Von Prof. Dr. Reimund Schwarze, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Nach der feierlichen Unterzeichnung des Weltklimavertrags in New York drängte sich schon fast der Eindruck auf, dass die Welt bereits gerettet sei und man sich nach Jahrzehnten der Klimaverhandlungen nun wieder anderen Themen widmen könnte. Eines fällt derzeit unter den Tisch: Bei aller berechtigten Jubelstimmung – selbst wenn die Staaten ihren Verpflichtungen tatsächlich nachkommen, die Welt auf zwei Grad, wenn möglich auf 1,5 Grad bis zum Jahrhundertende zu begrenzen, ist in den kommenden Jahrzehnten mit beträchtlichen Klimaschäden zu rechnen, die besonders die ärmsten Länder der Welt treffen: 20 Prozent weniger Wasser auf der Welt heißt, dass sich die Ernten in Afrika halbieren, die Korallenriffe weltweit vollständig absterben, und die Mittelmeerländer unter nie gekannter Trockenheit und Hitze leiden werden. Selbst ein um 60 Zentimeter erhöhter Meeresspiegel bedeutet immer noch den Verlust weiter Küstenregionen in Asien und vieler Pazifikinseln. Die Folge: Millionen Menschen müssten weltweit fliehen. Die klimabedingte Migration macht, wie wir spätestens seit vergangenem Jahr wissen, nicht vor Europas Türe halt.