Saturday, December 3, 2011

Im Namen des Volkes ... (II)

Eine Kollegin schreibt mir „ganz egal wie es um die Details der Diskussion um Rahmstorf steht: ich finde es erschreckend, auf welchem Niveau die Diskussion angekommen ist. Und dazu gehört auch, dass das Urteil gegen R auf der Klimazwiebel steht. Mich würde sehr interessieren, was Du dazu meinst.

Vielleicht sollte ich dazu hier auf der Klimazwiebel antworten.



Der Prozeß zur Klärung der Vorwürfe zwischen Rahmstorf und Meichsner scheint mir in der Tat Ausdruck einer unerfreulichen Atmosphäre zu sein; wenn ich in den vergangenen Jahren mit Journalisten sprach und dabei auf das Thema „Rahmstorf“ kam, konnte immer wieder die Verärgerung bemerken, wie SR etwa über die Chefredaktionen versucht hat, einzelne Journalisten zu maßregeln. Das kam nicht gut an, war mein Eindruck. Insofern war ich nicht verwundert, dass es dann irgendwann knallte. Ich denke, der Sache nach zurecht – denn die Unabhängigkeit der Medien ist zumindest mir ein hohes Gut. Journalisten sind nicht unsere Sekretäre, die aufschreiben sollen, was wir verkünden wollen, sondern erfüllen die wichtige Funktion, Sachverhalte in den Kontext zu stellen, in seiner kulturellen Konditionierung zu begreifen, im Spannungsfeld von Ansprüchen. Oder in anderen Worten: Ihre Wahrnehmung des Themas zu Papier zu bringen, nicht meine. Also einen Mehrwert zu erzeugen über die „Information“ von Tatsachen hinaus, seien die nur behauptet oder nahe dem, was manche „Fakten“ nennen.

Frau Meichsner hat in ihrem Beitrag ein paar Dinge ausgedrückt, die Herr Rahmstorf nicht mochte, und er scheint auf seine Art losmarschiert zu sein, wie es im Urteil heisst: „polemisch im erheblichen Maße überspitzt“ (S. 8. unten). Dabei wurde er im Detail ungenau; zwei Aussagen wurden ihm vom Gericht als „unwahr“ angekreidet. Das kann im Eifer des Gefechts mal passieren, o.k., aber eine Unterlassungserklärung lehnte er ab (Urteil, S. 5 oben). Das Gericht erkannte auf Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Journalistin in zwei Punkten, während ein Punkt eine zulässige Meinungsäusserung darstelle, wenngleich diese als „polemisch im erheblichen Maße überspitzt“ charakterisiert wurde.

In den Details ist das Ganze belanglos. Es ist aber ein Ausdruck einer unerfreulichen Atmosphäre, wie meine Kollegin zurecht beklagt. Warum diese öffentlich machen, warum das Urteil öffentlich machen? Erstens, weil die Öffentlichkeit wissen sollte, wie tief einzelne Wissenschaftler in das politische Tagesgeschäft eingesunken sind, dass Wissenschaftler nicht nur Anspruch auf Anerkennung für das neu erzeugte Wissen haben, dass einige auch beanspruchen, wie dies politisch zu verstehen sei.

Zweitens: nachdem die Story in WPK erzählt worden ist – mehrere Monate nach dem Urteil - , war für mich klar, dass die Entscheidung des Kölner Landgerichts unter Journalisten bekannt war. Die „Story“ würde also in jedem Falle bald herauskommen, spätestens aus Anlaß von „Durban“. Ohne Kenntnis des Urteils selbst war von einer erheblichen Mythenbildung auszugehen. Daher habe ich das Urteil, dass mir von einem Journalisten zugespielt wurde, öffentlich gemacht. Damit wir wissen, wovon wir reden. Vorher habe ich mich versichert, dass das Urteil rechtskräftig ist, und dass derartige Urteile nicht vertraulich sind.

Es geht übrigens bei dem Urteil nicht nur um Stefan Rahmstorf und um Irene Meichsner, sondern auch um die Frankfurter Rundschau. Es macht klar, dass Journalisten ebensowenig wie Wissenschaftler generell Heilige sind. Aber das wussten wir schon vorher.

102 comments:

Anonymous said...

Das gestörte Verhälntnis Rahmstorfs zu manchen Medien ist sicherlich ein Thema, ein bekanntes.

Ein neues Thema ist allerdings das gestörte Verhältnis von Klimawissenschaftlern untereinander. Oder zeugt es von einer üblichen Atmosphäre, dass der eine Gerichtsurteile über einen anderen verbreitet?

Ich schließe mich daher den Bedenken der Kollegin an. Es hinterlässt einen unappetitlichen Nchgeschmack.

Andreas

Hans von Storch said...

Andreas,
nein, die Atmosphäre ist beileibe nicht "normal" - aber ich betone, dass ich nicht ein Urteil eines Streitfalles zwischen einem Klimawissenschaftler und seinem Nachbarn wegen privater Auseinandersetzungen, etwa zur Höhe der Hecke zwischen den Grundstücken, öffentlich mache, sondern zu einer Frage, die die Klimawissenschaft durchaus als Ganzes angeht.

Übrigens, Frau Meichsner ist beschädigt worden, hat das Gericht festgestellt. Eine konkrete Person.

Anonymous said...

Ja, sicherlich, aber ich finde es daher eben normal, z.B. im SPIEGEL darüber zu lesen. Hier darüber zu lesen, ist auch noch ok, aber wenn im SPIEGEL oder in Skeptikerblogs als Quelle zum Urteil im Wortlaut zur Klimazwiebel verlinkt wird, dann fühle ich mich unwohl.

Die Streit ging um das Verhältnis Rahmstorfs zu manchen Medien bzw. Medienvertretern. Sie schreiben, Sie hätten das Urteil von einem Journalisten bekommen. Es war also schon da, wo es hingehört, warum sich als Wissenschaftler und Kollege da noch involvieren und selbst mitstreitende Partei werden?
Wenn dem Journalisten an Verbreitung gelegen war, sollte er auch in der Lage sein, andere Abnehmer zu finden, z.B. den SPIEGEL.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas

Reiner Grundmann said...

Jemand, der sich besonders weit hinauswagt mit seinem Deutungsanspruch wie es bei SR der Fall ist, muss damit rechnen, dass ihm besondere Aufmerksamkeit zuteil wird.

Deshalb kann ich die Aufregung nicht verstehen. Wo, wenn nicht auf der Klimazwiebel, sollen denn solche Debatten gefuehrt werden? Und was meint die Kollegin mit 'welchem Niveau'? Der Blog von HvS hatte keinerlei Haeme, er wies auf Dinge hin, die im Zentrum der Klimazwiebel liegen, naemlich die offene oder verdeckte Parteinahme unter dem Deckmantel der Autoritaet und Neutralitaet der Wissenschaft. Im vorliegenden Fall geht es um den Einsatz unlauterer Mittel bei der Parteinahme, wie gerichtlich festgestellt wurde.

Aus den Reaktionen von Andreas und HvS's Kollegin kann ich nur schliessen, dass sie die Info nicht auf einem Blog kommentiert haetten (oeffentlich war die Geschichte ja bereits).

Anonymous said...

@ Hans von Storch

Die Publikation des Urteils auf der Klimazwiebel bedarf keiner Rechtfertigung. Ich kann Sie dazu nur ausdrücklich beglückwünschen, zumal die Klimazwiebel in zahlreichen Beiträgen den Verflechtungen von Wissenschaft, Medien und Politik nachgeht und die Bedingungen von Öffentlichkeitsarbeit und öffentlicher Wirkung im naturwissenschaftlichen Kontext untersucht.

Anders wäre die Sache nur dann zu beurteilen, wenn auf diesem Blog allein Themen der Klimaphysik zur Sprache gelangten.

Bleiben Sie mutig und unbeeindruckt von Störrufen in der zunehmend hysterischen Debatte (ein Hinweis auf eine baldige Katharsis und Heilung?).

Die Betrachtungen von Hippokrates zur Hysterie will ich hier besser weglassen und stattdessen Freud und Breuer zitieren, die "als typische Prädiktoren für die hysterische Entwicklung geistig leistungsfähige junge Menschen" sahen, "die in einem anregungs- und bildungsarmen Familienklima aufwachsen und die einen Hang zur Tagträumerei aufweisen."

PB

OBothe said...

Das Problem der Behandlung hier - in Form des Posts Im Namen des Volkes - und auch bei Roger Pielke Jr ist, dass beide Beiträge von Personen kommen, von denen bekannt ist - RPJr - oder von denen man den Eindruck gewinnen konnte - HvS -, dass sie ein besonders angespanntes Verhältnis mit SR haben und wo nicht zwangsläufig deutlich wird, inwiefern sich dies aus fachlichen Argumenten, aus wissenschaftlichen Auseinandersetzungen nährt oder doch eher auf persönlichen Animositäten fusst. Vielleicht ist dies auch der Grund für die Lautmeldung der Kollegin.

Andererseits mag es sein, dass sie sich vor allem dagegen wendet, dass das Urteil zum Download hier verlinkt ist und dass es - soweit ich das verstehe - zuvor noch nicht frei verfügbar war, sondern erst hier gemacht wurde. Und das muss man sicherlich nicht zwangsläufig gut heißen, oder?

Sven Türpe said...

Ein Urteil ist doch kein Stigma. Ein rechtskräftiges Urteil ist das Ergebnis eines formalen Klärungsprozesses durch die hierfür vorgesehenen staatlichen Institutionen. Gesprochen werden Urteile im Namen des Volkes. Warum sollte man dieses Urteil also nicht hier veröffentlichen und diskutieren? Mag sein, dass das Thema ein wenig nach Klatschpresse riecht -- aber das Verhältnis zwischen der Klimaforschung und dem Rest der Gesellschaft ist das gerade Thema dieses Blogs.

Neven said...

Journalisten sind nicht unsere Sekretäre, die aufschreiben sollen, was wir verkünden wollen,

Aber die sollen auch nicht kritiklos aufschreiben was CFACT verkünden will, oder? Das ist scheinbar genau was die Meichsner getan hat.

Günter Heß said...

Andreas,
die Internetforen sind ja Bestandteil der politischen Debatte und weniger der Klimawissenschaft. Insofern ist doch das Urteil sehr lehrreich. Man sieht deutlich, wo ein unabhängiger Schiedsrichter die Grenze zieht. Nämlich ein deutsches Gericht. Man kann durch den Artikel und das Urteil aber lernen wohin „gute Absichten“ gepaart mit dem nötigen Schuß Sendungsbewußtsein und vielleicht auch ein bisschen fehlende Selbstkritik führen können. Zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Gut dass wir unabhängige Gerichte haben. Mit dem Gerichtsurteil ist die Sache dann auch erledigt. Insofern hat SR von einem deutschen Gericht eine wertvolle Rückmeldung. Wir können gespannt sein, wie lernfähig er ist.
Grüße
Günter

Anonymous said...

Hallo Günter,

ich vergaß zu betonen, dass ich das Urteil ausdrücklich begrüße und der Schuss vor den Bug sicherlich eine gute Lehre ist.

Aber wenn ich diese Wertung ausspreche, dann möchte ich auch klarstellen, dass Frau Meichsner eine deutliche Kritik verdient hat, sie hat schlecht recherchiert und später widerlegte Vorwürfe übernommen. (Der Artikel steht noch beim Kölner Stadtanzeiger, man überzeuge sich selbst.)

Mein Punkt oben war ein ganz anderer: Würdest du ein Gerichtsurteil gegen einen Kollegen veröffentlichen?


Das Urteil selbst ist übrigens nicht ganz so eindeutig, wie man vielleicht meint:

Klagepunkt a)
Frau Meichsner habe den IPCC-Bericht gar nicht gelesen.
Urteil: Zulässige Meinungsäußerung, Passagen im Artikel sprechen dafür.

Klagepunkt b)
Frau Meichsner habe bei North und Leake abgeschrieben.

Urteil: Nicht zulässige Meinungsäußerung, da das Gericht "abschreiben" als wörtliches Übernehmen ohne eigene Denkleistung interpretiert hat. Sachlich ist dagegen die Kritik schon richtig, hätte Rahmstorf statt abgeschrieben z.b. "Vorwürfe unkritisch übernommen" formuliert, wäre die Basis des Urteils entfallen.

Klagepunkt c) habe ich nicht ganz durchschaut, mir erscheint, dass da die Frankfurter Rundschau sehr unglücklich agiert hat.


Wie gesagt, es ist gut, dass das Gericht Grenzen gezogen hat, ab wo bei Kritik Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Ob Frau Meichsner allerdings glücklich damit ist, wie ihr Artikel dabei wegkommt, weiß ich nicht. Ich wär's nicht.

Andreas

Günter Heß said...

Andreas,
Du fragst:
"Mein Punkt oben war ein ganz anderer: Würdest du ein Gerichtsurteil gegen einen Kollegen veröffentlichen?"

Nein. Aber da es in diesem Fall eine interessante Diskussion ist und der genaue Text besser ist, als irgendwelche Gerüchte oder 2. Hand Informationen hätte ich ihn vielleicht gefragt, ob ich es veröffentlichen darf.Vermutlich hätte er zugestimmt, da es eh öffentlich ist. Denn die Alternative wäre ja gewesen nur den Zeitungsartikel zu diskutieren. So gesehen trägt die zusätzliche Veröffentlichung des Gerichtsurteils doch zur Aufklärung bei.
Sind eigentlich HvS und SR Kollegen? Meines Erachtens eher nicht.
Grüße
Günter

Georg Hoffmann said...

Darf man darueber hier auf einem Blog schreiben? Ich finde schon.

Hat Klimazwiebel mehr oder minder "seine Linien" geschlossen? Wahrscheinlich schon. Denn wenn es um Gerichtsurteile geht, da gab es doch schon sehr viele und auch sehr huebsche und interessante Beispiele, die offensichtlich allesamt hier nicht erwaehnt wurden.
Michael Mann wird ja seit geraumerZeit vom zustaendigen Staatsanwalt Cuccinelli verfolgt. Der Fall ist politisch und fuer die Person Mann sicher einige Groessenordnungen bedeutender (mein Eindruck, schliesslich geht es um Strafrecht).

Zum Fall selbst. Meichsner sagt einen Haufen boese Sachen ueber die Arbeit anderer und die anderen (zumindest einer) sagt ein paar boese Sachen ueber ihre. Wo ist das Problem? Was hat Pressefreiheit damit zu tun, dass der eine oder andere ihre Arbeit fuer sauschlecht haelt? Genauso soll es ja die Freiheit der Wissenschaft geben. Das haelt ja wohl niemanden davon ab, sich das Recht zu nehmen die Arbeit von Stefan Rahmstorf oder Hans von Storch fuer einen Schmarren zu halten. Frage ist eben, wie gut man dass dann jeweils belegen kann.

Von daher finde ich die Reaktion Meichsners aeusserst memmenhaft. Wenn sie findet, dass Rahmstorf sie falsch darstellt, soll sie halt zeigen, dass Sie es besser weiss. Das positive Resultat eines solchen Schlagabtauschs kann sehr wohl sein, dass nachher das Eine oder Andere klarer geworden ist. Sich nen Rechtsanwalt zu besorgen und losweinen und am Ende noch auf ein Drittel der Kosten sitzenbleiben, foerdert weder den Erkenntnisprozess, noch fuellt es ihren Geldbeutel. Am duseligsten finde ich ihr Gehube, dass sie jetzt nicht mehr zum Klima schreiben will (schluchz, Hand an die Stirn). Entweder sie ist einem Thema gewachsen und hat gut recherchiert oder sie sollte sich einen anderen Beruf suchen. An Gelegenheit etwas zur Sache zu sagen und es zu veroeffentlichen, sollte es ja einem Journalisten nicht mangeln. Ich wuesste jetzt zumindest nicht, wie ich mal eben meine Meinung in der FR unterbringen sollte.

Abschliessend noch zur "Sache". Hat sich das jetzt mit den Zahlen eigentlich geklaert? In der PIK Gegendarstellung sieht es ja eher so aus, als haette sich der Lehmkuhl mit den Zahlen verhauen. Zumindestens ist das ja eine Frage, die wir hier mal abschliessend klaeren koennen.


Bleibt abschliessend noch die Frage

Hans von Storch said...

Georg, war das am Schluss unvollständig oder nur ein Überbleibsel von cut-and-paste?

Zahlen von Lehmkuhl - erkläre mal, ich kenne die Frage nicht.

Werner Krauss weist gerne auf die maskuline Dimension der Diskussion und der Auseinandersetzungen im Klimageschäfts hin. Dein Kommentar belegt das recht nett, "memmenhaft", "Gehube". Hast Du, und wir, nicht nötig, Georg.

Hans

Hans von Storch said...

Wenn ich mir die verschiedenen Wortmeldungen ansehe, finde ich, dass die Verfügbarkeit des Urteils im Wortlaut durchaus zu einer Versachlichung der Diskussion geführt hat. Es ist weniger spekuliert worden, weniger unterstellt, weniger zurecht interpretiert worden, weniger durch die spezifischen Linsen der diversen Lager analysiert worden, sondern der unabhängig festgestellte Sachverhalt erörtert worden. Das begrüsse ich: Wir haben uns besser auseinandergesetzt über ein strittiges Thema.

Anonymous said...

Damit sich jeder ein Bild über die journalistischen Fähigkeiten von Frau Meichsner machen kann, es gab noch einen weiteren Klimartikel von ihr:

http://www.ksta.de/html/artikel/1264185766454.shtml

oder

http://www.ksta.de/html/artikel/1256137110676.shtml
(Ein "Highlight": Der Verdacht, dass an der CRU Daten auch zugesetzt wurde, um sie „passend“ zu machen, ist indessen kaum von der Hand zu weisen.
Ui, kann man Meichsner für diese üble Nachrede verklagen?

und der "Zankapfel":
http://www.ksta.de/html/artikel/1264185820994.shtml


Es gibt einen roten Faden:
In jedem Beiträge finden sich Verdächtigungen gegen Wissenschaftler und IPCC, die sich nach heutigem Wissen als fehlerhaft entpuppten. Darf ich diese Arbeiten daher als journalistisch mangelhaft bezeichnen, oder fügt dies dem bedauernswerten Opfer weiteren Unbill zu?

PS:
Ein interessanter Nebenaspekt aus dem zweiten Artikel von Meichsner.
Sie deutet im Zusammenhang mit Pachauri zwielichtige Geldflüsse an. Ein Vorwurf, gegen den sich Pachauri gerichtlich gegen den Telegraph zur Wehr setzte und gewann. Wie viele Wissenschaftler und Institutionen hat Meichner zu Unrecht verdächtigt? Ist sie Opfer oder Täter? Aus meiner Sicht ist es nachvollziehbar, dass sie beschlossen hat, nicht mehr zum klimawandel zu schreiben. Ein Gewinn, fraglos.

Andreas

Werner Krauss said...

@Georg #12

Rahmstorf ist Professor am PIK und Meichsner freie Journalistin - Rufmord wirkt sich hier u.U. finanziell unterschiedlich aus.

Und auch die Waffen sind nicht ganz gleich: Rahmstorf schafft es nicht nur, in den Medien sich zu Wort zu melden, sondern er verfügt offensichtlich auch über die Macht, anderen das Wort in den Medien zumindest nachträglich zu verbieten - auf seine Intervention hat die FR ihren Artikel wieder rausgenommen etc. (Unsereins schreibt halt einen Leserbrief, wenn er was falsch findet.) Da sie nun nicht die Macht, bei der FR zu intervenieren, ruft sie eben das Gesetz an.

Sich auseinadersetzen um das bessere Argument oder wer inhaltlich recht hat, ist eine Sache - wer welche Mittel zur Verfügung hat, eine andere.

So richtig "herrschaftsfreie Kommunikation" ist das alles nicht.

Anonymous said...

@ Werner Krauss

Ist Rufmord nicht etwas überzogen, wo es doch nur um die Interpretation des Wortes "abgeschrieben" ging?

Und wie beurteilen Sie die ungerechtfertigten und widerlegten Vorwürfe Meichsners gegen Pachauri, CRU, Phil Jones?

Der Ruf eines Journalisten gründet nicht auf dem Blogurteil eines Wissenschaftlers, sondern auf der Qualität seiner Arbeit. Ich hatte zwei neue Beispiele Meichsners in #15 verlinkt. Unter diesem Aspekt hielt ich Rufselbstmord für treffender.

Andreas

Werner Krauss said...

@ Andreas #17

Sie vergessen immer die FR, Andreas! Die steht im Zentrum, das ist einerseits Öffentlichkeit, veröffentlichte Meinung, und andererseits Einkommensquelle für Journalisten. Mal umgekehrt, nur so zum Spaß: eine Journalistin ruft bei Nature an, weil Rahmstorf (rein theoretisch) dort mal wieder Mist über die Medien geschrieben hat, und dann nimmt der editor von Nature eben den Artikel wieder raus. Toll, oder? Hinterher sagen, hat er doch verdient, hat doch wieder Mist geschrieben - hm, wäre ein bißchen zynisch, oder.
Oder ist der Vergleich falsch?

Anonymous said...

@ Werner Krauss

Und wenn sich die "Macht" Rahmstorfs auf die Macht der Argumente gründete?

Ich habe oben drei Beispiele Meichsners verlinkt, die sie anscheinend im Einfluss einer unreflektierten Internetrecherche im Zuge von "climategate1" verfasst hat. Keiner hält den späteren Überprüfungen stand.
Warum können Sie sich nicht durchringen anzuerkennen, dass es aus heutiger Sicht ein Gewinn war, dass diese falschen Verdächtigungen Meichsners zurückgezogen wurden? Warum fällt es so schwer zuzugeben, dass Rahmstorf inhaltlich einfach recht hatte und dass das Entfernen ein Gewinn für die Öffentlichkeit war (dass seine Reaktion vom Ton überzogen war, hatten wir ja schon).

Oh Mann, langsam klinge ich hier schon, als wollte ich Rahmstorf verteidigen. Aber ich verzweifle langsam an der stereotypen Kategorisierung Meichsner-Opfer-gut / Rahmstorf-Täter-böse

Andreas

Anonymous said...

@ Werner Krauss (#18)

Den Vergleich verstehe ich nicht. Wenn ein Journalist herausfindet, dass ein Paper von mangelhafter Qualität ist und Recht hat, dann würde ich mich doch geradezu freuen, dass das Paper entfernt wird. Wo soll ihr Punkt sein?

Soll ich jetzt noch mit Guttenberg Mitleid haben, weil er durch die Macht der Blogosphäre mundtot gemacht wurde??

Es dreht sich doch um "Machtmissbrauch" vs. "Qualitätsmängel".
Ich wünschte mir, Sie gäben eine Rückmeldung, wie Sie die Qualität der drei Artikel von Meichsner beurteilen, die ich oben verlinkt hatte. Da liegt die Antwort.

Andreas

Hans von Storch said...

Ich denke, es geht nicht um zu Zuordnung der Begriffe "gut/böse", bzw "Opfer/Täter" zu "Rahmstorf/Meichsner"; es geht darum, wie wir dem Umgang von Wissenschaft/lern und Öffentlichkeit/Medien sehen. Mich interessiert der soziale Prozeß, der möglicherweise sehr viel damit zu tun hat, in welcher Rolle Wissenschaft wie nachhaltig (nicht: wie erfolgreich) auf Politik wirkt.

Sind Wissenschaftler, zudem solche, die sich stark und pointiert / "überspitzt" in der politischen Debatte engagieren, geeignet als "Richter" (Feststeller von Wahrheit) für Medienberichterstattung?

Einschränkung der Medien auf das, was machtvolle sozialen Gruppen oft aus sehr guten Gründen für richtig halten - ist das eine gute Idee? Sehen wir nicht diese Idee - auf die Spitze getrieben - gerade in Russland und in Ungarn? (Man wird auch dort "sehr gute Gründe" geltend machen.)

Wenn Frau Meichsner unzureichend recherchiert haben sollte - man müsste noch mal den Kontext herausarbeiten, in dem all dies geschah - wäre es besser für "uns", wenn Sie zukünftig über Gartenthemen schreiben würde? Oder ist es so, dass wir die widerborstigen Meichsners brauchen für eine freie Debatte?

Günter Heß said...

Andreas,
Frau Meichsners Artikel die Du verlinkst, sind nicht schlechter als was man sonst so liest, wenn über den Klimawandel berichtet, Eisbären, Himalaya-Gletscher etc, wird, egal von welcher Seite.
Jeder Bürger hat das Recht auch auf schlechte Artikel. Das gehört zur Pressefreiheit nunmal dazu.
Wissenschaftler quasi als "Sittenwächter" für die Presse finde ich albern und notorisch. Die sollen lieber auf die Qualität ihrer Artikel und Bücher und ihrer Studenten wachen.
Grüße
Günter

Günter Heß said...

@Hans von Storch

Wir brauchen die Widerborstigen, die Unbequemen, die Überspitzenden,
auf Englisch sagt man "pain in the ass", die dann auch manchmal irren, aber uns alle zum Nachdenken anregen.

Mit freundlichen Grüßen
Günter Heß

Hans von Storch said...

Demnach brauchen wir Rahmstorf UND Meichsner, aber möglichst so, dass man trotzdem noch miteinander umgehen kann. Insofern war das Urteil nützlich, als das was geklärt wurde, was den Umgang angeht. Nicht die Inhalte.

Anonymous said...

Andreas, Sie schreiben:

"[Meichsner] deutet im Zusammenhang mit Pachauri zwielichtige Geldflüsse an. Ein Vorwurf, gegen den sich Pachauri gerichtlich gegen den Telegraph zur Wehr setzte und gewann."

Gab es eine Gerichtsverhandlung? Ansonsten fällt mir noch auf, dass North behauptet:

"But the crucial thing is that the paper [The Sunday Telegraph] has not apologised for accusing Pachauri of making millions of dollars. That accusation stands uncorrected."

Zumindest Pachauris Anwälte und das "limited-review" (es war kein Audit, wie z.B. der Guardian behauptet (vgl. z.B. hier)) durch die KPMG (vgl. bspw. wieder hier) haben auch viel Geld gekostet.

Andreas, weiter fragen Sie:

"Ui, kann man Meichsner für diese üble Nachrede verklagen?"

Wohl kaum. Meichsners Artikel (siehe bei Ihnen, Andreas, weiter oben) stammt offenbar vom 4. Dez. 2009; die BBC hatte schon am 3. Dez. John Graham-Cumming in ihrer "Newsnight" zu "Harry" interviewt (Meichsner schreibt: "[...] kaum von der Hand zu weisen. Eine Fundgrube dafür ist die [..] Datei 'Harry_Read_Me'"). Soweit ich mich erinnere, ist dieser Code, der mit "Harry" verbunden ist, angeblich nie verwendet worden -- wie es bald darauf hieß --, aber wie können wir uns unter diesen Umständen sicher oder sicherer als vor zwei Jahren sein (vgl. z.B. hier (Kommentar: Nov 24, 2011 at 9:13 PM))?

namenlos

U. Langer said...

Hallo Andreas,

vielen Dank, dass Sie die Artikel von Frau Meichsner verlinkt haben. Da kann sich jeder ein Bild machen, wie genau diese Journalistin recherchiert. Beim betreffenden Artikel zu Afrika hat sie das erstaunlich gut gemacht – s.u. (schließlich ist sie „nur“ Journalistin und keine Klimawissenschaftlerin). Da würde ich mir wünschen, dass dies in den Medien öfter passiert. Dass Sie (und auch z.B. Prof. Rahmstorf) dies kritisch sehen, ist erst einmal ihr Ding. Entscheidend ist dann aber, wie miteinander umgegangen wird. Wenn dann Prof. Rahmstorf so vorgeht, dass der Artikel zurückgezogen wird (es werden also nicht die Aussagen diskutiert sonder es wird zensiert!) und die Auseinandersetzung dazu führt, dass Frau Meichsner nicht mehr zum Klima schreiben will, dann läuft etwas völlig schief (egal ob mit Gerichtsbeschluss oder ohne). Prof. v. Storch sagte zu Recht fett hervorgehoben: „Demnach brauchen wir Rahmstorf UND Meichsner“. Dass in den Medien kritisch hinterfragt wird – auch auf die Gefahr hin, Fehler zu machen – versucht Prof. Rahmstorf mit seiner Reaktion – bewusst oder unbewusst – zu verhindern. Das ist das Problem!(Der "Skandal" ist dabei m.E. nicht das Verhalten von Prof. Rahmstorf sondern das der Redaktion der FR!)

Nun noch kurz zum Streit über Afrika. Es werden zwei Aussagen der Zusammenfassung des IPCC von Frau Meichsner kritisiert. Zum einen ist es die Aussage, dass zwischen 75 und 250 Millionen Menschen einer erhöhten Wasserknappheit ausgesetzt sein werden. Diese Problematik wird in der Arbeit von N. Arnell thematisiert. Dort findet man aber m.E. nach nichts, was obige Zusammenfassung rechtfertigt! Die zweite Aussage, dass bis 2020 in einigen Ländern die Ernteerträge bis zu 50 Prozent sinken könnten, wird durch die Quelle (Agoumi) auch nicht gedeckt! In der Quelle wird nur von bisherigen Ernteausfällen berichtet und ausschließlich für Marokko Ernteausfälle bis 50% genannt. Insofern ist die Kritik von Frau Meichsner am IPCC-Bericht durchaus zutreffend!

MFG

Anonymous said...

@ Werner Krauss

Im Grunde ist mehr Rahmstorf relativ gleich, mich interessiert mehr, warum die Weltklimaverhandlungen seit Jahren stocken.

Und da finde ich diesen Beitrag des Journalisten Keith Kloor viel interessanter, in welchem er von "mundtot" gemachten Politikern in den USA berichtet:
http://www.collide-a-scape.com/2011/12/05/republican-dissension-on-climate-change/
Wenn wir das Augenmerk darauf lenken, warum sich diese Leute ducken und schweigen, dann nähern wir uns eher dem Kernproblem. Das könnte doch auch einmal einen Beitrag wert sein, oder?

Andreas

Anonymous said...

@ U. Langer

Eigentlich hatten wir das alles weiter oben so. Auch Sie gehen von einer Zensur auf Druck Rahmstorfs aus, auch Sie betrachten nicht die Möglichkeit, dass die FR den Artikel zurückgezogen hat, weil sie ihn nach Aufklärung durch Rahmstorf einfach schlecht fanden.

Dass Sie den Artikel gut finden, ist dabei unerheblich, die Redaktion der FR hat dies entschieden und diese war wohl anderer Meinung.

Beim Kölner Stadt-Anzeiger sah man dies wohl anders, da steht der Artikel heute noch. Hat der "mächtige" Rahmstorf da keine "Druckmittel"?

Zum "Afrikagate":
Nicht alles, was damals in den Tagen der Skandalisierung des IPCC in Blogs zu lesen war, hat sich als wahr erwiesen, viele "gates" haben sich einfach in nichts aufgelöst, darunter auch dieses.
Vielleicht finden Sie hier auf der Klimazwiebel etwas über die Hintergründe, ansonsten können Sie ja mal bei Herrn von Storch nachfragen.

Schon der Fairness halber könnten Sie ja mal die PIK-Erklärung sich anschauen, man äußert sich auch dazu ( http://www.pik-potsdam.de/services/infothek/PIK%20zu%20WPK_final.pdf ).

Die ach so sehr vom Meichsner, North und Leak vermisste Quelle stand die ganze Zeit im AR4 im Bericht der WGII, wie Sie sich leicht selbst überzeugen können. Auf die dort genannte Quelle sind alle genannten Zahlen zurückzuführen, wie auch der Autor dieser Quelle bestätigt hat. Warum glauben Sie wohl, dass Rahmstorf so empört über diese unglaublich schlechte Rechercheleistung war und schrieb, dass Fr. Meichsner den IPCC-Bericht wohl gar nicht gelesen hätte??

Herr von Storch schreibt:
Frau Meichsner hat in ihrem Beitrag ein paar Dinge ausgedrückt, die Herr Rahmstorf nicht mochte,[...]
Ich würde mal sagen, dies sollte nicht nur Herrn Rahmstorf missfallen haben, sondern allen Klimaforschern, denen an einer fairen und kritischen Debatte über den IPCC Wert liegt. Ich teile den Eindruck nicht, dass dieser Artikel nur ein Problem Rahmstorfs sei, ganz im Gegenteil.

Andreas

Anonymous said...

Und nun stellen wir uns folgende Situation vor: Rahmstorf schickt dem Chefredakteur einen Brief, weist ihn auf die Textstelle im AR4 hin und auf die Quelle, die Fr. Meichsner nicht kannte. Er schickt eine Kopie des Papers mit und dort finden sich plötzlich alle Zahlen, von denen Fr. Meichsner annahm, das IPCC hätte diese erfunden.

Der Chefredakteur konnte sich persönlich überzeugen, dass die abwertende Meinung Fr. Meichsners vom IPCC auf einer falschen Voraussetzung, nämlich falschen oder fehlenden Fakten, beruhte.

Ziemlich peinlich für eine Zeitung, die Wert auf qualifizierte Meinungen legt. Wie würden Sie als Chefredakteur reagieren, oder Sie, Herr Krauss?
Immer noch von "Unterdrückung und Zensur von Meinungen" überzeugt oder ist an meinem Argument der "Macht der Argumente" nicht doch etwas dran?

Andreas

Peter Heller said...

Ich habe lange überlegt, ob ich das Thema bei uns (also bei Science Skeptical) auch aufgreifen sollte, bin aber davor zurückgeschreckt. Man droht bei solchen Fragen einfach zu leicht von der Sachebene auf die persönliche Ebene abzugleiten, und da ich Herrn Rahmstorf nicht kenne, vermag ich auch seinen Charakter nicht zu beschreiben.

Der Vorgang ist letztendlich ein Beleg für das politische Sendungsbewußtsein vieler Klimaforscher und bestätigt damit insgesamt auch die Schlußfolgerungen, die man aus Climategate 1 und 2 ziehen kann. Die Darstellung hier auf der Klimazwiebel ist überaus sachlich und sehr gelungen, Herrn von Storch ist daher kein Vorwurf zu machen.

Die oben von Andreas verlinkten Texte der Journalistin gefallen mir ausgesprochen gut, klar geschrieben, pointiert auf das wesentliche abhebend. Um Frau Meichsner einmal zu zitieren:

"Eine beachtliche Portion von Überheblichkeit, kastenartiger Abschottung und schonungsloser Ausgrenzung von Kritikern ist das Mindeste, das dieses erschreckende Datenpaket offenbart."

Das ist das Thema. Das auch Herr Lehmkuhl anspricht und das eben auch Herr Rahmstorf und das PIK in seiner merkwürdig nebulösen "Gegendarstellung" bestätigen. Die Frage, ob hypothetische Aussagen über die Zukunft nun richtig zitiert wurden oder nicht, ist dabei völlig ohne Belang.

Die Debatte auch hier zeigt, daß es neben der Ableitung politischer Botschaften aus naturwissenschaftlichen Forschungsarbeiten eigentlich im Kern immer darum geht, wo das Faktum endet und die Interpretation beginnt.

Wie Andreas hier einmal mehr aufzeigt, steht für die Alarmisten fest, daß es nur eine Interpretation der Fakten geben kann oder darf und alles andere eine Form von Lüge oder Täuschung sein müsse. Das treibt eben auch Herrn Rahmstorf an. Für die meisten Skeptiker hingegen ist klar, daß man zwischen Fakt und Interpretation strikt unterscheiden muß. Frau Meichsner interpretiert an den Stellen, an denen ihr Unwahrheiten vorgeworfen werden, eben nur anders, als das im Sinne einer bestimmten politischen Ideologie genehm sein kann.

Anonymous said...

Ich fasse zusammen:

Auch wenn die Fakten nicht stimmen, die Interpetation derselben findet Herr Heller klasse.

Können Sie gerne, Herr Heller, Sie betreiben auch nur einen kleinen Blog. Die Redaktion der FR fand anscheinend, Interpretationen sollten auf Fakten basieren.

Wie wär's damit:
Da alle Skeptiker von Big Oil gesponsert sind, sollte man diese in der öffentlichen Debatte einfach ignorieren.
Hey, super, sofort abdrucken, liebe Presse. Die Faktenlage stimmt zwar nicht, aber die Interpretation ist doch eine interessante Meinungsäußerung, die keinesfalls zensiert oder unterdrückt werden sollte. Habe ich ihre Logik verstanden, Herr Heller?

Andreas

Vinny Burgoo said...

MFG: '(The "scandal" is not in my opinion the conduct of Professor Rahmstorf, but the editors of the FR!)' [Google Translated]

I completely agree. Prof. Rahmstorf's contemptuous bloggery isn't pretty but it's in no way unusual. That he should have asked a newspaper to withdraw an article about something that had no direct bearing on his own scientific work is somewhat peculiar but it's not half as peculiar as the newspaper's decision to comply with his request.

Shades of the Sunday Times withdrawing the whole of its 'Amazongate' story because, although essentially correct, it included an incorrect quote or paraphrase of a quote from an activist-cum-scientist.

Peter Heller said...

@ Andreas:

"Da alle Skeptiker von Big Oil gesponsert sind, sollte man diese in der öffentlichen Debatte einfach ignorieren."

Aber das ist doch exakt die Haltung, die Schellnhuber und Rahmstorf und viele andere vertreten. Das ist selbstverständlich eine unwahre Behauptung (ein Gegenbeispiel reicht, und das bin ich), wird aber durch die Freiheit der Meinungsäußerung gedeckt.

Ich glaube, Sie unterscheiden nicht nur nicht mehr zwischen Fakt und Interpretation (weil die Interpretation "die Klimakatastrophe kommt" für Sie ein Fakt geworden ist), Sie haben auch ein Problem mit dem Freiheitsbegriff, den bspw. Frau Meichsner und andere vertreten.

Man kann nämlich durchaus Rahmstorfs Verhalten auch unter diesem Gesichtspunkt analysieren. Und kann dann auch nur feststellen, daß hier eine merkwürdige Idee von Pressefreiheit vorliegt.

Es ist müßig, nun auf jeden Punkt, den Frau Meichsner in ihren Texten anspricht, einzugehen. Aber ich finde keine Fehler in dem, was sie schreibt. Aber darum ging es ja in dem Verfahren auch nicht, das Gericht hat sich selbstverständlich damit nicht auseinandergesetzt (das wäre ja auch noch schöner...aber so stellen sich Rahmstorf und Schellnhuber die Rolle der Gerichtsbarkeit eigentlich vor, siehe "große Transformation").

Rahmstorf hat nicht das "Macht des Argumentes" auf seiner Seite, sondern nur die Überzeugung des Gläubigen.

Anonymous said...

@ Heller

Interessante Äußerungen zur Pressefreiheit. Sie vergaßen nur anzuführen, warum Sie so sicher sind, dass die FR nicht in all ihrer Freiheit den Artikel offline gesetzt hat. Unterschätzen nicht Sie die Pressefreiheit?

Das ihnen Meichsners Stil gefällt, verwundert nicht. Vorverurteilung und Verdächtigungen ist ja auch bei ihnen im Blog ein beliebtes Stilmittel:
http://www.science-skeptical.de/wp-content/uploads/2011/11/Hide-the-Decline-2-The-Cause.jpg

Ihre freie Entscheidung, aber man sollte wenigstens Verständnis dafür haben, dass es für die meisten Medien zu unseriös ist - das ist dann deren Freiheit.

PS:
Sie finden im Urteil auch interessante Äußerungen des Gerichts zur Sachlage, siehe Begründung zum abgewiesenen Klagepunkt a).

PS2:
Rahmstorf hat nicht das "Macht des Argumentes" auf seiner Seite, sondern nur die Überzeugung des Gläubigen.
Och, Heller, solche Provokationen perlen nur ab. Ich habe weiter oben mit der angeblich fehlenden Quelle einen ganz konkreten und zentralen Punkt genannt, wo Meichsner bei den Fakten falsch lag. In der PIK-Erklärung finden Sie Details dazu.
Niemand muss "glauben", Herr Heller, jeder kann sich einfach selbst überzeugen. Sie sich auch, warum drückt sich hier jeder vor einem simplen Faktencheck?

Und nebenbei: Selbst wenn die Redaktion der FR Rahmstorfs Argumente nicht eigenhändig überprüft sondern ihm einfach geglaubt hat, dann ist das auch eine freie Entscheidung der Redaktion. Haben Sie nicht vielleicht selbst Probleme mit dem Freiheitsbegriff?

PS3:
Ich glaube, Sie unterscheiden nicht nur nicht mehr zwischen Fakt und Interpretation (weil die Interpretation "die Klimakatastrophe kommt" für Sie ein Fakt geworden ist),
Angriff, Attacke! Wen interessiert's, ob diese Unterstellung auf belegbaren Fakten beruht. Ihr Stil, Meichsners Stil.

Andreas

Anonymous said...

@ Heller

Wie wär's mit einem versöhnlichen Abschluss?

Wo Sie gerade Presse- und Meinungsfreiheit so hoch halten:
Im Urteil ging es doch gerade um das Spannungsverhältnis zwischen Presse- und Meinungsfreiheit (Rahmstorfs Blog) versus Persönlichkeitsrechten (Meichsner).

Presse- und Meinungsfreiheit hat verloren ;-)

Andreas

Peter Heller said...

Auf die Gefahr hin, daß ich für einige Leser zu kryptisch werde, aber Andreas wird mich ganz sicher verstehen ;): Im SPM des SR findet sich kein Quellenhinweis, noch nicht einmal ein Verweis auf die entsprechende Seite im SR selbst. Im SR dann findet man den Verweis auf WG 2, AR4, Chapter 9.1. Zu allem Überfluss wird man dort auch noch auf einen SPM zurückverwiesen (auf welchen jetzt eigentlich), in dem es natürlich auch wieder keine Quellenangabe gibt. Im "WG2" kann man dann aber im Fließtext suchen. Und dort findet man dann auch den Verweis auf die Arbeit von Arnell, die dann noch im Quellenverzeichnis identifiziert werden muß. Bis dahin hat man also schon einmal 3-4 dicke Dokumente durchwühlt. Die Arbeit von Arnell selbst wird durch das IPCC nicht näher kommentiert und es ist auch die einzige Quelle für die Behauptung. Sie verbirgt sich außerdem hinter einer Paywall und ist daher für Normalsterbliche nicht zugänglich. Das IPCC macht es also nicht gerade leicht, die aufgestellten Behauptungen zu überprüfen (Transparenz?).

Mir ist schon wiederholt aufgefallen, daß sich Alarmisten und Skeptiker in ihrer Wahrnehmung geschriebener und gesprochener Texte deutlich unterscheiden. Wir reden daher konsequent aneinander vorbei.

Die Fragen, die Meichsners Text aufwirft, sind doch nicht die nach korrekter oder nachvollziehbarer Quellenangaben im IPCC-Bericht. Den haben ohnehin nur sehr wenige Menschen weltweit je gelesen und Politiker, Journalisten und die breite Öffentlichkeit gehören ganz sicher nicht dazu. Die Frage ist doch eine völlig andere: Zeugt es von Redlichkeit, eine einzige wissenschaftliche Arbeit in der Form wie geschehen zur Verbreitung von Angst und Schrecken einzusetzen? Und dazu auch noch eine Arbeit, die eine Projektion für zukünftige Ereignisse abgibt, deren Wahrscheinlichkeit also per definitionem nicht bestimmt werden kann? In den Augen der Öffentlichkeit wurde hier einmal mehr ein Szenario zu einer Prognose hochstilisiert, einer Vorhersage, die sicher eintritt, wenn nur die Temperaturen entsprechend steigen. Ist diese Vorgehensweise seriös? Ist eine Zukunftsprognose automatisch eine Wahrheit, ein Fakt, wenn sie den Klimawandel betrifft und durch das IPCC instrumentalisiert wird? Wie kommt eigentlich der Arnell auf die Idee, derlei Dinge berechnen zu können, obwohl sie doch die Zukunft betreffen und damit grundsätzlich nicht vorhersehbar sind? Kann es sein, daß auch Arnell lediglich etwas interpretiert - im Sinne gewünschter politischer Folgen - was ja schon durch die Bandbreite seiner Zahlenwerte nahegelegt wird?

Diese und andere Fragen stellen sich eben mir (und nach meiner Beobachtung den meisten Menschen), wenn ich Meichsners Artikel lese. Wer hier wen zitiert hat, und ob korrekt oder nicht, ist völlig irrelevant. Das wäre mir beim Lesen ohne den hier diskutierten Hintergrund nicht einmal aufgefallen.

Prognosen, die die Zukunft betreffen, sind samt und sonders Unfug (Klimaflüchtlinge?). Eigentlich weiß das auch jeder. Das IPCC versucht, dieses tief in uns verankerte Wissen über Zufälligkeiten auszuhebeln. Darauf weist Meichsner hin. Deswegen ist ihr Text gut und richtig.

Anonymous said...

@ Heller

Ja, summaries haben häufig diese tückische Eigenschaft und die Darstellung im AR2 war auch nicht optimal.

Meichsner kannte offensichtlich die Argumentationen Leaks und Norths. Ich dachte immer, es sei journalistische Grundregeln, erst einmal beide Parteien zu hören und sich dann ein Urteil zu bilden?

Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist. Mir jedenfalls war auch die ganze Geschichte völlig egal, gossip eben, und gut, dass dem Rahmstorf mal die Grenzen aufgezeigt wurden. Ich finde nämlich auch, dass er dazu neigt, bei seinen Kritiken leicht zu überziehen.

Mein Interesse hier wurde erst durch diesen Beitrag Herrn von Storchs, bzw. den Text der Kollegin geweckt. Sie sprach genau das Unbehagen an, welches mich auch bewegt hat.

Dann erst habe ich mich mit dem Urteil, dann mit Rahmstorfs Text und dann mit Meichsners Texten, zum Schluss noch die PIK-Erklärung. Und je tiefer ich einstieg, umso größer wurde mein Verständnis und jetzt sogar schon Sympathie für das Vorgehen Rahmstorfs.

Und nun von einem Liberalen (bitte nicht mit FDP verwechseln, ich bin inzwischen geläutert) zum anderen:

Ich hätte die Meinungsfreiheit Rahmstorfs höher gewertet als das Kölner Gericht. Dass laut Urteilsbegründung der zitierte Durchschnittsleser "abschreiben" mit Übernahme ohne eigene Leistung bewertet, halte ich für übertrieben.

Andreas

Reiner Grundmann said...

Ich habe mir die Erklärung angesehen, die das PIK zu Verteidigung von Stefan Rahmstorf abgegeben hat. Es ist schon bemerkenswert, dass ein Institut einen Streit kommentiert, in die einer seiner Mitarbeiter involviert ist (man fragt sich heimlich: kann sich der Herr Rahmstorf nicht selber wehren?). Das Engagement des Mitarbeiters erfolgte durch das Medium eines privaten blogs, der nicht vom PIK betrieben wird. Also reine Privatsache, sollte man annehmen. Stefan Rahmstorfs Auseinandersetzung mit Frau Meichsner bezieht sich auf die Wiedergabe von IPCC Informationen, also nicht auf Forschungen, die vom PIK oder Stefan Rahmstorf stammen. Diese drei oder vier knappen Grundzüge der Kontroverse zeigen, dass es dem PIK und Herrn Rahmstorf um die Verteidigung des IPCC geht und um seine Glaubwürdigkeit.

Dies ist eine Frage der öffentlich-politischen Debatte, in der wissenschaftliche Argumente zwar eine Rolle spielen, aber nur eine von vielen sein können. Die oben aufgezählten Merkmale verdeutlichen dies ironischerweise für die Seite, die die WISSENSCHAFT für sich in Anspruch nimmt (PIK, Stefan Rahmstorf, Andreas, ...).

In deren Argumentation geht es v.a. darum zu zeigen, dass alle Fehler oder Übertreibungen des IPCC (mit Ausnahme des "Zahlendrehers" beim Himalaya) sich in Luft aufgelöst haben und seine wissenschaftliche Integrität folglich nicht angetastet ist. Offenbar befürchtet man einen Schaden für die Sache der Klimapolitik, wenn das Ergebnis anders ausfiele.
M.E. ist dies ist eine Fehleinschätzung, die dringend der Diskussion bedarf.
Doch ganz so reibungslos geht die erstrebte "Rettungsaktion" doch nicht vonstatten. Mitten in der PIK Erklärung (Punkt 6) liest man folgendes:
"Während die Klimawissenschaft den Vorgang intensiv selbstkritisch diskutiert und weitreichende Reformen des IPCC eingeläutet hat, steht eine ähnlich selbstkritische Analyse der Medienwelt, wie es zu dieser irreführenden Berichterstattung kommen konnte, bis heute aus."
Dieser Satz ist bemerkenswert. Erstmal war da keine "Selbstkritik" der Klimawissenschaft, oder haben das PIK oder Herr Rahmstorf einen Prozess der "Selbstkritik" angestoßen? Nach der Presseerklärung zu urteilen, gab es ja gar keinen Grund dazu. Es war natürlich so, dass eine externe, unabhängige Untersuchungskommission (das IAC, dessen Bericht hier nachzulesen ist) mit Reformvorschlägen kam. Und die Frage ist wieder: Wieso waren IPCC Reformen nötig, wenn alles bestens war? Warum haben die Wissenschaftler dem nachgegeben, wenn es in der Sache abwegig war?

Anonymous said...

Herr Heller,

selbstkritisch betrachtet sind wir von der Intention des Beitrags Herrn von Storchs jetzt weit abgeglitten. Zeit, mich wieder einzufangen ;-)

Es ging doch um eine Begründung, warum Herr von Storch ein Urteil gegen Rahmstorf veröffentlich hat.

Sie kritisieren die Öffentlichkeitsarbeit Rahmstorfs im Allgemeinen, speziell seine Intervention bei der FR. Darum ging es im Urteil doch gar nicht. Das Urteil besagt nur, dass Rahmstorf eine Grenze überschritten hatte in seinen Vorwürfen an die Person Meichsners.

Wenn ich Herrn von Storch richtig verstanden habe, begründet er doch die Veröffentlichung gerade damit, den Hype und Kampf um Deutungshoheiten ein sachliches Fundament entgegenzustellen.

Machen Sie nun nicht genau das, was verhindert werden sollte? Dass das Urteil zum Anlass genommen wird, eigene weitergehende Vorstellungen zu unterfüttern? Zeit, um auf den Boden des Urteils zurückzukommen, meint

Andreas

Vinny Burgoo said...

Peter Heller: 'Quelle für die Behauptung. Sie verbirgt sich außerdem hinter einer Paywall und ist daher für Normalsterbliche nicht zugänglich.'

Unless I have grossly misunderstood, you're looking for this:

http://mfs.uchicago.edu/troubledwaters/readings/arnell.pdf

Anonymous said...

@ Reiner Grundmann

Diese drei oder vier knappen Grundzüge der Kontroverse zeigen, dass es dem PIK und Herrn Rahmstorf um die Verteidigung des IPCC geht und um seine Glaubwürdigkeit.

Ist das schlecht? Ich hoffe, Sie würden für mich auch ein gutes Wort einlegen, wenn ich mal aufgrund von falschen Tatsachen verdächtigt werde.

Herr von Storch wird im künftigen AR5 als Leitautor verantwortlich zeigen. Ob die Klimazwiebel dann erst Flagge zeigen wird, wenn die eigene Arbeit durch den Dreck gezogen wird? Mal schauen, wie man reagieren wird, wenn die zu Unrecht Beschuldigten nicht Jones, Mann, Rahmstorf oder Schellnhuber, sondern von Storch heißen. Da muss ich ja schon an das bekannte Niemöllerzitat denken.

Dasselbe jetzt bei der Presseerklärung des PIK: Das Schlüsselwort, Herr Grundmann, heißt einfach "Solidarität", schon mal gehört?

Muss ich mich entschuldigen, wenn ich nach Ansicht der Fakten sage, dass ich mich mit Rahmstorf solidarisch erkläre?

Andreas

Reiner Grundmann said...

Andreas
Solidaritaet habe ich auch schon mal gehoert, meinen Sie "Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte? wie es eine populaere webseite definiert? Damit untermauern sie meinen Verdacht.

Aber haben Sie nicht was durcheinadergebracht mit der Aussage "Ich hoffe, Sie würden für mich auch ein gutes Wort einlegen, wenn ich mal aufgrund von falschen Tatsachen verdächtigt werde"?

Wer hat denn wen zu unrecht beschuldigt? Frau Meichsner hat nicht Herrn Rahmstorf beschuldigt, sondern er sie.

Anonymous said...

@ Grundmann

Nein, meine ich nicht. Warum schreibe ich wohl von Solidarität, wenn jemand zu Unrecht beschuldigt wird? Hilft fett? Das ist etwas ganz anderes als Wagenburgmentalität, simple Ethik.

Ich habe oben erklärt, wen Meichsner zu Unrecht beschuldigt hat (das IPCC) und habe weitere Beispiele weiter oben verlinkt, wo sie weitere Personen zu Unrecht vorschnell verdächtigt und beschuldigt hat. Wie ein roter Faden" ihrer Arbeit, schrieb ich oder so ähnlich.

Sie können gerne weiter den Kopf in den Sand stecken, wenn Sie mich aber widerlegen wollen, dann wäre es gut, Sie hätten sich mit meinen Argumenten beschäftigt. Ich lade Sie herzlich zum Faktencheck ein.

Herr Grundmann, mir scheint, man schwebt hier in höheren Sphären von postnormal science und problematischem Rollenkonflikt von Klimawissenschaft. Biased?

Andreas

Günter Heß said...

Andreas,
Journalisten recherchieren und interpretieren für ihre Leser. Dabei werden täglich Fakten durcheinander gebracht. Entscheidend ist in einer Demokratie, dass niemand die Deutungshoheit für sich beanspruchen darf und die Medien kontrollieren darf. Mit falschen oder schlechten Interpretationen können wir umgehen. Im Grunde sind wir es gewohnt. Nur die Ideologen fühlen sich bedroht, wenn sie nicht die Deutungshoheit haben.
Herrn Heller oder mich kannst Du offensichtlich nicht verstehen. Wir schätzen die Vielfalt der Meinungen und Interpretationen auch wenn sie manchmal falsch sind.
Grüße
Günter

Peter Heller said...

@ Burgoo:

Thank you very much. Yes, this is the study of Arnell (as far as I can see). I only had the link given in Rahmstorfs Blog and this leads to a paywall.

Es ist halt interessant, Andreas, daß Sie die Diskussion hier als eine Debatte über die Qualität journalistischer Arbeit verstehen.

Um mal den Punkt von Günter Heß zu erweitern (so wie ich das sehe): Medien sind menschgemacht und daher umfänglich fehlerbehaftet. Sie geben nicht die Realität wieder, sondern immer einen durch die Brille des Schreibenden gefärbten Ausschnitt. Das ist so, das kann man nicht ändern und wir Leser sind eben einfach gefordert, ausreichend Kompetenz zu entwickeln, um damit umzugehen.

Die Frage, die mich umtreibt, ist eine andere: Was treibt Rahmstorf an, was ist seine Motivation?

Wenn es etwas gibt, von dem bspw. ich richtig viel verstehe, dann sind es Kernkraftwerke. Und ich habe selten soviel Unfug über Kernkraftwerke in so kurzer Zeit gelesen, wie in den vergangenen Monaten. Trotzdem führe ich keinen Kreuzzug, in dem ich Redaktionen anschreibe und um Korrekturen bitte. Ich setze halt mal einen Text im Blog dagegen - und den kann lesen, wer will.

Bei Rahmstorf dagegen hat diese Sache Methode. Auch andere Journalisten können über vergleichbares berichten. Warum opfert der Mann so viel seiner wahrscheinlich hochbezahlten Zeit für solche Aktionen?

Ich denke eben, das fügt sich zusammen mit seinem Blog, in dem er der Welt seine Meinung zu Klimapolitik, zu Energietechnologien und zu Elektrofahrrädern ganz unverhohlen als Folge seiner Klimaforschung präsentiert, zu einem Gesamtbild, das ich äußerst kritisch bewerte.

Der Vorgang Meichsner vs. Rahmstorf als solcher ist völlig belanglos. Er erhält seine Bedeutung erst in einem größeren Zusammenhang. Und der interessiert mich.

Ich denke, daß Rahmstorf ein Getriebener seiner eigenen Überzeugungen ist, die leider nur dann für ihn sinnvoll werden, wenn sich ihnen alle anderen auch anschließen. Es gibt Vorstellungswelten, die missionarischen Eifer erzwingen, weil man sich sonst mit ihnen nicht wohlfühlt.

Die Frankfurter Rundschau hat er sich vermutlich deswegen ausgesucht, weil das ein linkes Blatt ist (das er wahrscheinlich seit Jahren liest) und weil es für den Missionar besonders frustrierend ist, wenn ausgerechnet die eigene Klientel nicht mehr im Takt bleibt.

Anonymous said...

@ Günther

Nein, ich verstehe dich wirklich nicht.

Ich würde verstehen, wenn man das Urteil zum Anlass nimmt zu hinterfragen, in welcher Form Kritik anzubringen ist und wo Grenzen überschritten werden.

Ich kann allerdings in der Tat nicht nachvollziehen, warum Kritik als solches von einem Klimawissenschaftler fragwürdig sein soll.

"Entscheidend ist in einer Demokratie, dass niemand die Deutungshoheit für sich beanspruchen darf und die Medien kontrollieren darf."

Sehr richtig, aber bei diesem Punkt denke ich eher an das Murdoch-Imperium, an die Knebelung der Medien in Russland oder das ungarische Mediengesetz. Ich denke auch an den Einfluss der Politik auf die öffentlich-rechtlichen Sender.

Aber jetzt bitte auf dem Boden bleiben und ganz nüchtern den Einfluss Rahmstorfs auf die Medien betrachten. Was wären die Konsequenzen für die FR gewesen, wenn sie sich nicht umentschieden hätte? Rahmstorf war auch mit dem SPIEGEL häufiger nicht einverstanden, ohne dass dies den SPIEGEL beeinflusst hätte. Steht der SPIEGEL jetzt kurz vor der Zwangsauflösung oder der Pleite?
Kommt als nächstes noch die Paranoia der "ökofaschistischen Weltregierung"?

Warum nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, die FR hat sich von Rahmstorf Argumenten überzeugen lassen und den Artikel deshalb zurückgezogen, weil er nicht den häuslichen Qualitätsstandards entspricht?
Habt ihr wirklich so wenig Vertrauen in die freie Presse?

Die Demokratie lebt davon, dass Medien den politischen Willensbildungsprozess befördern.
Es kann aber nur etwas vernünftiges in der öffentlichen Debatte herauskommen, wenn die Diskussion auf der Grundlage richtiger Fakten basiert. Dass Rahmstorf sich engagiert, darauf hinzuwirken, dass in der Klimadebatte die Fakten korrekt wiedergegeben werden, ist für mich eine Stärkung der Demokratie.

Es enttäuscht mich, dass hier im Klimazwiebel-Blog die altbekannte Skeptikerpropaganda, Rahmstorf würde seiner Meinung widersprechende Ansichten unterdrücken, so kritiklos und undifferenziert aufgegriffen wird.

Gerade der Fall Meichsner eignet sich doch sehr gut zu untersuchen, ob Rahmstorf falsche Fakten kritisiert oder missliebige Meinungen.

Die ganze Diskussion empfinde ich als schäbig, mir scheint, es geht eher darum, persönliche Rechnungen zu begleichen bzw. Animositäten weiter zu pflegen.

Herr von Storch schrieb:
"Sind Wissenschaftler, zudem solche, die sich stark und pointiert / "überspitzt" in der politischen Debatte engagieren, geeignet als "Richter" (Feststeller von Wahrheit) für Medienberichterstattung?"

Wenn es um wissenschaftliche Fakten geht, sind Wissenschaftler geradezu prädestiniert für diese Aufgabe. Es wäre sicherlich besser, wenn es nicht immer Rahmstorf wäre, ein honest broker wäre viel besser geeignet. Was aber, wenn es ihm und anderen egal ist und schweigen?


Gute Nacht
Andreas

Reiner Grundmann said...

Andreas #43

das verstehe ich nicht. Die Fakten belegen, dass Frau Meichsner den IPCC kritisiert hat, worauf Herr Rahmstorf Frau Meichsner zu Unrecht angegriffen hat (was gerichtlich festgestellt wurde und nicht meiner abgehobenen postnormalen Spinnerei entspringt).

Und warum bekunden Sie Solidaritaet mit Rahmstorf wenn Sie auch sagen "gut, dass dem Rahmstorf mal die Grenzen aufgezeigt wurden." ??

Georg Hoffmann said...

"Die Fakten belegen, dass Frau Meichsner den IPCC kritisiert hat, worauf Herr Rahmstorf Frau Meichsner zu Unrecht angegriffen hat (was gerichtlich festgestellt wurde und nicht meiner abgehobenen postnormalen Spinnerei entspringt)."

Quatsch. Das Gericht hat was zur Form gesagt und zu Aussagen, die rein gar nichts damit zu tun haben, ob man denn Frau Meichsner nun zu Recht oder Unrecht angegriffen hat. Das sind Fragen, die in Demokratien keine Gerichte entscheiden.

Schon die Artikelueberschrift des Spiegels ist Klasse; "Verurteilter Klimaforscher". Zivilrecht, Strafrecht, ach scheissegal.

Reiner Grundmann said...

Georg,
das Urteil sagt:
"Der Beklagte wird verurteilt..."

ghost said...

@Reiner

aber wofür, wofür und wobei. Na? Sicher wurde er nicht dafür belangt, dass er es doof fand, dass Frau Meichsner das IPCC kritisierte.

aber ich habe noch eine einfache Frage:

was wurde denn aus dem riesigen "Africagate"-Skandal, über den Meichsner und Leake usw so atemlos berichteten? Oder aus dem "Amazonasgate"? Oder aus dem "BBC Gate" über den Reiner hier mal so aufgeregt schrieb? Oder aus dem Santer-Editor-Skandal über den Douglass, Christy und von Storch so aufgescheucht schrieben? Oder oder oder oder?

Aus (fast?) ALLEN wurde NICHTS, oder? Woran liegt das? Dass daran nichts Skandalöses und einige vielleicht etwas übertrieben oder dass es eine riesige Whitwash-Verschwörung gibt? Oder gibt es eine andere Erklärung?

So was heißt das?

1. Vielleicht hätte Stefan Rahmstorf cooler reagieren sollen.

2. Man sollte auch in Blogs und Foren nicht alles schreiben.

Anonymous said...

Von den Verteidigern Rahmstorf's lese ich hier wieder nur das übliche Rumeiern.

Wenn jemand falsch beschuldigt wird ist das ethisch nicht vertretbar, nicht von einem Laien, und schon gar nicht von einem Wissenschaftler.

Die Taktik Rahmstorfs ist doch die übliche unter Klimaforschern: zuerst wird die Kompetenz des Kritikers hinterfragt, dann seine Glaubwürdigkeit, dann die seiner Quellen.

Und nie hoch unendlich wird ein Fehler eingestanden. IPCC und Klimawissenschaft irren NIE.

Dasselbe unmögliche Benehmen bei Andreas und Georg.

Georg? Ein gewisser Georg Hoffmann der wenn immer er wieder einmal entgleist ist, Klimawissenschaft mit "contact sport" vergleicht anstelle einer Entschuldigung.

Meistens wird er penetrant agressiv und unhöflich, denn auch ER hat IMMER Recht. Klimawissenschaft halt.

Sorry, so ist es eben! Right? Right! Bruce Lee! ;-)

Yeph

ghost said...

schade, dass mein Beitrag nicht angezeigt wird.

also noch mal in kurz:

was ist denn aus den ganzen riesigen Skandalen und Vorwürfen gegen das IPCC, Klimaforschern, BBC usw geworden?

Nichts.

U. Langer said...

Hallo Andreas,

ich halte ihre „wissenschaftlichen“ Argumente (s. z.B. #28) und damit Ihre gesamte Diskussion hier nach wie vor für absolut falsch und kann nur appellieren, die eigentliche Quelle (Arnell) zu lesen (s. #40).
Ich freue mich dann auf den von Ihnen angeregten Faktencheck – z.B. über die vom PIK genannte Tabelle 11 in Arnells paper als eigentliche Quelle des IPCC. Wer daraus die Zusammenfassung des IPCC (75-250 Millionen Betroffene) oder die abstrakten Zahlen des PIK (74-239 Millionen) ableiten kann, bekommt bestimmt den noblen Preis!

MfG

Peter Heller said...

Nun hatte ich also auch die Zeit und die Möglichkeit, Arnells Studie zu lesen.

Und ich bin verwundert. Die Ergebnisse dieser Studie so zu interpretieren, wie es das IPCC macht, grenzt an Desinformation. Das verdient schon die Bezeichnung "Africagate".

Tatsächlich zeigt Arnells Arbeit das genaue Gegenteil auf: Der Klimawandel auf Basis der IPCC-Modellfamilien "A" und "B" ändert quasi nichts an der Wasserversorgung der Zukunft. Tatsächlich wird es eher besser. Außerdem ergibt sich ziemlich eindeutig, daß Bevölkerungszuwachs und Technologie (Wasserspeicherung und -verteilung) die entscheidenden Parameter sind - und nicht etwa das Klima. Arnell selbst muß einige argumentative Klimmzüge unternehmen, um seine Resultate linientreu interpretieren zu können:

"Climate change increases water resources stresses in some watersheds, but decreases them in others. If the absolute numbers of people living in waterstressed watersheds was taken as the indicator of water resources stress, then climate change would
appear to reduce global water resources pressures because more watersheds move out of the stressed class than move into it. However, this gives a misleading indication of the effect of climate change, for two reasons. Firstly, the increases in runoff
generally occur during high flow seasons, and may not alleviate dry season problems if this extra water
is not stored: the extra water may lead to increased flooding, rather than reduced water resources stresses. Secondly, the watersheds that apparently benefit from a reduction in water resources stress are in limited, but populous, parts of the world, and
largely confined to east and southern Asia: areas that see an increase in stress are more widely
distributed."

Wow. An den paar Sätzen muß er ein paar Tage verzweifelt gearbeitet haben. Denn tatsächlich gibt ein Blick auf die Zahlen und Daten nur eine unmittelbare Interpretationsmöglichkeit: Es gibt kein Problem.

@ Langer: Ich versuche noch, die Zahlen abzuleiten. Einfach ist es nicht. Das IPCC muß andersherum gearbeitet haben. Man hat sich offensichtlich erst überlegt, was man eigentlich sagen will ("Afrika wird verdursten"), dann hat man überlegt "wo holen wir die Indizien dafür her?" und dann hat man aus Arnells Zahlen auf geschickte Weise irgendetwas herauskonstruiert. Das ist eben Theologie, nicht Naturwissenschaft.

ghost said...

@Heller

genau sie sind das Beispiel, was ich an dieser Diskussion so wenig mag.

Sie unterstellen, dass es eine Linientreue geben muss. Diese Wortwahl erinnert an Verschwörungen und totalitäre Systeme.

Dazu machen sie Unterstellungen... wäre jetzt Arnell Meichsner hätten sie eine Klage am Hals. Schon mal drüber nachgedacht?

Anonymous said...

@ ghost, postings Nr. 52 und 55

Machen Sie sich doch bitte die Mühe, und gehen sie im Netz auf Informationstour. Climategate 2.0 läuft gerade, und in bester Guttenplag Manier arbeiten zahlreiche interessierte Zeitgenossen in aller Welt die rd. 2000 mails auf. Es geht aus den mails sehr deutlich hervor, daß es tatsächlich ein Agenda getriebenes "Team" gibt, daß namhafte Klimaforscher und Autoren von Beiträgen zu IPCC Berichten skeptische Positionen einnahmen und diese ihre Skepsis eben nicht öffentlich machten, um "the cause" nicht zu schaden. Es gibt mails, die eine Vermutung, daß die IPCC Berichte "von hinten" - also vom gewünschten Ergebnis her - geschrieben wurden, bestätigen. Sie sollten weder "Climategate 1.0" noch die Version "2.0" als erledigt betrachten. In GB, den USA, in CDN in AUS und womöglich auch in NZ werden diese mails noch ein Nachspiel haben - mindestens auf politischer und wahrscheinlich auch auf juristischer Ebene. Ich gehe davon aus, daß wir schlafmützigen deutschen Michel wieder einmal als letzte merken werden, was die Stunde geschlagen hat.
Wissenschaft sucht nach Erkenntnis, dieser Prozess lebt von Offenheit und Skepsis. Das Zurückhalten von Daten, die Ablehnung auch differierende Forschungsergebnisse in Berichten zu publizieren, die enge Verzahnung mit NGOs und der Politik - all das ist dem Forschungsprozess nicht dienlich, und dem Erkenntnisgewinn auch nicht!
Thomas aus Franken
PS: Zum IPCC können Sie sich auch "The Delinquent Teenager" durchlesen - gibts u.a. bei den einschlägigen Internet-Buchhändlern

Anonymous said...

Nur am Rande: Linientreu: PIK (und IPCC) zum Himalaya

http://www.pik-potsdam.de/services/infothek/PIK%20zu%20WPK_final.pdf

"abgesehen von besagtem Zahlenfehler"

Sowohl IPCC und PIK behaupten bis heute, es wäre nur ein Fehler gewesen (Hahaha).

R. Grünwald fragt bei Rahmstorf nach (siehe Rahmstorfs Blog):

"Beim Versuch, die genaueren Umstände dieses Vorgangs zu verstehen habe ich mir die relevanten Stellen in (Arnell 2004 S. 43 (Tab. 11), IPCC AR4 SYR, S. 50 und IPCC AR4 WG2, S. 444) genauer angesehen. Dabei ist mir eine Ungereimtheit aufgefallen. Es ist zwar nur ein kleines Detail, aber dennoch wäre ich über Aufklärung dankbar:
- In Tabelle 11 (Numbers of people (millions) with an increase in water stress by region) in Arnell (2004) sind als Bezugsjahre 2025 und 2055 angegeben.
- Das wird in dem WG2 Bericht mit "by the 2020s and 2050s respectively" wiedergegeben
- Im Synthesis report steht hingegen "by 2020"
Mir scheint, da sind durch die Verkürzung mal eben 5 Jahre abhanden gekommen, oder??"

So genau werden Fehler anscheinend nicht genommen. Sie auch meinen Kommentar oben.

namenlos

ghost said...

nochmal zu Heller, namenlos und anderen:

Laut PIK hat Arnell bestätigt, dass das IPCC ihn richtig wiedergegeben hat.

Das heißt: laut Heller, namenlos und Co sind das PIK oder Arnell oder beide Lügner. Nun, ich würde da gerne die Beweise sehen. Der Mist, der bisher gepostet wurde, sind ja eher dumme Zitate aus dem Kontext gerissen.

@namenlos
die verschiedenen Zusammenfassungen im IPCC-Bericht empfinde ich allerdings auch in manchen Fällen als nicht gut. Vielleicht, hm, redet man immer aneinander vorbei. Ich habe bspw nie die Zusammenfassungen gelesen. Ich lese lieber die Details, aber die Zusammenfassungen sind sehr wichtig, keine Frage.

Nehmen wir den Himalaya: ich habe den WGI gelesen. Da wurde der Zustand der Himalaya-Gletscher komplett und korrekt wiedergegeben. Von den wachsenden Gletschern im Karakoroum über die stark schrumpfenden Gletschern und deren Probleme bis zu der unsicheren Lage des damaligen Wissenstandes. (das wird nie erwähnt, warum auch immer, zu korrekt?) Im WGII war dann der 2035 Fehler.

Das zeigt einen Fehler im Qualitätsmanagement und fehlende Verbindungen zwischen den verschiedenen Berichten und Wissenschaftsgebieten und keine gezielte Missinformationskampagne.

Hoffe, im AR5 funktionieren diese Qualitätssicherungsprozesse besser.

@Thomas aus Franken

hm... das sind keine vertrauenswürdige Quellen. Sorry, das überzeugt nicht.

Anonymous said...

ghost, was soll ich geschrieben haben, dass "PIK oder Arnell oder beide Lügner" sind? Das ist eine üble Unterstellung von Ihnen.

"Im WGII war dann der 2035 Fehler"?

Hahaha. Sie haben offenbar keine Ahnung. Da waren mehrere Fehler, die Ihnen, Andreas, dem PIK und dem IPCC und co. offenbar bis heute egal sind. Ich hatte das schon auf der Klimazwiebel-Seite andernorts thematisiert.

namenlos

ghost said...

@namenlos

Unterstellung? Hm. Arnell hat laut PIK bestätigt, dass das IPCC seine Arbeit korrekt wiedergegeben hat. Und wem soll ich glauben? Ihnen oder Arnell?

Ich dachte: wenn ich auf die Zusammenfassungen eingehe, die meiner Meinung nach manchmal zu stark verkürzen (aber wie besser machen???), kann sich dieses "Missverständnis" auflösen. War nicht erfolgreich. Sie bleiben dabei, dass das IPCC Arnells Arbeit falsch wiedergegeben hat, obwohl Arnell das Gegenteil sagt?

PS: die Gletschersache war ein Beispiel...

Peter Heller said...

@ ghost:

"Unterstellung? Hm. Arnell hat laut PIK bestätigt, dass das IPCC seine Arbeit korrekt wiedergegeben hat. Und wem soll ich glauben? Ihnen oder Arnell?"

Sie sollten nur sich selbst glauben. Tun Sie also einfach, was Herr Langer und ich gerade machen. Laden Sie sich Arnells Studie herunter, lesen Sie sie und versuchen Sie, die Zahlen für Afrika abzuleiten.

Dabei ergeben sich so bemerkenswerte Dinge, daß ich dazu einen eigenen Text erstellen werde.

Nebenbei: In der Tat steht in der Arnell-Studie nichts von "2020". Sondern es geht 2025 los. Das ist jetzt keine große Sache, ist aber ein Indiz dafür, daß Arnell nur oberflächlich geprüft hat, wie das IPCC seine Studie interpretiert.

Ich werde es einfach genau prüfen. Das sollten Sie dann auch. Und dann vergleichen wir, was wir herausgefunden haben...

Reiner Grundmann said...

Ghost
"Laut PIK hat Arnell bestätigt, dass das IPCC ihn richtig wiedergegeben hat."

Man weiss freilich nicht, worauf sich das genau bezieht. Es hat die Funktion einer blanko Vollmacht in der Presseerklaerung des PIK. Besser waere, selbst nachzusehn.

"Das heißt: laut Heller, namenlos und Co sind das PIK oder Arnell oder beide Lügner. Nun, ich würde da gerne die Beweise sehen. Der Mist, der bisher gepostet wurde, sind ja eher dumme Zitate aus dem Kontext gerissen."

Ich kann in Arnell's paper keine Beleg fuer angegebenen Zahlen finden, da geht es mir wie einigen anderen hier. Was ich beachtenswert finde sind die vielen "caveats" (Vorbehalte), die er in seiner Zusammenfassung auffuehrt. U.a. schreibt er:
"The key caveats associated with the climate change
scenarios are that: (i) they are based on few climate
models (HadCM3, ECHAM4, CGCM2 and CSIRO
Mark 2, GFDL R30 and CCSR/NIES2), (ii) they
represent just the change in monthly mean climate
and (iii) for all but two of the emissions scenarios
run with HadCM3 there are just one repetition,
making it difficult to separate the effects of climatic
variability from those of climate change (although the
similarity in the spatial pattern of change in climate
under each emissions scenario suggests that the signals
in the scenarios are primarily those due to climate
change)."


Es folgt eine Zusammenfassung der Bedeutung dieser Vorbehalte: "The net effect of all these caveats is that the numerical
estimates of the implications of climate change on future
water resources stresses are not to be taken too literally."

Arnell fuegt hinzu: "Finally, and perhaps most importantly, the actual
impact of the effects of climate change on water scarcity
will depend on how water resources are managed in the
future. This will vary between the SRES storylines,
depending not only on economic prosperity but also
attitudes towards environmental management and
protection."

Mit anderen Worten, sehr viel haengt von Anpassungsstrategien ab. Es gibt keinen Determinismus von Klimawandel in Richtung Duerre in Afrika. Dennoch hat man aus diesem Artikel eine alarmierende Meldung gemacht.

Anonymous said...

"Sie bleiben dabei, dass das IPCC Arnells Arbeit falsch wiedergegeben hat [...]."

Das ist falsch. Ich schrieb:

"So genau werden Fehler anscheinend nicht genommen. Sie[he] auch meinen Kommentar oben [Link]."

Es waren verschiedene Fehler im Himalaya-Fall. Darauf hatte ich in #57 hingewiesen. Das können sie gerne versuchen zu ignorieren.

namenlos

Peter Heller said...

@ ghost:

Noch eine Ergänzung: Climategate ist der Beleg dafür, daß es eine Linientreue gibt und daß diese auch aktiv eingefordert wird.

Auf Basis dieser Linientreue agiert Rahmstorf. Anders ist jedenfalls schwer zu verstehen, warum er in der Weise vorgeht, um eine Arbeit zu verteidigen (IPCC WG 2), an der er selbst nicht beteiligt war und die er auch mangels Qualifikation nicht wirklich einordnen oder bewerten kann.

ghost said...

ich habe die Studie überflogen und den IPCC-Bericht.

im IPCC-Bericht steht 2020s, nicht 2020. SKANDAL: Heller vergisst ein s und stellt den IPCC-Bericht falsch dar. Und nun?

Zitat IPCC-Bericht:

Even in the absence of climate change (see Section 9.2.2), present population trends and patterns of water use indicate that more African countries will exceed the limits of their “economically usable, land-based water resources before 2025” (Ashton, 2002, p. 236). In some assessments, the population at risk of increased water stress in Africa, for the full range of SRES scenarios, is projected to be 75-250 million and 350-600 million people by the 2020s and 2050s, respectively (Arnell, 2004). However, the impact of climate change on water resources across the continent is not uniform. An analysis of six climate models (HadCM3, ECHAM4-OPYC, CSIRO-Mk2, CGCM2, GFDL_r30 and CCSR/NIES2) and the SRES scenarios (Arnell, 2004) shows a likely increase in the number of people who could experience water stress by 2055 in northern and southern Africa (Figure 9.3). In contrast, more people in eastern and western Africa will be likely to experience a reduction rather than an increase in water stress (Arnell, 2006a).

Hier sieht man, dass das IPCC dort sehr wohl differenziert und sehr wohl die Arbeit von Arnell richtig wiedergibt. PUNKT.

Und genau deswegen habe ich versucht herauszufinden, ob vielleicht die Zusammenfassung es zu stark verkürzt.

ghost said...

okay hier noch die Executive Summary des Kapitels 9:

http://www.ipcc.ch/publications_and_data/ar4/wg2/en/ch9s9-es.html

Climate change will aggravate the water stress currently faced by some countries, while some countries that currently do not experience water stress will become at risk of water stress (very high confidence).

Climate change and variability are likely to impose additional pressures on water availability, water accessibility and water demand in Africa. Even without climate change, several countries in Africa, particularly in northern Africa, will exceed the limits of their economically usable land-based water resources before 2025. About 25% of Africa’s population (about 200 million people) currently experience high water stress. The population at risk of increased water stress in Africa is projected to be between 75-250 million and 350-600 million people by the 2020s and 2050s, respectively. [9.2.1, 9.2.2, 9.4.1]

Changes in a variety of ecosystems are already being detected, particularly in southern African ecosystems, at a faster rate than anticipated (very high confidence).

Climate change, interacting with human drivers such as deforestation and forest fires, are a threat to Africa’s forest ecosystems. Changes in grasslands and marine ecosystems are also noticeable. It is estimated that, by the 2080s, the proportion of arid and semi-arid lands in Africa is likely to increase by 5-8%. Climate change impacts on Africa’s ecosystems will probably have a negative effect on tourism as, according to one study, between 25 and 40% of mammal species in national parks in sub-Saharan Africa will become endangered. [9.2.2, 9.4.4, 9.4.5]

Finde ich auch okay für eine Exec-Zusammenfassung. Ich bin aber kein Freund dieser Zusammenfassungen.

Ich sehe immer noch kein Gate.

ghost said...

warum kommen eigentlich manche Beiträge erst später? Hat google Probleme mit der Konsistenz der Datenbank? Es fehlt noch einer.

Anonymous said...

Ich dachte bislang immer, die Klimazwiebel versucht sich als Brückenbauer zwischen den Lagern, am einen Ende der Baustelle kann ich aber nur eine Abrissbirne entdecken.

Herr Heller, auch wenn Sie die Fakten anders bewerten, eines zeigt ihr Beispiel dennoch:

Wie leicht es ist, zu recherchieren und zu bewerten. Man vergleiche dies doch jetzt mal mit Meichsners Artikel, wo steht, es gäbe überhaupt keine Quellen und die Zahlen seien erfunden. Das klingt bei ihnen nun aber schon ganz anders.

Aber vielleicht verstehen wir nicht, wie Journalismus heute funktioniert. Ist es ein altmodischer Reflex, gute Recherche zu erwarten? Vielleicht steht der Fall Meichsner exemplarisch für etwas, was heute leider journalistische Normalität geworden ist.

Andreas

Anonymous said...

@ Heller

Zum Vergleich ihrer Ergebnisse Meichsners Text:
Eine wissenschaftlich tragfähige Basis für diese Behauptung bleibt der IPCC-Bericht schuldig. Der englische Internet-Blogger Richard North und die Tageszeitung Sunday Times brachten es gemeinsam ans Licht, nachdem es in der üppig sprudelnden Blogger-Szene schon seit einigen Tagen gärte. Bei den Quellenangaben führt die Spur zu Ali Agoumi, einem Mitarbeiter des marokkanischen Umweltministeriums sowie der Firma „EcoSecurities“, die ihr Geld unter anderem mit dem Handel von Verschmutzungsrechten verdient.

Mir scheint, ihre Spuren scheinen einen völlig andere Richtung zu weisen. Meichsners "Agoumi-Spur" ist ja wohl eher Norths Spur.

Andreas

Anonymous said...

Ein Aspekt wurde bislang noch gar nicht beleuchtet, nämlich die merkwürdige Rolle der FR. Einknicken vor Rahmstorfs Macht hieß die hier vielfach als Fakt verkaufte Hypothese bislang.

Da gibt es aber noch etwas anderes, was vielleicht nicht allen bekannt ist:
Der Dumont-Schauberg Verlag, der den Kölner Stadt-Anzeiger vertreibt und wo Meichsner hauptsächlich publiziert, ist seit 2005 Anteilseigner, inzwischen Eigentümer der FR. Es gab Konflikte, Einsparprogramme, Arbeitsplatzabbau, weniger eigene Arbeiten, stattdessen Übernahme von Artikeln aus dem DS-Verlag.
Dort gärte es gewaltig.

Hält man es für abwegig, dass die FR-Redaktion es den Kölnern mal zeigen wollte? Nach der Art, was habt ihr uns da für ein faules Ei in die Zeitung gesetzt, das hätten wir selbst besser gekonnt, wenn man uns doch nur ließe?

Andreas

Hans von Storch said...

Three mails of ghost had been held in the SPAM-box for unknown reasons. They are now published. (Sorry, I am tending the system only after work hours.)

Anonymous said...

@ ghost: Weshalb sind die mails - "Climategate 1.0/2.0" nicht vertrauenswürdig? Weil Ihnen nicht gefällt, was dort klar dokumentiert ist? Und weshalb bitte ist "The Delinquent Teenager" nicht vertrauenswürdig? Weil dort akribisch der Anteil von Aktivisten, Doktoranden und Laien an den IPCC Berichten aufgezeigt wird? Es ist schon sehr einfach, Quellen ohne inhaltliche Auseinandersetzung als nicht vertrauenswürdig abzutun. Wenn wir alle so verfahren, ist die Wissenschaft erledigt, jeglicher Diskurs unmöglich.

Sie schreiben (Posting # 65): Zitat IPCC Bericht: "Even in the absence of climate change (see Section 9.2.2), present population trends and patterns of water use indicate that more African countries will exceed the limits of their “economically usable, land-based water resources before 2025” (Ashton, 2002, p. 236)." Was schlußfolgert denn der IPCC Bericht daraus? Daß teuere CO2 Programme (Zertifikatehandel, unteriridsche Einlagerung, u.dgl.) diese prognostizierte Wasserknappheit vermindern?
Im darauffolgenden Post #66 stellen Sie das Executive Summary des Kapitels 9 ein. Was lesen wir? "Climate change will aggravate the water stress currently faced by some countries, while some countries that currently do not experience water stress will become at risk of water stress (very high confidence)." Bei Arnell steht das so nicht, das "Executive Summary" betreibt die bemängelte überzogene, politisierte Katastrophenpropaganda. QED
Thomas aus Franken

Peter Heller said...

So, ich hab's.

Der Reihe nach:

Laut Arnell (2004) werden im Jahr 2025 in Afrika 380,7 (A2), 339,7 (A1, B1) oder 294,5 (B2) Millionen Menschen einem Dürrerisiko ausgesetzt sein (Tabelle 7, im folgenden alle Angaben in Millionen) - und zwar ganz ohne jeden Klimawandel, allein auf Grund des in den Szenarien angenommenen Bevölkerungszuwachses (heute sind es wohl so etwa 200).

Wenn ich das richtig verstanden habe, listet Tabelle 11 diejenigen auf, die zusätzlich aufgrund des Kimawandels in den einzelnen Szenarien einem Dürrerisiko ausgesetzt sein werden. Arnell untersucht hier 14 Kombinationen von Emissionsszenarien (A und B) mit Klimamodellen. Die Extremwerte finden sich in der Spalte B2-HadCM3 und liegen für Afrika tatsächlich zwischen 74 und 239.

Diese Zahlen werden durch das PIK korrekt wiedergegeben, durch das IPCC aber aufgerundet ("worse than we thought" - wie üblich). Aus 2025 macht das IPCC mal so eben "2020s" (schon wieder "worse than we thought") und in der öffentlichen Kommunikation wird daraus:

-- "Unseren Berechnungen nach werden in Afrika bis 2020 zwischen 75 und 250 Millionen Menschen Opfer von Wassermangel, der dem Klimawandel zuzuschreiben ist", betonte der Vorsitzende des Weltklimarats, Rajendra Pachauri.-- Quelle: http://www.tageblatt.lu/nachrichten/welt/story/17161782

So ist das eben mit dem IPCC, aus "Risiken" werden sichere Opfer und alles geschieht viel früher, als man eigentlich belegen kann.

Nun gibt es in Arnell (2004) aber auch noch eine Tabelle 12. Und diese listet die Menge an Menschen auf, bei denen der Klimawandel dazu führt, daß sie gegenüber einer Welt ohne Klimawandel keinem Dürrerisiko mehr ausgesetzt sein werden. Für B2-HADCM3 sind dies immerhin zwischen 66 und 132. Womit sich die Zahl der zusätzlich einem Risiko ausgesetzten Menschen mal eben auf 8-107 reduziert. Dies nicht im IPCC-Bericht zu erwähnen, ist unredlich.

Die Extremwerte Netto (also Menschen mit zusätzlichem Risiko minus solche mit keinem Risiko) ergeben sich bei B2-CSSR zu -22 (in diesem Szenario, wie in noch drei weiteren, hätte der Klimawandel also insgesamt positive Auswirkungen) und bei B2-CSIRO zu +200. Die Lehmkuhlschen Zahlen sind damit belegt.

Das PIK schreibt dazu (http://www.pik-potsdam.de/services/infothek/PIK%20zu%20WPK_final.pdf):
"Dagegen schreibt Lehmkuhl, die Arnell‐Studie „weist für Afrika aus, dass [...] zwischen minus 23 und plus 200 Millionen Menschen von erhöhter Wasserknappheit“ betroffen wären. Derartige Zahlen finden sich nicht in der Arnell‐Studie und sind laut Aussage von Nigel Arnell wissenschaftlich falsch."

Derartige Zahlen finden sich also sehr wohl in der Arnell-Studie. Wenn sie "wissenschaftlich falsch" sind, hat Arnell damit seine ganze Arbeit marginalisiert. Ich mag dem eigentlich nicht widersprechen. Aus meiner Sicht ist die Studie in ihrer Gänze totale Fantasy. Aber das werde ich irgendwann noch einmal ausführlicher aufgreifen.

Das wäre dann Africagate. Gezielte Desinformation der Öffentlichkeit über Dürrerisiken in Afrika, um Angst zu erzeugen.

Und so funktioniert heute eben Journalismus. Er ersetzt nicht das Selbstdenken und Selbstprüfen, er regt nur an, worüber man sich vielleicht Gedanken machen sollte. Ohne Frau Meichsner wäre ich nicht darauf gekommen, daß so etwas wie die Arnell-Studie überhaupt existiert. Ohne Frau Meichsner hätte ich auch nicht mitbekommen, wie diese eine Studie durch das IPCC öffentlich instrumentalisiert wurde.

Anonymous said...

@ Heller

Interessante Ausführungen. Sie haben aber sicherlich bemerkt, dass Sie nun "africagate" mal eben umdefiniert haben? Ihr "africagate" hat nicht mehr viel Ähnlichkeit mit Meichsners, Norths etc.

Nochmal zum Vergleich Meichsner:
Bei den Quellenangaben führt die Spur zu Ali Agoumi, einem Mitarbeiter des marokkanischen Umweltministeriums sowie der Firma „EcoSecurities“, die ihr Geld unter anderem mit dem Handel von Verschmutzungsrechten verdient.
Ah, da riecht man ja förmlich die Verdorbenheit dieses korrupten IPCC, das ist klasse!

Ihr Beitrag zuvor ist geradezu sachlich und seriös (ihre Bewertungen teile ich allerdings nicht, aber wie gesagt, um die Meinungen ging es auch bei Meichsner nie), damit könnten Sie nie im Leben einen Rahmtorfschen Wutausbruch provozieren. Peppen Sie noch etwas auf, Korruption, Datenmanipulation etc. sollte schon noch hinein, Emotion, Skandalisierung und fertig ist ein Meichsner.

Ihr letzter Abschnitt zeugt von einer bewundernswerten Kunst, selbst in einem Kuhfladen noch etwas Gutes zu sehen. Ich bin mir sicher, dass der Meichsner-Artikel bei fast allen FR-Lesern damals zu ähnlichen Kenntnisgewinnen wie bei Ihnen geführt hat. Die Ära des postmodernen Journalismus hat begonnen. Hurra!

Andreas

ghost said...

@Thomas

ich habe eine einfache Regel: wer Aussagen aus gestohlenen E-Mails aus dem Zusammenhang reisst und falsch darstellt, ist nicht vertrauenswürdig.

@Reiner

wenn das ihr africagate ist--sorry, warum nehmen sie nicht einfach mal die Aussage vom PIK und Arnell. Sie sind nun schon ein halbes Dutzend Mal auf sogenannte "Skandale" reingefallen. Ja, das IPCC machte Fehler und? Das ist unerfreulich, aber es passiert. Aber in diesem Fall ist Frau Meichsner völlig über das Ziel hinausgeschossen, und die Wirklichkeit gibt Stefan Rahmstorf Recht. Der Stil ist eine andere Frage und darum ging es in der Gerichtsverhandlung. Ich kann mir vorstellen, dass Stefan Rahmstorfs Leserbrief eher von der netten Sorte war.

Was ist denn aus ihrem "BBC"-Skandal geworden? Lassen sie mich raten: es war genauso eine Luftnummer.

Meine Zusammenfassung: viel Geschrei um nix. Weder der absolut miese Artikel von Meichsner, noch die scharfe Antwort von Stefan Rahmstorf haben irgendwas zur Diskussion beigetragen. Für mich hatte Stefan Rahmstorf inhaltlich Recht, auch seine Empörung ist verständlich, aber durch seinen Stil ist das aber alles egal und es war kontraproduktiv.

Und hier setzen ja eigentlich die Zwiebel und die Zwiebelisten an.

Hans von Storch said...

On Roger Pielke Jr's blog there is an interesting official response by PIK: http://rogerpielkejr.blogspot.com/2011/12/pik-responds.html.

I wonder what to think about this. I thought that Stefan Rahmstorf's crusade for a responsible reporting about climate change in media (I guess that is what he perceives it himself) would be his private activity; now it seems as if this is not only welcomed by his employer but even activity supported. [Which is in line with using the PIK address in the court procedure.]

Hans von Storch said...

Ghost/50, you wrote

Oder aus dem Santer-Editor-Skandal über den Douglass, Christy und von Storch so aufgescheucht schrieben?

there are many cases of strange conduct, which have never been clarified. If there is no more discussion about these cases, it does not imply that everything was in order. Media dynamics operates differently - which is what I intended to discuss in this thread, but the turns the debate took are fine with me.

But it may be that we should conclude that there are rather different opinions and hardly any "truth", all could agree on. Again. Is that so bad?

At the end, it seems, was the question what to think about Arnell's paper. To begin with I consider it questionable to base a significant conclusion of the IPCC report on just one paper,which likely is full of assumptions (as most scientific papers). IPCC should not have done that, in my opinion.

But what we could do is - reading jointly the Arnell paper and try to find out which assumptions are made, and how consensual these assumptions are for us. I would guess that Arnell's conclusions, once the assumptions are accepted, are well done, but we could check that as well.

Who would join in? We could have a Klimazwiebel-Working-Group - please send me an e-mail (hvonstorch@web.de) if you want to join. Our negotiations, of how to do the job, would be subject to a thread here on the Zwiebel. I envisage a statement after, say 4 weeks, where each participant gets his say, maybe limited by a certain number of words. Or we could fist try to agree on a list of assumptions, and then have individual answers?

Would be an example of "extended peer review", I guess. Postnormal.

Anonymous said...

"unkritisch übernommen" (Beispiele):

Ich habe den Eindruck, dass sich die Frankfurter Rundschau (FR) keinen großen Gefallen mit den Artikeln (doppelseitig in der Druckausgabe) getan hat, die sie im Anschluss an ihre Löschung des Meichsner-Artikels veröffentlichte, und die Rahmstorf auf seinem Blog lobend hervorhebt: Blogger gegen Forscher:

FR: "97 Prozent dieser Experten sind sich laut einer Umfrage der Universität von Illinois sicher, dass der Anstieg der Durchschnittstemperaturen vom Menschen verursacht ist."

Diese "97 Prozent" tauchen nicht nur bei Rahmstorf "unkritisch übernommen" auf, sondern leider häufig; sie werden unkritisch übernommen, sind aber aus mehreren Gründen umstritten (siehe etwa hier.)

(Neuere, ähnliche Verlautbarungen scheinen noch weniger zuzutreffen:

"Statements such as:

'In June 2010, a study in the Proceedings of the National Academy of Sciences concluded that 97 percent of climate scientists agree on the tenets of anthropogenic, or human-caused, climate change, a level of consensus that the journal called “striking,” given the uncertainty often present in scientific research.'

incorrectly equate climate change with global warming! [siehe hier]"; vgl. bspw. auch EU-Barometer-Poll.)

FR: "[McIntyre] gehörte im November 2009 zu den ersten, der auf eine Datei mit gestohlenen Daten verlinkte. Hacker hatten Mails [...]"

Auf McIntyres Seite wurde von Unbekannt ein Link gesetzt. Und ob es Hacker waren, bzw. ob die Mails gestohlen wurden, ist bis heute nicht bekannt. (Zu McIntyre siehe auch oben Kommentar #25, letzte Zeile, Link.)

FR: "Zwei britische Komissionen haben die Vorwürfe untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die CRU wissenschaftlich sauber gearbeitet hat."

Auf die Schnelle: Siehe zum Beispiel Graham Stringer:

"We are now left after three investigations without a clear understanding of whether or not the CRU science is compromised."

Aus einem anderen Artikel der FR (gleicher Autor?): Die Wahrheit über Fehler des Klimarats:

FR: "Die Gesamtprognose für den Einfluss des Klimawandels auf die afrikanische Landwirtschaft insgesamt stützt sich zudem auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen."

Diese "zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen", die eine dramatische, schnelle Katastrophe belegen sollen, sind anscheinend nicht "zahlreich" (im Sinne von "viele") (vgl. oben).

FR: "Der [Himalaya-]Fehler ist tatsächlich ein Fehler, der auch viele Klimawissenschaftler verärgert."

In diesem Abschnitt waren gleich mehrere Fehler, auch wenn das IPCC oder das PIK das unrichtig widergibt.

FR: "Sowohl Weltklimarat IPCC als auch der WWF weisen auf ihren Internetseiten offen auf den Fehler hin."

Siehe zu "diesem Fehler" oben.

Zum Beispiel die NYT berichtete auf ihrer Titelseite über das Zurückziehen des Artikels der FR. Auch der Deutschlandfunk widmete diesem Vorgang eine Sendung: "Grund für uns einmal den Wissenschaftsjournalisten Volker Mrasek zu fragen, warum gerade bei diesem Thema anscheinend ungenau gearbeitet wird." Ja, warum wird so häufig "unkritisch übernommen" und "ungenau gearbeitet"? Und warum wird "Climategate 2" in den etablierten Medien (sowie Fernsehen, Radio und der "qualitätsvollen" Presse) verschwiegen?

namenlos

Anonymous said...

Hier findet jemand gute Worte zum SPIEGEL-Artikel:

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/wissenschaft-medien/2011-12-08/rahmstorf-im-zerrspiegel

Und man findet am Ende etwas über Solidarität.

Andreas

Günter Heß said...

Andreas #46,
Was sind denn deiner Meinung nach Fakten, wenn verschiedene Menschen ein komplexes nichtlineares System beobachten bzw. den IPCC AR4 lesen und daraus zitieren?
Das ist doch zu 50% Sekundär- oder Tertiärliteratur. Mehrfach zitiert.
Meiner Meinung nach geht es bei der Diskussion Meichsner/Rahmstorf, um Deutungshoheit in einer politische Debatte. Naturwissenschaftliche Fakten scheinen da nur sekundär zu sein.
Das gilt für mich für die Klimadebatte generell. Sie ist eine politische Debatte.
Ich bin an allen Meinungen interessiert, auch an denen mit den falschen Fakten und falschen Schlussfolgerungen. In menschlichen Gedanken ist meistens immer ein Körnchen Wahres dran.
Und man kann viel lernen. Nimm Rahmstorfs Kapitel mit der „Lobby der Leugner“. Sind das auch Fakten?
Wer während einer naturwissenschaftlichen Diplom- oder Doktorarbeit die Literatur studiert, der weiß wie viel zweifelhafte Schlußfolgerungen in der „Peer-Reviewed“ Literatur zu finden sind. Ich habe in einem renommierten Halbleiterjournal mal einen fünfbindigen Stickstoff als Mechanismus gefunden und ich bin mir sicher Hans von Storch kennt solche Beispiele aus der Klimawissenschaft.
Im Grunde lernen wir Menschen doch aus Fehlern und falschen Schlußfolgerungen mehr, als wenn wir ímmer die weichgespülten Hochglanzbrochüren der NGO-Lobbygruppen lesen. Habe ich da´schon mal Rahmstorfs Kritik vernommen.
Meiner Meinung nach hätte er, wie wir einfache Bürger auch einen Leserbrief schreiben sollen.
Grüße
Günter

Anonymous said...

@ Günter

Ich denke, wir sind durch und agree to disagree.

Im Grunde dreht sich die ganze Kritik hier um Rahmstorf nicht um die wissenschaftliche Seite, sondern seine Rolle in der öffentlichen Diskussion.

Er wurde nicht als Wissenschaftler angeklagt, sondern als Blogger. Heller und andere machen sich ja wirklich rührende Gedanken um die Meinungsfreiheit Meichsners, Rahmstorf Meinungsfreiheit kümmert sie dagegen nicht wirklich.

Doch genau darum ging es im Prozess: Das Spannungsfeld von Meinungsfreiheit in Rahmstorfs Blog vs. Beschneidung der Persönlichkeitsrechte Meichsners.

Im Grunde wird doch unverhohlen gefordert, Rahmstorf solle sich gefälligst auf seine Rolle als Wissenschaftler zurückziehen und die öffentliche Diskussion anderen überlassen. Seltsames Demokratieverständnis.

Fordert jemand ernsthaft, Wissenschaftler sollten politische Eunuchen sein (es sei denn, sie heißen z.B. Singer?)

Andreas

Peter Heller said...

@ von Storch, #76:

"But what we could do is - reading jointly the Arnell paper and try to find out which assumptions are made, and how consensual these assumptions are for us. I would guess that Arnell's conclusions, once the assumptions are accepted, are well done, but we could check that as well."

Mir fehlt ganz einfach die Zeit, an einem solchen Prozess mitzuwirken. Ich empfehle aber, auch diese Arbeit http://www.freiheit.org/files/152/78_Goklany_44_4S_Internet.pdf bei der Recherche zu berücksichtigen. Ich wurde erst heute auf diesen Text hingewiesen, in dem auf Seite 19 auch etwas über Arnell (2004) zu lesen ist.

Nämlich:

"Figure 5 indicates the population at risk (PAR) for water stress in 2085. It indicates
that, according to the Arnell (2004) results, climate change would reduce the net
global PAR of water stress. This occurs because additional warming increases average
global precipitation, and although some areas may receive less precipitation,
other, more populated areas, receive more."

Dies entspricht meinen bisherigen Auswertungen von Arnell (die aber noch nicht abgeschlossen sind). In der globalen Summe wären bereits 2025 im A2-Emissionsszenario (das wohl näher an der Realität liegt, als B2) bis zu 1,7 Milliarden Menschen weniger von Wassermangel betroffen, als in einer Welt ohne Klimawandel. In dreizehn von vierzehn Projektionen Arnells verringern sich die Dürrerisiken bis 2025 für mehr Menschen, als sie sich erhöhen (immer im Vergleich zu der Welt ohne Klimawandel). Diese Zahlen finden sich nicht im IPCC-AR4.

Nachdem ich nun angefangen habe, mich durch die ganzen Tabellen durchzurechnen und ein Verständnis für Arnells Definitionen und Annahmen zu entwickeln, neige ich zu der Arbeitshypothese, daß das IPCC mit den "75-250 Mio." exakt die eine einzige Zahl aus der Studie herausgefiltert hat, die sich im alarmistischen Sinne verkaufen lässt...

Ich wollte das irgendwann noch einmal gründlicher und tiefer aufarbeiten, aber scheinbar (s. Goklany) haben das schon andere getan, ohne in die Wahrnehmung der Medien zu gelangen. Ich bleibe bei dem Thema am Ball. Ich hoffe, Ihr Team findet sich und bin gespannt, was Ihnen so alles auf- und einfällt.

Günter Heß said...

Andreas,
Erst schreibst Du: wir sind durch und dann interpretierst Du Danach meine Aussagen auch noch falsch. Das ist ein Stil den ich als unfair empfinde. Das ist auch ein Spielchen um die Deutungshoheit. Es geht auch bei Dir, wie bei Rahmstorf um Deutungshoheit und nicht um freie Meinungsäußerung. Kommt auf jeden Fall so bei mir an.
Grüße
Günter

Anonymous said...

@Andreas

zum Artikel auf scylogs:

Es wird immer lächerlicher. Jetzt steht da schon eine Art Petition. Wissenschaftler rotten sich regelrecht zusammen weil der arme Herr Rahmstorf diffamiert wurde.

Man lese doch bitte mal Rahmstorfs kritische Beiträge über ungeliebte Kollegen und Journalisten.

Man lese nur einmal die unsäglich primitiven und extrem beleidigenden und agressiven Blogbeiträge bei scienceblogs.

Und auf einmal ist man pikiert weil ein Gericht und eine Journalistin die Wahrheit sagen.

Ein Wissenschaftler sollte versuchen immer die Wahrheit, die reine Wahrheit und nur die Wahrheit zu sagen, soweit sie ihm bekannt ist.

Ein Journalist darf auch polemisch sein und muss vor allem nicht alles genau verstehen über das er berichtet. Nur bewusst täuschen sollte er nicht und niemanden direkt beleidigen.

Sobald aber irgendwo nur "Fehler" oder "falsch" steht, "Übetreibung" oder "Irreführung", dann treibts die Wissenschaftsmeute auf die Barrikaden.

Na, hat der Journaklist nicht das Recht eine eigene Meinung zu haben, selbst nachzudenken, selbst zu recherchieren?

Nur weil eine wissenschaftliche Arbeit betont sachlich verfasst ist, bedeutet das noch lange nicht dass der Wissenschaftler sich als politischer Aktivist nicht auf unehrliche Weise derselben Arbeit bedient. Kritik an diesem unethischen Verhalten muss jetzt sogar über die Gerichte durchgeboxt werden, weil Wissenschaftler die freie Meinungsäusserung der Journalisten einschränken wollen.

Von dem Moment an wo Wissenschaft Angst davor hat, was die Leute draussen mit der wissenschaftlichen Wahrheit anrichten KÖNNTEN, sollte man diese Aktivität nicht "Wissenschaft" nennen dürfen, sondern Politik, imo.

MfG

Anonymous said...

@ Günter

Ich weiß nicht genau, was du meinst. Ich bezog mich auf deine Kritik zu einem Kapitel im Rahmstorf-Buch (Skeptiker etc.). An dieser Stelle fragte ich mich, warum du kritisierst, dass Rahmstorf seine Meinung einfließen lässt? Warum sollte Rahmstorf keine Meinungen publizieren dürfen? Das war meine Kritik.

Falls ich etwas falsch interpretiert haben sollte, dann bitte ich um Entschuldigung, da steckt keine böse Absicht dahinter. Ich beanspruche keine Deutungshoheit.


Re #84
Polemik in einem Blog ist sicher etwas anderes als Polemik und Häme im SPIEGEL. Es sei denn, der Spiegel hat seine Ansprüche an Seriosität und Qualität nach unten verschoben. Ich fand die Kritik am SPIEGEL-Artikel exzellent und nachvollziehbar. Diese Art der Meinungsmache erinnert mich eher an BILD.

Andreas

Reiner Grundmann said...

@ Peter Heller
Ich finde es schade, dass Sie bei der open peer review nicht mitmachen wollen, zumal sie ja schon einige Arbeit hineingesteckt haben.

@ Andreas, namelos, ghost, Guenther Hess, und andere:

Ich hoffe doch sehr, dass Sie auf das Angebot von Hans von Storch eingehen werden.

Anonymous said...

(Kommentar #84 stammt nicht von mir.)

Z.B. zu #81/Andreas ff.

Isaac de Pinto war ein "Spekulant" der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Er hielt einiges zur "political arithmetic", der Kunst der politischen Rechenmeister, fest.

Aus der Sammlung von Aufsätzen, die größtentheils wichtige Punkte der Staatswissenschaft betreffen. Zweyter Theil (aus dem Französischen übertragen ins Deutsche und Herausgegeben in der Davis Siegertischen Buchhandlung, Liegnitz und Leipzig 1777, Anmerkungen [des deutschen Herausgebers] über den vorstehenden Aufsatz[0], Seite 275):

"Ich schließe hier nur aus den Datis, die diese politische Rechenmeister mir selbst an die Hand geben; und da scheint es mir, als wenn das Resultat ihrer Berechnungen nicht immer auf das beste mit ihren Datis übereinstimmte."

Nach dem von mir verkürzten Auszug aus dem Anhang zu einem Reisejournal, lasse ich hier noch einen anderen, in diesem Fall: fiktiven, Reisebericht folgen. Deren Autor Johann Kaspar Riesbeck wird in der deutschsprachigen Wikipedia ohne Quellenangabe, wie von ein paar anderen Online-Quellen, zu den Illuminaten gezählt.[1]

Riesbeck schreibt in Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder, Band 1 (zeichengenau übernommen von der 2. Auflage 1784 durch Hrsg. Roland Welcker (2007), Kapitel 10, Siebenter Brief, (Augsburg)) ein bisschen zur politischen Rechenkunst, und außerdem:

"[... ]Hierauf kam man zur Geographie, und da wußte man von Arabien, Abyssinien, Monomotapa [Fußnote 5: – sagenumwobenes mittelalterliches Großreich im Süden von Simbabwe und Mosambik], Nubien, Monömugi [Fußnote 6: – Königreich in Ostafrika] und den Ländern, die wir am wenigsten kennen, am meisten zu sprechen. Nachdem man zur Prüfung einige wohlgeübte Exempelchen der Rechenkunst auf eine Tafel gekrazt hatte, kam endlich die Reihe an die Glaubens= und Sittenlehre. Es wurde in Behandlung des erstern Gegenstandes so viel von den untrüglichen Kennzeichen der alleinseligmachenden Kirche gesprochen, daß ich bald davongelaufen wäre. Ich hatte in einem Lande von vermischter Religion wie dieses, solche harte Ausdrücke um so weniger erwartet, da die Toleranz der herrschenden Sekten ein Reichsgrundgesetz ist. [...]"

[0]: Über Englands Gesetze in Absicht auf den Getreidehandel aus Herrn Young's politischer Rechenkunst. Ueber Englands Getreidepolizey. Der Aufsatz des englischen Schriftstellers Arthur Young, der sich zeitlebens besonders mit Landwirtschaft, Ökonomie und "social statistics" befasste, steht in der Sammlung nach Pintos Essay Ueber die Mittel, deren ein Staat sich bedienen kann, um das zu seinen ausserordentlichen Bedürfnissen, besonders in Kriegszeiten, nöthige Geld zu erhalten.

[1] Den Namen Riesbeck habe ich in diesem Zusammenhang (die Literatur überfliegend) nur bei R. Markner [2005] in: Die Korrespondenz... gefunden, jedoch ohne einen Vermerk auf eine eventuelle Illuminatenordenmitgliedschaft; Riesbeck taucht z.B. nicht auf bei H. Schüttler [1991]: Die Mitglieder..., [1994]: Journal von...; W.D. Wilson [1991]: Geheimräte gegen, [1999]: Unterirdische Gänge..., [1999]: Das Goethe-Tabu..., [2004]: Goethes Weimar; R. Le Forestier [1914]; M. Agethen [1984]; J. Rachold [1984]; C. Hippchen [1998]; M. Neugebauer-Wölk [1995]: Esoterische Bünde.... Eine mögliche Quelle könnte L. Engel [1906] sein. (Weiß jemand mehr?)

namenlos

Anonymous said...

@ Reiner Grundmann

Nein, ich bin nicht dabei. Mir reicht schon die Recherchearbeit von Herrn Heller, um zu sehen, was Fr. Meichsner hätte alles recherchieren können. Von all dem, was Herr Heller schreibt, finde ich nichts in Meichsners Artikel, sein Studium der Arnell-Quelle widerlegt schon Meichsners Fehldarstellung, es gäbe keine Quellen für die genannten Zahlen. Damit ist gezeigt, dass Frau Meichsner in diesen Kapiteln des AR4 nichts gelesen hat.

Ich würde jetzt eher etwas anderes machen wollen: Die Artikel von Leake und North studieren um zu sehen, wie viel Fr. Meichsner davon unreflektiert übernommen hat (ich vermeide absichtlich das vom Gericht monierte "abgeschrieben") hat.

Leakes und Norths "africagate" ist und war jedenfalls mausetot. Versuche, ein neues "africagate" aufzumachen, interessieren mich nicht, ich halte vom AR4-WG2 sowieso nicht viel. Ködern kann man mich nur mit dem WG1.

Peter Heller said...

Es ist vielleicht für alle, die hier noch mitlesen, von Interesse, daß ich nun mit Cramer und Rahmstorf in den "In-Fight" gegangen bin:

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/wissenschaft-medien/2011-12-08/rahmstorf-im-zerrspiegel

@ Grundmann:

Ich kann mich an dem Projekt nicht beteiligen, weil ich momentan nicht vollständig Herr meiner Zeit bin und daher absolut unzuverlässig sein würde. Sobald meine Analyse von Arnell (2004) vorliegt, stelle ich sie aber dem Team hier gerne zur Verfügung.

Werner Krauss said...

@Peter Heller #89

Durchaus von Interesse, vielen Dank für den link. Vor allem, weil hier Stefan Rahmstorf sich endlich mal selbst zu Wort meldet. Aber"zu Wort melden", was heißt das schon mitten in diesem Getöse, das strudelartig jeden hineinzieht und verschlingt, der sich zu diesem Fall äußert.

Auch Stefan Rahmstorf landet gleich wieder auf einem Schlachtfeld - es sind da nur Schlachtfelder, und der Wunsch nach "Sachdebatte" ist wohl eher vergeblich. Richtigstellung folgt auf Richtigstellung, Vorwurf auf Vorwurf, und dazwischen die Krawallmacher, die jede Gelegenheit nützen, um "Ökodiktatur" zu brüllen...

Doch dann sagt Stefan Rahmstorf doch noch was, was mich aufhorchen lässt, auch wenn andere das banal finden mögen:

"In der Echokammer der 'Klimaskeptiker' werden solche Dinge dann über Jahre immer wieder ohne ihren Kontext zur Diskreditierung benutzt - man kann unschwer vorhersagen, dass noch in zehn Jahren unter Artikeln mit einem Bezug zu mir Leserkommentare auftauchen werden, wonach ich ein gerichtlich verurteilter Lügner sei."

Dieses Zitat macht die literarische Dimension dieser ganzen Angelegenheit deutlich. "Die Echokammer der Skeptiker", die (vermeintliche?) Tat und die (vermeintliche) Lüge die einen verfolgt, das sind vertraute Zutaten einer Novelle. Und beim Lesen hatte ich tatsächlich plötzlich einen Filmriss, bin in einen anderen Film geschliddert.

Durch Stefan Rahmstorfs müden und resignierten Kommentar fühlte ich mich plötzlich in eine Novelle von Kleist oder einen Gesellschaftsroman von Flaubert versetzt. In ein Sittengemälde vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Finanzkrise, wo das Internet und die Blogs das Cafehaus, den Gerichtssaal oder die Bürgerversammlung ersetzen. Wo zumeist ältere Herren sich ereifern über einen an und für sich unbedeutenden Gerichtsfall, an dem pikanterweise auch noch eine Frau beteiligt ist und in dem es um die Weltrettung, die Ordnung der Dinge, die Wahrheit und unsere Zukunft geht. Irgendwo zwischen Stammtisch und Gelehrtenstreit, die Grenzen verschwimmen laufend.

Duellieren tut man sich ja nicht mehr, und die Wissenschaft eignet sich auch nicht mehr so richtig als Schlichterin, schließlich ist sie ja selbst in das Verfahren irgendwie verstrickt.

Jedenfalls ist es durchaus heilsam, unsere Debatte einmal unter literarischen Gesichtspunkten zu betrachten. Zu staunen darüber, aus wievielen Strängen sich so ein Gerichtsverfahren zusammensetzt, wieviele Fäden da zusammenlaufen und von dort ausgehen, dieses fein ziselierte Netzwerk, in dem man sich hoffnungslos verfängt in dem Moment, wo man es weiterspinnt.

Für einen Moment das Symptom erkennen, für das diese Angelegenheit steht, das wäre was. Aber wahrscheinlich steht die Sache für gar nichts außer dem, was eben dasteht. Dann machen wir halt einfach weiter oder auch nicht.

Anonymous said...

Vor einigen Wochen hat eine Umfrage (hier gepostet) ergeben dass die meisten Leute denken, dass die Finanzkrise niemandem wirklich schaden wird, Bevölkerungsexplosion wurde als irrelevant abgetan. In Blogs und Foren stritten sich Gläubige und Skeptiker über die Verstrahlung der Einwohner Fukushimas und die Anschuldigungen gegen Skeptiker sind ganz ähnlicher Natur wie die von Rahmstorf und Co. bei unserem Thema.

Und was haben wir daraus gelernt? Sogar und vor allem Wissenschaftler mit Oekosendungsbewusstsein sind offenbar unfähig reale und imaginäre Gefahren voneinender zu unterscheiden. (fast) Niemand wurde verstrahlt in Fukushima. Die Ressourcenprobleme sind vor allem nicht der globalen Erwärmung geschuldet. IPCC und Co. schrauben zwar die Katastrophenvorhersagen leicht nach oben, können aber immer noch nicht überzeugen.

Und der Laie gewinnt den Eindruck, dass Wissenschaft heute ein Tummelfeld von grössenwahnsinnigen sich selbst überschätzenden Profilneurotikern geworden ist, wo der schweigsame Stoiker im Strudel des Alarmglockengekreische zum Dauerrechtfertigen eigener Ansichten gezwungen wird.

Fukushimas Einwohner wurden untersucht und trotz gegtenteiliger Aussagen aller Kanäle und scheinbar aller Spezialisten hat man nichts gefunden. Jeder der es wagte am Gau zu zweifeln wurde regelrecht medial hingerichtet.

Und wie ist es mit der Klimawissenschaft? Auch so eine Luftblase?

Das hysterische Gekreische um gekaufte und struntzudumme Skeptiker hat ja geradezu groteske Ausmasse angenommen. Nicht einmal das Gericht kann dem Wahnsinn Einhalt gebieten.

Leute macht doch mal kurz eine Zwischenlandung hier unten auf unserem festen Erdboden und gesteht den anderen Leuten auch eine Meinung und ein Recht auf Selbstbestimmung zu.

Bei Stuttgart21 waren es auch nicht die ewig rechthaberischen Schreihälse die gewonnen haben, trotz massiver Beeinflussung der öffentlichen Meinung.

Greesz

Quentin Quencher said...

@ Werner Krauss #90

Wenn Rahmstorf hier von der "Echokammer der Skeptiker" spricht, so ist das doch nur ein plumper Ablenkungsversuch, in der Absicht, sich selbst als Opfer darzustellen und zur Sache nichts auszusagen. Ach ja, ich vergaß, von der holländischen Regierung hat man ja Absolution bekommen, deshalb brauch man sich auch nicht mehr zu Sache äußern.

Ja, Sie haben Recht, hier fühle ich mich auch an einen Film erinnert. Dieser Film läuft nun schon seit gefühlten Ewigkeiten im gleichen Kino.

Günter Heß said...

Andreas,
nicht wirklich ein Problem. Ich habe nur meine Meinung nicht in deinen Anmerkungen wiedergefunden.

Ich kritisiere nicht die Meinungsäußerung von Rahmstorf, sondern die unzulässige Mischung von Meinung und Fakten, von Wissenschaft und Politik. Das Kapitel „Lobby der Leugner“ aus dem Rahmstorf-Buch ist ein Beispieldafür.
Lehmkuhl hat das wesentlich eloquenter ausgedrückt als ich.
Grüße
Günter

Anonymous said...

@ Werner Krauss

Apropos Literatur:
Wie wär's mit Moby Dick, ich sehe so viele Ahabs hier.


@ Grundmann
Die Sachdiskussion wird hier interessant weitergeführt, die Analyse geht über Hellers Gedankengang hinaus:
http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/wissenschaft-medien/2011-12-10/duerre-in-afrika

Andreas

eduardo said...

Maybe it is useful to remark that this discussion may be interesting to analyse the interactions between science, journalisms and society, but it is no very relevant from the strict scientific point of view. It cast some shadows on the way Working Group II of the IPCC as organized though.

The study by Arnell (2004) is based on 6 climate models of the 'previous' IPCC report, issued in 2001. Thus it was in 2007, when the Fourth Report was published of limited scientific actuality. The Forth Report, in the volume published by Working Group I, shows the results of 22 models, newer and probably more reliable than the ones used in 2001. Some of the models considered in Arnell's study were not even included in the 4th IPCC report, for instance the models ECHAM4-OPYC and
In the abstract in Arnell's paper, it is stated that all six models display a broadly consistent geographical pattern of change of run-off. This assertion is much more difficult to maintain viewing the results of the 4th Asseessement report. One only needs to go to download chapter 10 ”here and have a look at figure 10.9. It clearly shows that there is no agreement among climate models regarding changes in precipitation in the whole tropical belt, where most of the endangered population is assumed to live. In the areas here climate models do show an agreement is because they predict an increase, generally at high latitudes in both hemispheres. In the areas where the averages of all models indicates a reduction of precipitation, the uncertainty is large because the spread of the models is large enough so that even the sign of the future precipitation changes is uncertain.

Now, one can engage in a battle of words (A said this, but B interpreted that, etc) against all infidels. However, in my view, any climate researcher, including Stefan Rahmstorf, should have been very well aware of the uncertainties indicated by the IPCC itself, and that have not been highlighted by virtually anyone in this discussion. These uncertainties were not considered in this section of the WGII of the IPCC either.

For me this illustrates the distinction between a honest broker and a political player. A political player tries to score political points and engages in battles with other political players that may have their own goals in mind. A honest broker would try to bring the full information to society. and this is what Rahmstorf in this instance failed to do, independently of whether the article in the Frankfurter Rundshau was correct or incorrect.

Anonymous said...

Offenbar arbeitet Herr Rahmstorf in seinem Blog sehr schlampig - tut er das womöglich auch in seiner wissenschaftlichen Arbeit? Er scheint in diesem Verfahren manche Fakten einfach nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen - hat er wissenschaftlich ebenfalls eine selektive Wahrnehmung? Ich nehme Herrn Rahmstorf nicht mehr ernst.

Werner Krauss said...

@anonymous #96

Offenbar haben Sie keinen Mut, Ihren Namen zu nennen (oder sich wenigstens ein anständiges Pseudonym auszudenken), wenn Sie schlecht über andere Leute und deren Arbeit reden. Herr Rahmstorf hat immerhin soviel Mut und Anstand, seine Arbeiten öffentlich zu machen und seinen Namen drunter zu schreiben. Ihren Kommentar kann man daher auch nicht weiter ernst nehmen.

Anonymous said...

Wow, die "Echokammer" hallt aber schnell wider. Schon kommt der erste, der das Urteil auf Rahmstorfs wissenschaftliche Arbeit überträgt - #96.

Überrascht, Q.Q.?

Andreas

ghost said...

wunderbarer Artikel über den SPON-Artikel über Stefan Rahmstorf

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/wissenschaft-medien/2011-12-08/rahmstorf-im-zerrspiegel

Ich kann mich da nur anschließen! Schade, dass Herr von Storch sowas nie kritisiert, weil er immer noch gegen die bösen Alarmisten kämpft. Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Das steht einem miesen Politik gut, für einen Wissenschaftler ist es eher ein Armutszeugnis.

Anonymous said...

Und hier noch etwas, was wir hier versäumt haben: Einen Vergleich von Meichsners Text mit denen von North und Leake:
http://www.scilogs.de/wblogs/gallery/42/artikelvergleich.pdf

Ich habe "kritiklos abgeschrieben" übrigens nie so wortwörtlich verstanden wie das Gericht und habe bislang auch noch keinen getroffen, der es so verstanden haben wollte.
Dass Meichsners Eigenanteile aber so dramatisch gering sind, hätte ich mir nicht vorzustellen gewagt.

Auch wenn die Wortwahl Rahmstorfs beanstandet wurde, inhaltlich hatte er vollauf recht. Meichsners Leistung ist beschämend für das Ideal eines kritischen, investigativen Journalismus. Wäre nicht langsam eine Entschuldigung mancher Beteiligter hier bei Rahmstorf angebracht?

PS:
Jubiläumspost #100!

Andreas

Anonymous said...

Ein Hoch auf die Geisteswissenschaftler!

Ach ja, ich sollte auch den Artikel verlinken, aus dem die Tabelle aus #100 stammt:
http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachgebrauch/2011-12-16/kritiklos-abgeschrieben

Mit viel Sprachgefühl wird auch eine juristisch nicht zu beanstandende, bessere Formulierung vorgeschlagen:

Meichsner habe die Artikel von Leake und North kritiklos nachgebetet.

Das soll nun auch mein inhaltlich und sprachlich(!) korrektes Schlusswort sein.

PS:
Die Diskussion um die Inhalte von Arnell 2004 lenkt von den vor Gericht entscheidenden Streitpunkten ab. Wer dennoch prüfen möchte, ob Rahmstorf inhaltlich Recht hatte (darum ging es vor Gericht nicht), der muss Meichsners Text im Vergleich zu Leake und North studieren und nicht Arnell 2004.

Ich bleibe bei meiner Ansicht:
Die Kritik an Rahmstorf insbesondere im SPIEGEL war maßlos überzogen. Es ging wohl mehr um persönliche Abrechnungen und Animositäten. Auch die angeblich so neutrale Klimazwiebel hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sondern das Spiel ganz gut mitgespielt.

Andreas
(der ob der Ereignisse vom Rahmstorf-Kritiker ungewollt zum Rahmstorf-Verteidiger wurde, welch Ironie)

Rob Dekker said...

I'm not sure if this is the right forum, and I apologize that my German is rusty. But can anyone summarize the exact 'fehler' that Meischer refers to that the IPCC allegedly has made on their Africa report ? Because as far as I can see, AfricaGate ssems to be an invention by North and Leake, without ANY factial evidence in it's suppot. For example, Meischer seems to dispute only 1 or 2 of the 18,000 references in the IPCC AR4, and even these references seem to have been honestly presented by the IPCC.

And if there really is no substance to Meischer and Leake and North's claim, and their stories are simply opinion pieces, then one may ask why these journalists are so polarized in their opinions, and why pretend to have found a 'scandal' which is in a 'a different league altogether' because this time 'Pachaui is personally involved'.

Merry Christmas everyone, and may peace be made between journalists and scientists.