatte notorisch; es ist der Habitus eines bestimmten Typus von Ingenieuren, Beratern, Technikern und leider auch Wissenschaftlern, welche der Welt mit solchen Prahl- und Dominanzgesten gegenübertreten. Ist Ihnen das eigentlich klar, was Sie da tun? Erwarten Sie wirklich, dass ich das einfach so einstecke, unkommentiert lasse und dann auf Ihre natürlich "ganz sachlichen" Argumente eingehe?

Dies ist beileibe nicht nur eine Sache unter Jungs - dann hau ihm halt eins auf die Fresse -, sondern das geht über den Schulhof hinaus und setzt sich in Inhalt und Stil der Expertendiskussion über solche Themen wie hier fort. Die vermeintliche Versachlichung politischer Themen geht mit diesem auf die eigene Brust trommelnden Männlichkeitsgestus einher. Das Politische wird dann als letztlich feminin, verwirrt, ungenau und gefühlsbetont denunziert, während das Technologische, Ingenieurhafte und Wissenschaftliche männlich, sachlich, exakt und verantwortungsbewusst daherkommt.

(Also nix mit Medien / Mädchen / Volkspädagogik, sondern her mit Technik / Mann / Baukasten!).

Der "Macher" kann nun zu den Dummen sprechen, in Bullettpoints, damit diese das auch kapieren; dabei hat er die Welt immer im Griff (mit dem Geld könnte man ganz Bangla Desh eindeichen!) und den rhetorischen Fuß immer auf den "Schlingeln", welche sich die Energiewende doch auch nur schönreden. Dazu der beiläufig herablassende Ton zu den kleinen Klimazwiebel-Helferlein: könnt Ihr das mal eben ausrechnen, Jungs?

Worum ging es eigentlich? Ach ja, die Energiewende. Ich bleibe dabei: die FDP kann man auch einfach abwählen, dann gehts schneller voran mit der Energiewende.
















ghost said...

@RainerS

Ich fasse ihre zwei langen Posts zusammen: sie sagen, Nachts ist es dunkel und PV- und Wind-Strom ist volatil. Wieso haben sie nun soviele Buchstaben dafür gebraucht? Irgndwie öde.

nun, das ist leider schon bekannt. Was wollten sie uns denn nun mitteilen?

Also wenn ich ernsthaft über ihr Gesülze nachdenke, sagen sie, dass PV-Wind-Biomasse und Co Co2 einsparen helfen, massiv sogar, aber es gibt noch keinen richtigen, hm, platt ausgedrückt, "Businessplan". Technisch ist das alles nämlich kein unlösbares Problem, nur ein finanzielles.

ghost said...

@Prof von Storch

es klang so: die Bundesregierung hält noch am 2°C-Ziel fest, wie dumm... (in ihrem Hinterkopf bestimmt: da waren wieder die Potsdamer am Werk). Sorry, an diesem Vorurteil haben sie lange gearbeitet.

Ich sehe nicht das 2°-Ziel als Ablenkung, weil die Konsequenz daraus ja eben die gleiche wie bei anderen Zielen ist. Aber die Diskussion um das Ziel empfinde ich als ablenkend. Vielleicht macht das allein schon die 2°-Idee eher politisch unproduktiv. Das Ziel ist eben eine Mischung aus Wissenschaft und Politik, was sie immer so kritisieren, wenn ich sie richtig verstehe.

@Andreas
ich sehe das nicht als Ruhe- und Beruhigungskissen. Sie haben schon Recht, man sollte sich auch nicht als Musterknabe darstellen, wenn man es nicht ist. Aber in Deutschland ist es nun mal unmöglich, KKWs zu bauen (was ich gut finde), also muss ein anderen Weg der "Decarbonisierung" finden.

Anonymous said...

@Rainer und Werner

Es überrascht mich immer wieder wie sehr diese Diskussion doch auf einer ideologischen Basis stattfindet.

Redet man dem einen in den Kram kann man fast grenzenlos unterstellen und beleidigen. Derjenige wird es nicht als Beleidigung auffassen.

Doch wehe man kritisiert denselben bzw. seine Meinung, dann ist es sogleich übelste Beleidigung.

Wie oft haben sich hier die moderaten Alarmisten unfreundlich über "Skeptiker" geäussert. Kaum einem der Blogbetreiber scheint das überhaupt aufzufallen.

Aber wenn man mit nackten Zahlen winkt und von einer gewissen hoffnungslosen Verzweiflung (warum nicht Tacheles geredet wird) .....

Das einzige was ich zum Thema wissen will sind die nackten Zahlen und eventuell wieso man gerade jetzt die KKWS abschaltet, wo die Welt doch wegen CO2 untergeht. Irgend etwas ist faul aber ich bin mir nicht sicher was ....

Yeph

RainerS said...

@13 Lieber Herr Krauss,

es tut mir leid (wenigstens ein bisschen :-) ) falls ich Sie beleidigt haben sollte. Menschen, die mich noch aus der Schule kennen würden sagen "was wollt Ihr denn, früher war er schlimmer"... aber das kann natürlich keine Entschuldigung sein. Außerdem ist "Geduld" sicher nicht mein zweiter Vorname.

Und natürlich überrascht es mich nicht, dass Sie dies nicht unkommentiert stehen lassen und in welche Richtung das dann geht. Als eifriger Mitleser weiß ich um Ihre Neigung zum Meta-Diskurs. Direkte Absicht war es allerdings nicht. Warum Sie auf die nächste Ebene immer "Mädchen" mitnehmen müssen, erschließt sich mir nicht ganz (ich sehe jetzt mal von halbhoch verwandelbaren Albernheiten ab). In meinem direkten Umfeld arbeiten überwiegend Frauen - und das sind durch die Bank keine Mädchen.

In dieser Hinsicht geben Sie allerdings eine sehr interessante Anregung. Meiner geisteswissenschaftlich völlig unbeleckten Ansicht nach haben wir es in der Tat in den mir direkt zugänglichen letzten Jahrzehnten mit einer zunehmenden "Infantilisierung" und "Feminisierung" öffentlicher Diskurse zu tun.

Das halte ich für keine gute Entwicklung. Natürlich ist Politik immer unscharf und involviert Emotionen, Befindlichkeiten und Werte. Allerdings hilft Wünschen nunmal nicht gegen technische und finanzielle Randbedingungen. Wer diese ignoriert, macht nicht nur schlechte Politik, sondern hat uU keine Gelegenheit überhaupt welche zu machen.

Insofern ist es IMHO sowohl naiv als auch unter Kommunikationsaspekten mittelfristig schädlich, Risiken und Nebenwirkungen des deutschen Energiewende-Experiments entweder herunterzuspielen bzw. präemptiv den EVUs, Netzbetreibern oder der Großindustrie in die Schuhe zu schieben. Achja, oder der FDP. Was machen Sie eigentlich nach der kommenden Bundestagswahl? Wenn die Burschis weg sind, wer ist dann schuld?

RainerS said...

@14 #1 ghost,
sorry, wenn ich Sie gelangweilt haben sollte. Aber fein, dass Sie gut informiert sind. Vielleicht können Sie mir dann auch hinsichtlich der Machbarkeit von Speicherlösungen weiterhelfen. Sie dürfen meinethalben gerne zurücksülzen. Mit ein wenig Glück gelingt mir vielleicht auch noch später am Abend die inhaltliche Rezeption von mehr als 4096 Zeichen.

Wenn Sie dabei auch noch das von mir sträflichst vernachlässigte Thema Biomasse einbauen, wäre das sogar noch besser.

Dank des Hinweises auf die Nutzbarkeit von Suchmaschinen wie Google bin ich u.a. über diese Infos gestolpert, bei deren Interpretation jede Hilfe wollkommen ist:

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung beziffert Flächenbedarf für Biostromerzeugung gemäß den Ausbauzielen bis 2020 auf 1,3 Millionen Hektar:
http://www.bbsr.bund.de/nn_21832/BBSR/DE/FP/AO/Zukunftsplanung/BiomasseKula/Unterordner__Ergebnisse.html

Das Umweltbundesamt empfiehlt Verzicht auf Anbau-Biomasse:
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2012/pd12-039_biomasse_nachhaltig_bewirtschaften_oekologische_grenzen_der_flaechennutzung_einhalten.htm

Laut VDI wäre die Mitverbrennung von Biomasse in Kohlekraftwerken mit geringeren Vermeidungskosten verbunden als andere Nutzungsformen. Grundsätzliche Nachteile: Flächenbedarf, Notwendigkeit, bspw. Pellets zu importieren. U.v.a.m.
http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Biomasse-in-fossilen-Kraftwerken-treibt-Flaechenbedarf-nach-oben/61149/2

Und noch was aus der Tagespresse: Laut „Guardian“ sind sich in GB zur Abwechslung mal die Holzindustrie und grüne Gruppen einig:
http://www.guardian.co.uk/environment/2011/sep/11/biomass-schemes-boost-timber-imports

Keine Rose ohne Dornen :-)

RainerS said...

@14 #2 ghost,
„..aber es gibt noch keinen richtigen, hm, platt ausgedrückt, "Businessplan". Technisch ist das alles nämlich kein unlösbares Problem, nur ein finanzielles“
Drei Themen hier:

was genau ist technisch „alles“ lösbar?

Das Stromeinspeisungsgesetz als Vorläufer gibt’s seit 1991, das EEG m.W. seit 2000. Und immer noch kein Businessplan? Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

„...nur ein finanzielles“ Problem ist leicht untertrieben. Die Kosten für die deutsche Energiewende sind schon jetzt absehbar kritisch. Das ist nicht nur für sich ein Problem, sondern wird auch denjenigen auf die Füße fallen, die meinen mit unserem Ansatz dem Rest der Welt ein Vorbild geben zu können.

RainerS said...

@16 yeph,
m.E. wäre die Energiewende ohne Rücknahme der KKW-Laufzeitverlängerung weniger abenteuerlich, aber Kernkraft ist in D nunmal ein no-go. 30 Jahre Desinformation gehen am Michel nicht spurlos vorbei.

Die Merkel´sche Kehrtwende nach Fukushima kann ich mir nur als (gescheitertes) Manöver anlässlich der damals anstehenden Wahl in Ba-Wü erklären. Falls „Weitsicht“ dabei gewesen sein sollte, dann vielleicht im Hinblick auf eine Positionierung als lindgrüne CDU, ohne die im Bund keine Regierungsbildung möglich ist.

Aus meiner Warte haben Sie schon recht. Wenn uns der Klimawandel induzierte Weltuntergang bevorsteht, sollte man keine Option vom Tisch nehmen.

Allerdings sind die Investitionskosten für neue KKWs extrem hoch (und laufen auch gerne mal aus dem Ruder, s. Finnland). In Ländern ohne ideologische Scheuklappen und mit strategischer Energieplanung wird Kernkraft weiter eine Rolle spielen (China, Indien), ansonsten sehe ich Schiefergas als potenzielle „Brückentechnologie“ (USA). Da man hierzulande seine Weisheiten zum Fracking aus „Gasland“ bezieht, werden wir diese Option vermutlich auch auslassen.

Deutschland wird’s auf die harte Tour lernen müssen.

RainerS said...

@werner, ghost
Zwei Lessons Learned für mich:

- gelegentlich Schandmaul zügeln, Herr Krauss hat als Gastgeber mehr Respekt verdient :-)

- eine „gelingende Energiewende“ ist anscheinend für manche Diskussionsteilnehmer integraler Bestandteil des Klimanarrativs. Bei der Argumentation berücksichtigen, weil sonst Nebenkriegsschauplätze...

Werner Krauss said...

Sorry, haben eben meinen eigenen Beitrag gelöscht: als Administrator kann ich einen solchen polemischen Ton auf meinem Blog nicht dulden!

Hans von Storch said...

Mir scheint, RainerS und WernerK sind Bruder im Geiste, erziehen, aufklären, Unduldsamkeit - was heute geht, was heute gilt. Ich Kulturwissenschaftler, ich Ingenieur .... mein ist die Deutung. Andere Rhetorik, aber doch eben ähnlich.

Werner Krauss said...

Ja, so muß das sein, großer Meister Hans, wenn man von der Wolke der Erleuchtung aufs Fußvolk niederschaut - alles eitel und leer, alles gleich.

RainerS said...

@22 Lieber Herr Krauss,

das ist schade, eine gute Polemik wüßte ich schon zu würdigen. Vielleicht könnte ich mir da ja neue Tricks abschauen für zukünftige Kloppereien.

Ansonsten Danke für die verbale Abrüstung. Werde zukünftig versuchen artiger zu sein. Kein Versprechen, aber ein Vorsatz. Neujahr naht :-)

Freddy Schenk said...

@RainerS #20: "Deutschland wird’s auf die harte Tour lernen müssen."

Dank unseres FPD-Wirtschaftsministers Rösler bitte „Deutschland“ durch „Verbraucher“ ersetzen. Dadurch wird der ganze Energieumbau nicht nur teuer, sondern auch zunehmend unsozial. Dass dies die Akzeptanz nicht nur von grünen Energien, sondern ggf. generell dem Klimaschutzthema untergraben dürfte, kommt weiter dazu. Bisher ist die Zustimmung noch erstaunlich hoch trotz steigender Kosten (ab Dezember kommen weitere dazu).

(1) Die rapide zunehmende Zahl vom EEG befreiter Unternehmen wird auf den Verbraucher und nicht befreite kleine Betriebe umgelegt. Ein ALG-II Empfänger zahlt dabei absolut gesehen fast soviel für den Energieumbau wie Wohlhabende. Vermögende, z.B. Vermieter, können zusätzlich subventionierte Solarmodule installieren und in Kombination mit Wärmedämmung usw. anteilig auf den Mieter, z.B. wieder ALG-II Empfänger, umlegen. Zusätzlich kann man Vermögen lukrativ über Genussrechte usw. mit aktuell rund 8% Verzinsung pro Jahr in Wind und Solar anlegen. Diese Gewinne sind über EEG/Einspeisevergütung für 20 Jahre gesetzlich garantiert und steigen eher noch mit Abschreibung der Anlagen. Damit erfolgt letztlich eine Umverteilung von unten nach oben.

(2) Der Ausbau der offshore Windparks wird schon heute stark durch zusätzliche Steuern auf den Verbraucher umgelegt. Der Netzbetreiber (Tennet) haftet dank Industrieminister Rösler kaum noch, falls er das Netz nicht rechtzeitig ausgebaut bekommt – wovon auszugehen ist. Irrsinnigerweise können die Windparks auch installiert werden, obwohl das Netz nicht da sein wird, da sie entschädigt werden. Akteure sind hier Politik, Netzbetreiber und Windparkbetreiber. Der einzige, der keinen Einfluss hat, ist der Verbraucher. Er zahlt aber für alles, was hier (vorhersehbar) schief geht.

(3) Da zu wenig in die Erforschung von Speichertechniken investiert wurde, sollen nun Großkunden durch Runterfahren ihres Stromverbrauchs im Bedarfsfall das Netz stabilisieren. Allein für die potentielle Bereitschaft dazu, dürfen diese Unternehmen monatlich kassieren. Bei tatsächlichem Runterfahren fließt noch mehr Geld. Beides zahlt jeweils der Verbraucher.

Das einzige, was die schwarz-gelbe Politik hier bisher beisteuert, ist der Schutz der Industrie zu Lasten des Verbrauchers. Mir fehlen eine aktive Gestaltung und ein Konzept für einen erfolgreichen Umbau des Energiesystems. Ich befürchte, dass die Planungsunfähigkeit letztlich die Kosten explodieren lässt und nicht der eigentliche Energieumbau.

RainerS said...

@23 Lieber HvS,

das war jetzt aber beleidigend, und zwar für die Ingenieure, die wissen wenigstens in ihrem Feld Bescheid!

Ich bin keiner, sondern nur Physiker, also einer der Typen - sagte mein Doktorvater - die zwar nichts richtig, aber alles ein bisschen können. Ein schweres Los, verhindert es doch die schmerzlose Lektüre der Tageszeitung bei einer Vielzahl von Themen.

Bei Ihrer Einschätzung meiner Persönlichkeit haben Sie ca. 1,66 von 3 möglichen Punkten erzielt :-)

Aufklären, ja sicher! Ob es darum geht, Extrem-Skeptikern nahezubringen, dass CO2 & Co. tatsächlich infrarotaktiv sind oder "Rückstrahlung" nicht gegen irgendwelche Hauptsätze verstößt, mit Impfgegnern zu diskutieren, GMO-Kritiker zu ärgern oder der kettenrauchenden Kollegin zu erklären, dass Pestizid- Rückstände an der Knabbermöhre ihr geringstes Problem sind - jederzeit gerne und mit Freude.

Erziehen? Nö, zu anstrengend. Außerdem nur begrenzt möglich. Das lehren drei eigene Kinder und eine lange Reihe frische Mitarbeiter.

Unduldsam...yupp, bei intensiver recherchierten Themen. Meine Altagsaufgabe ist es, aus dem Techno-Babble von Ingenieuren und Entwicklern, den Luftschlössern der Marketingtruppe und dem "wir sind die Schönsten"-Geschmarre der Werber den Content zu distillieren. Deshalb: Bei - grob gesprochen - WG1-Themen halte ich meinen Mund, hier und anderswo, gerade weil ich einen naturwissenschaftlichen Hintergrund habe. Um mitzureden, wäre ein Entrosten des Methodenwissens und monatelange Lektüre des aktuellen Stands im jeweiligen Feld notwendig. Vielleicht nach der Verrentung (dauert noch) oder dem Lottogewinn.

Wenn es um Technologie oder wirtschaftliche Fragen geht, schon eher. Das macht der Job. Leider fehlen auf der Klimazwiebel Ingenieure und WiWis. Dann könnte es in manchem thread richtig rund gehen.

RainerS said...

@26 Lieber Freddy,

die "Energiewende" ist schon von ihrer Grundkonzeption her unsozial. Dafür kann unser adoptiertes Waisenkind herzlich wenig.

Wenn man die Wenderei ernst nimmt, ist sie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wäre also bspw. aus Steuermitteln zu finanzieren - und vielleicht auch als seperater Etatposten auszuweisen. Diese Art Transparenz will in der Politik wohl eher niemand. Das Wahlvolk könnte dann unruhig werden.

Kleiner "historischer" Ausflug: Die Kohl-Regierung hat auch einen beträchtlichen Teil der Kosten der deutschen Wiedervereinigung in die Sozialsysteme ausgelagert, um die Tragweite vor dem gemeinen Wessi-Wähler zu verstecken.

In der Tat fungieren die Fördermechanismen des EEG inklusive der aktuellen Sonderregelungen als eine Art regressive Steuer, die hauptsächlich untere Einkommensgruppen trifft. Wie die Strom- und die Mehrwertsteuer auf Strom obendrauf auch. Keine Frage.

Meiner Ansicht nach springen Sie aber trotzdem zu kurz und schlucken den Köder der Umverteiler.

Gesetzt den Fall, es gäbe keine Befreiung von Großkunden, gibt es folgende Möglichkeiten:

- wo der jeweilige Markt es hergibt, werden die Kostensteigerungen an den Kunden durchgereicht. Auch das trifft primär diejenigen, die einen Großteil ihres Einkommens für Konsumausgaben aufwenden müssen.

- lassen sich Kostensteigerungen nicht weitergeben, kommt es zu einer "Marktbereinigung", sprich kleinere Anbieter verschwinden und wir landen langfristig evtl. bei einem Oligopol mit allen potenziellen Nachteilen von Kartellbildung, Preisdruck auf Lieferanten etc.

- diejenigen Unternehmen, welche im internationalen Wettbewerb stehen (und das sind nicht nur Konzerne, sondern auch viele spezialisierte Mittelständler) haben einen zusätzlichen Kostennachteil ggü. Wettbewerben aus Drittländern. Konsequenz: mittelfristig gehen sie ein oder werden von größeren übernommen. Folgen sind u.a. Arbeitsplatz- und Know-how-Verlust sowie reduzierte Steuereinnahmen.

Die von Ihnen genannten Sonderbarkeiten - es gab ja heute einige davon, neben den üblichen Horrormeldungen vor jeder COP-Party wie der in Doha - sind eine "logische" Konsequenz des grundsätzlichen Subventionstatbestands EEG. Die Politik fummelt herum, es gibt Problem, die Löcher werden irgendwie provisorisch gestopft - bis das nächste Problem nicht mehr wegdiskutiert werden kann. Dann wird wieder improvisiert.

Wir haben hier ein EEG-systemimantes Problem. Wie schon ggü. Herrn Krauss formuliert: ich bin neugierig, welche Art Schuldzuweisungen es bei der nächsten Bundesregierung - ohne Rösler et al - im kommenden Winter geben wird.


Freddy Schenk said...

@ReinerS:

Stimme ihren Punkten allen zu, gar keine Frage. Ich bezog mich in meiner Schilderung nur auf die direkten Politikentscheidungen zu Lasten des Verbrauchers. Die von ihnen erwähnten indirekten Folgen für die Verbraucher wären natürlich eine mögliche Alternative.

Wie sie richtig sagen, müsste der Energieumbau durch Steuergelder, aber nicht durch den Verbraucher/Konsumenten finanziert werden. Dies würde zu einer gerechten Verteilung der Lasten führen - das will aber v.a. die FDP nicht. Der Verbraucher kann sich aber nicht gegenüber den Unternehmen wehren - das ist für Poltik und Industrie sehr bequem.

Man kann natürlich argumentieren, dass Energie teuer werden soll, damit Anreiz zum sparen besteht. Das Einsparpotential bei privaten Konsumenten ist aber v.a. bei Strom stark begrenzt - die 30% Einsparmöglichkeit unseres guten Umweltministers zur Senkung der steigenden Kosten sind praktisch völlig ausgeschlossen, wie zahlreiche Tests ergeben haben (realistisch sind einmalig max. 10%). Gerade Geringverdiener können sich Investitionen zum Energiesparen gar nicht leisten.

Anonymous said...

Hallo Herr Krauss,
Ihre Reaktion auf die Argumente von RainerS (#11,12) ist sehr bezeichnend.

Wenn ich dazu noch Ihre Aussage " Dazu kommt die Energielobby, die alles tut, um die Energiewende zu sabotieren bzw. deren Kosten auf die Bürger abzuwälzen." im Hinterkopf habe, dann muss ich Ihnen leider bewusste Falschaussage oder aber absolute Unkenntnis auf dem Gebiet der Energieversogung unterstellen.

Es ist nicht so, dass die 'böse' Energielobby versucht, die Energiewende zu sabotieren. Zu Ihrem Pech gibt es immer noch so etwas wie Technik. Und die Grenzen eben dieser Technik können auch Sie nicht mit Lobbyvorwürfen wegreden.

Selbst der VKU ist mittlerweile an der 'Kotzgrenze', wie vom Hauptgeschäftsführer H.-J. Reck auf welt.de bestättigt wird (http://tinyurl.com/cqkeqj8).

Sehr erhellend ist auch folgendes: http://tinyurl.com/bwp4sst

Vieleicht sollten Sie auch einfach mal Ihren Elfenbeinturm verlassen. Dann würden Sie bemerken, das wir uns, die wir ja Ihren Worten nach alle Energielobbyisten sind, tagtäglich den Arsch aufreisen, damit in diesem Land nicht das Licht ausgeht!

PS: Ja, ich arbeite bei einem großen Energieversorger und ich bin sogar noch Stolz darauf. Auch wenn Sie das wahrscheinlich nicht verstehen können, oder wollen.
Leider...

Michael M.

wflamme said...

"Da wäre es doch langsam mal an der Zeit, sich mal mit den wirklichen Gegnern der Energiewende zu beschäftigen."

Die da heißen: Ökonomie und Physik. Endlich spricht denen mal einer den Platzverweis aus.

RainerS said...

@29 Freddy,

Anscheinend will sich die EU-Kommission die Sache mal anschauen:
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wirtschaft/article111691087/EU-prueft-Oekostrom-Foerderung.html

Wobei zu befürchten ist, dass man sich dort zuerst um das Thema „Befreiung“ kümmert und dann vor dem ursächlichen Problem kapituliert.

Um ein Gefühl für die Zusammensetzung der aktuellen Strompreiserhöhung zu bekommen, hier ein paar Zahlen (alles pro kWh):

-EEG-Umlage +1,7 ct
-Netzumlage +0,5 ct
-Befreiung von Großverbrauchern +0,2 ct
-KWK-Umlage +0,13 ct
-Haftungsausschluss-Umlage für Offshore-Windkraft +0,25 ct
Zusammen (netto) +2,78 ct

Das sind + 3,31 ct (brutto)

Bisheriger Brutto-Strompreis im Durchschnitt: 26,4 ct. Also führen die direkt und indirekt dem EEG zuzuschreibenden Kostensteigerungen in der Tat zu einer Erhöhung von rund 12 Prozent.

Wenn die Zahlen stimmen, liegt u.a. der Bund der Energieverbraucher mit seinen Aussagen falsch...

(Warnhinweis: die Daten habe ich nicht selbst zusammengestellt, sondern auf
irgendeinem Tageszeitungs-Forum von jemandem abgeschrieben, der einen kompetenten Eindruck machte.)

Und noch eine lokale Anekdote: Kostentreiber für den Endverbraucher kommen manchmal aus zunächst unvermuteter Richtung:

Wir haben hier ein Heizkraftwerk, das also sowohl Strom als auch Fernwärme liefert. An sich eine feine Sache. Da es sich aber um ein vornehmlich mit Gas gefahrenes (und damit schnell regelbares) Kraftwerk handelt, muss es zum Ausgleich volatiler EE-Einspeisung immer mal wieder mit Teillast laufen. Blöd dabei: Strom- und Fernwärmeerzeugung sind direkt gekoppelt. Weniger Stromproduktion = weniger Fernwärme.
Deshalb soll jetzt ein Wärmespeicher errichtet werden. Der wird nicht nur teuer – was sich auf unsere Heizkostenabrechnung auswirken wird – er wäre auch noch im Vergleich zum Stadtbild ziemlich hoch. Und was passiert? Es treten Wutbürger auf den Plan...wäre interessant herauszufinden, wie viele von denen die „Erneuerbaren“ ganz toll finden. Herr, wirf MINT vom Himmel.

RainerS said...

@wflamme,

das erinnert an die vier Hauptfeinde der DDR-Landwirtschaft: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Freddy Schenk said...

Die Zahlen erscheinen realistisch. Das Problem an den Zahlen ist, dass deren Anstieg praktisch sicher ist und damit eine steigende unsoziale Belastung der Verbraucher. Hier ist es nochmal ganz gut zusammengefasst mit Hinweis, dass Kohle und Atom nicht über den Verbraucher subventioniert wurden:

Energiekostensteigerungen

RainerS said...

@34 Freddy,

interessante Entwickung...habe irgendwo gelesen, dass die direkte EEG-Umlage 2014 etwas geringer ausfallen könnte. Aber wie im Artikel beschrieben, gibt es offensichtlich noch andere absehbare Folgekosten. Meine Güte, das Monitoring artet in Arbeit aus...

Für ein SPON-Forum außergewöhnlich, zeugen immerhin einige Kommentare von einem gewissen Aufwachen - und Hintergrundwissen. Die Verschwörungstheoretiker haben noch nicht das Übergewicht.

RainerS said...

@30, Michael M.

ich kann Ihre Frustration gut verstehen. Energiewirtschaft und Industrie liefern die Basis für den Zauberberg, auf dem hier und anderswo so manche herumhocken. Und dann darf man sich noch anp....n lassen.

Ihnen und den Kollegen drücke ich alle verfügbaren Daumen für die nächsten 3 Monate - das kriegt Ihr hin! Ich werde eine LED-Kerze ins Fenster stellen :-)

Für die Philosophen unter uns: in den späten 70ern/ frühen 80ern (ohje, mein Gedächtnis...) schrieb Peter Sloterdijk in einem Buch u.a. auch über die "Helden des Alltags".

Das sind nämlich die Leute, die den Laden hier am Laufen halten, und nicht etwa diejenigen, welche davon zwar profitieren, aber über den Plebs heimlich oder offen die Nase rümpfen und im mangelndes irgendwas-Bewusstein attestieren.

Anonymous said...

@13 "Feminisierung" - kann mir das jemand erklären?