Saturday, October 16, 2010

Nico Stehr and Reiner Grundmann on Expertenwissen

For those able and willing to read German, this new book might be of interest: 
Expertenwissen: Die Kultur und die Macht von Experten, Beratern und Ratgebern, Velbrueck Verlag 2010 (English version will be published by Routledge in March 2011)

The argument developed in the book is relevant to discussions on this blog about the relation between science and policy, and about different constellations, such as post-normal science. We deal with this issue through a systematic examination of the concept of expertise.


From the blurb:


Diese Monographie untersucht die theoretische und praktische Bedeutung von Experten, Beratern und Ratgebern in der Gegenwartsgesellschaft.Offensichtlich gibt es eine wachsende Schicht von wissensbasierten Berufen, die zur Pluralisierung von Expertise und zur Multiplikation von Experten geführt hat. Entscheidungsträger in Organisationen wie Privatbürger suchen vermehrt den Rat von Experten. Die beiden Autoren analysieren wichtige Aspekte von Expertentätigkeit und legen dar, dass die Rolle von Experten von anderen wie Professionen, Wissenschaftlern oder Intellektuellen unterschieden werden muss. Experten üben wissensbasierte Tätigkeiten aus, die zwischendem Kontext der Wissensproduktion und der Wissensanwendung vermitteln. 
 
There is a good review in the Sueddeutsche Zeitung which you can read here
 

3 comments:

Reiner Grundmann said...

Here is another review of the book, this is the introduction. Read it in full here:

"Experten sind Wissensproduzenten, deren Arbeitsbereiche sich zunehmend ausdifferenzieren und deren Dienstleistungen immer stärker nachgefragt sind. Der Anstieg des Wissens in der modernen Gesellschaft ist längst schon ein unaufhaltsamer Prozess, der neben positiven Effekten das Paradoxon einer Unüberschaubarkeit des Wissbaren kreiert. Somit sind skills und know-how zwar in allen gesellschaftlichen Teilsystemen gefragte Ressourcen, jedoch ist kaum mehr überschaubar, wo und wie sehr Experten und Berater mit ihrem Wissen Einfluss auf den sozialen Wandel nehmen. Letztlich lässt sich die moderne Expertenkultur, so eine Grundthese des vorliegenden Buches, nicht frei von Machtaspekten denken – und zwar auch und gerade dort nicht, wo es scheinbar um nichts anderes als um „reines Wissen“ geht."

Werner Krauss said...

"Letztlich lässt sich die moderne Expertenkultur, so eine Grundthese des vorliegenden Buches, nicht frei von Machtaspekten denken – und zwar auch und gerade dort nicht, wo es scheinbar um nichts anderes als um „reines Wissen“ geht."

Was für ein schöner, klarer Satz doch manchmal im allgemeinen klimazwiebel-gemurmel an die Oberfläche kommt!
Herzlichen Glückwunsch zum neuen Buch!

Peter Heller said...

Gekauft, gelesen und für gut befunden. Ein ausgezeichnetes Buch. Für mich das erste Mal, daß ich mich so tief auf sozioökonomisches Denken einlasse.

In gewísser Hinsicht ist das Buch ja auch ein Buch über mich, da ich genau als Wissensarbeiter (der Wissen über Wissen erarbeitet und vermittelt und dabei versucht, Komplexitäten erfaßbar zu machen) tätig bin.

Und dabei ist mir aufgefallen, daß ein wesentlicher Aspekt fehlt. Der des Risikos, dem ein Wissensarbeiter ausgesetzt ist. Denn ich möchte ja (in meinem Fall der Politik) Empfehlungen geben, die funktionieren, die zu den gewünschten Resultaten führen. Dabei muß ich natürlich beachten, auf Basis welcher Werte ein Politiker (ich arbeite für alle möglichen Farben) entscheidet, ich muß ihm also etwas vorschlagen, was sich in seinem Sinne nutzen läßt (sprich: durch Kommunikation bestimmter Ziele Wähler motiviert). Ob die Ziele am Ende auch erreicht werden, ist zweitrangig, in der Regel geht es nur um die Kommunikation. Aber meine Empfehlung muß so strukturiert und formuliert sein, daß sie möglichst unangreifbar ist. Da ich erstens niemals das gesamte verfügbare Wissen überblicken oder einsetzen kann (Komplexitätsreduktion) und zweitens niemals wissen kann,wie sich die Zukunft entwickelt, muß ich auswählen, werten und nach bestem Wissen und Gewissen priorisieren. Und das ist ein Risiko, denn ich könnte Wichtiges übersehen.

Ich behelfe mir damit, daß ich verschiedene, teils sehr gegensätzliche Möglichkeiten durchspiele (sozusagen alternative Zukünfte) und versuche, Empfehlungen abzuleiten, die unter allen (oder zumindest fast allen) dieser Zukünfte im Sinne meines Kunden optimale Ergebnisse liefern. Daß dabei auch meine Grundüberzeugungen immer einen Filter darstellen (unvermeidbar) ist ein weiteres Teil dieses Risikos.

Dafür bekommen meine Kunden von mir sehr robuste Empfehlungen.

Und diese sind genau deswegen verläßlich, weil ich nicht durch die Talkshows tingele. Leute wie Horx oder Sinn (um mal zwei Beispiele aus Deutschland zu geben) sind bspw. eben durch ihre öffentliche Präsenz verbrannt. Von denen werden nur noch eine längst getroffene Entscheidung bestätigende Empfehlungen abgefragt. Denn ihre persönliche Grundhaltung ist zu bekannt. Sie können diese nicht mehr glaubwürdig selbst kritisieren.

Will man auch mal etwas wissen, was einem möglicherweise nicht in die Strategie paßt, fragt man die Unbekannten wie mich. Die natürlich einen geringeren Marktwert haben, keine Frage. Aber bei Entscheidungsprozessen oft die größere Rolle spielen.

Bei den Stars (wie eben Horx, Sinn, u.a.) sind es ja oft auch nur noch die Mitarbeiter, die wirklich arbeiten. Der Star selbst gibt nur noch Platitüden und Gemeinplätze von sich. Dieses Modell, sich Aufträge zu schaffen, wird deswegen noch eine Weile Erfolg haben, weil die Gruppe der Wissensarbeiter in ihrer Bedeutung noch zu wenig wahrgenommen wird. Vielleicht ändert sich das durch Bücher wie dieses, ich würde es hoffen.

Denn im Sinne einer besseren Zukunft für unser Land, der wir Wissensarbeiter im Politikumfeld eben auch verpflichtet sein sollten bzw. sind (ich nehme das jedenfalls für mich in Anspruch), brauchen auch wir eine Art Berufsethos. Ähnlich wie Ärzte.